Aufblühen lassen

Bunte Blumenwiese unter blauem Himmel

Martina Steinbrecher

Impuls

Die hängenden Gärten der Semiramis haben mich schon immer fasziniert. Allein der Name Semiramis klingt doch wie ein Zauberwort.
 
War sie eine Königin? Im alten Babylon oder im fernen Ninive? Oder doch nur eine Traumfrau, von der viele geträumt haben mögen? Semiramis … Und wie darf ich mir dann erst ihre hängenden Gärten vorstellen? Da keine Pläne oder Zeichnungen von dem einstigen Wunderwerk erhalten sind, sehe ich eine kaskadengleiche Terrassenanlage vor mir mit einem ausgeklügelten Bewässerungssystem und einer atemberaubenden Blumenpracht.
 
Die Wahrheit über Semiramis wird sich wohl nicht mehr herausfinden lassen. Jedenfalls sind ihre hängenden Gärten das einzige der sieben antiken Weltwunder, das auf eine Frau zurückgeht. Und das, finde ich, ist dann auch schon wieder kein Wunder mehr: Frauen und ihre grünen Daumen! Kein Leuchtturm von Alexandria, kein Koloss von Rhodos, sondern eben ein Garten: Erde, Feuchtigkeit, Saat und Ernte, Wachstum, blühendes Leben, schöpferische Grünkraft. Die Erde war in allen Religionen eine weibliche Gottheit.
 
Und dann war da noch Wangari Maathai. Auch ihr Name klingt wunderschön, aber sie hat wirklich gelebt. In Kenia im Osten Afrikas. 71 Jahre alt ist sie geworden – und war in ihrem Leben Professorin für Tiermedizin und ab 2002 stellvertretende Ministerin für Umweltschutz. 2004 hat sie den Friedensnobelpreis bekommen. Für die von ihr gegründete Grüngürtel-Bewegung, besser bekannt unter ihrem englischen Namen „Green Belt Movement.“ Seit 1977 stiftet diese Bewegung Frauen dazu an, in Wüstengegenden Samen zu säen und Bäume zu pflanzen, damit die Böden sich festigen, Regenwasser speichern, Nahrung und Feuerholz bereitstellen. Leben ermöglichen. Bis heute sind dabei mehr als 45 Millionen Bäume gepflanzt worden.
 
Und noch immer entstehen aus dieser Verbindung von grünen Daumen und Grünkraft große und kleine Wunder. Das funktioniert auch dann, wenn Sie keine Frau sind oder keinen grünen Daumen haben. Denn dann haben Sie ein anderes Talent, mit dem Sie etwas aufblühen lassen können. Ganz bestimmt! Machen Sie die Welt ein wenig schöner, gerechter, österlicher. Damit uns die Weltwunder nicht ausgehen.