Ökumenisch gemeinsam nach Rom: Im Heiligen Jahr 2025 machten sich Vertreterinnen und Vertretern der Evangelischen Landeskirche in Baden und der Erzdiözese Freiburg als „Pilger der Hoffnung“ auf den Weg in die Ewige Stadt. Deutlich wurde, dass Ökumene vom Miteinander lebt – geistlich, menschlich und ganz praktisch. - Ein Reisebericht von Prälat Marc Witzenbacher.
Pizza, Papst und Pilgerweg

Landeskirche & Ökumene & Religionen
Als „Pilger der Hoffnung“ haben wir uns im Heiligen Jahr 2025 in die ewige Stadt aufgemacht: Landesbischöfin Heike Springhart und Erzbischof Stephan Burger gemeinsam mit Weihbischof Peter Birkhofer, den Ökumenebeauftragten Anne Heitmann und Fabian Freiseis sowie mir als Prälat. Begleitet wurden wir vom Chefredakteur des Konradsblatts, Klaus Gaßner, und André Kendel, Leiter der Kommunikation der ekiba. Ein geistlicher Weg sollte es sein, Ausrichtung auf den gemeinsamen Glauben an Jesus Christus und auf die Basis, die im Bekenntnis des Konzils von Nicäa niedergelegt ist und in diesem Jahr das 1700jährige Jubiläum feiert. Und doch war es viel mehr. Denn Ökumene lebt von der Begegnung, von dem Eintauchen und Miterleben der Tradition des anderen. Weltkirche auf besondere und vielfältige Art, auch italienische und vatikanische Lebensart im Schatten des Petersdoms. Das ganz wörtlich, denn wir waren als Gruppe innerhalb des Vatikans im Campo Santo Teutonico untergebracht, ein deutsches Seminar, einen Steinwurf vom Petersdom entfernt.
Als Auftakt gab es im Rahmen der Generalaudienz eine Begegnung mit dem erst seit wenigen Wochen amtierenden Papst Leo XIV. Rom steht noch im Zeichen des verstorbenen Papstes Franziskus, die Bilder Leos zieren erst wenige Stände der Devotionalienhändler rund um den Petersdom. Und doch spürt man Aufbruch und Neuanfang. Ein freundlicher und aufmerksamer Papst, dem man aber anmerkt, wie er noch mit den großen Aufgaben fremdelt. Plötzlich im Fokus der Weltöffentlichkeit, jede Geste auf Großleinwand und in aller Welt präsent. Aber er vermittelt von Beginn an klare Botschaften: Der Friede des Auferstandenen möge die Welt umgreifen, in seinem Segen sollen die Waffen schweigen und Versöhnung sich durchsetzen. In seiner Katechese über die Heilung des blinden Bartimäus (Mk 10,46-52) rief er dazu auf, „voller Vertrauen unsere eigenen Krankheiten und die unserer Lieben vor Jesus“ zu tragen sowie „den Schmerz derer, die sich verloren und ausweglos fühlen. Lasst uns auch für sie schreien und darauf vertrauen, dass der Herr uns erhört.“
Ein besonderes Erlebnis war der Gottesdienst in der Kirche San Bartolomeo auf der Tiberinsel. In ihr gedenkt die Gemeinschaft Sant Egidio der Märtyrer und verfolgten Kirchen der Neuzeit. In dem Gang durch das Museum wird erschütternd deutlich, wie viele Menschen in den vergangenen Jahrzehnten und Jahren ihr Leben für das Evangelium eingesetzt haben. Jedem Kontinent sowie den großen Verfolgungen durch Nationalsozialismus und Kommunismus sind unterschiedliche Räume gewidmet. Ein Gebetbuch, eine blutgetränkte Soutane oder auch ein Personalausweis sind sprechende Zeichen von Menschen, deren Martyrium auch Hoffnung und Zuversicht ausstrahlt: der Glaube lässt sich nicht unterdrücken, sondern zeugt selbst im Tod vom Leben, das auf den endgültigen Frieden ausgerichtet ist. Dass Landesbischöfin Springhart und Erzbischof Burger gemeinsam der Kirche ein handgeschriebenes Gebet von Max Josef Metzger übergeben, ist eine bedeutsame Geste für den wichtigen ökumenischen Pionier aus Schopfheim. Und schließt einen Bogen: Schon bei der Seligsprechung im November des vergangenen Jahres waren Landesbischöfin Heike Springhart und ich bei dem feierlichen Gottesdienst anlässlich der Seligsprechung im Freiburger Münster dabei. Diese hatte im Auftrag des Papstes Kurt Kardinal Koch durchgeführt, Präsident des Dikasteriums für die Einheit der Christen. Mit ihm konnten wir als Gruppe nun in Rom einen morgendlichen Gottesdienst im Campo Santo feiern und anschließend mit ihm frühstücken. Man spürte auch bei dieser Begegnung, wie wichtig persönliche Beziehungen und gemeinsamen Bezugspunkte für das ökumenische Miteinander sind.
Die Bitte um den Frieden leitete uns, als wir durch die Heilige Pforte im Petersdom gingen. Gemeinsam beteten wir mit Psalmen sowie dem Gebet von Papst Franziskus für das Heilige Jahr, dass wir zu „fleißigen Säleuten des Samens des Evangeliums“ werden, die von der Hoffnung auf den neuen Himmel und die neue Erde leben. Das Gebet führte uns auch als Gruppe enger zusammen und führt uns plastisch die Bitte Jesu um die Einheit vor Augen (Joh 17,21), „damit die Welt glaube“. Wo wir uns spalten oder gegeneinander ausspielen lassen, machen wir auch unser Zeugnis unglaubwürdig. Wo wir uns auf das gemeinsame Zeugnis besinnen und uns auf das ausrichten, was wir gemeinsam tun können, wird unser Miteinander und damit unsere Ausstrahlungskraft gestärkt.
Dass unser Glaube Zeugnis in Wort und Tat bedeutet, wird bei dem Besuch der Initiative Mediterranean Hope der Waldenserkirche sowie der Föderation evangelischer Kirche in Italien in Rom deutlich. „Unser Glaube drängt uns dazu, den Menschen zu helfen, die sich nach Frieden und einem Leben in Sicherheit sehnen“, berichtet Alessandra Trotta, Moderatorin der Waldenserkirche in Italien. Deren Geschichte ist durchzogen von dem Einsatz für andere und der sozialen Perspektive des Evangeliums. Mich beeindruckt, wie selbstverständlich dies für alle Beteiligten sowie auch die Kirche selbst ist. Und dass es ein tief im Glauben verwurzeltes Engagement ist. Nicht frömmelnd, sondern praktisch und direkt – dort, wo Menschen in Italien stranden. Die Initiative Mediterranean Hope kümmert sich um die Menschen und die ersten Schritte, setzt sich aber zudem dafür ein, Geflüchteten bei ihrer Integration zu helfen: Wohnungssuche, Sprachkurse, Arbeitssuche. Sie ist eine wichtige Säule des Engagements für Geflüchtete in Italien geworden und aus dem Hilfsnetz nicht mehr wegzudenken.
Dass Ökumene auch Strukturen braucht, wird im Besuch des Dikasteriums für die Einheit deutlich. Pater Augustinus Sander, zuständig für den Dialog mit den Lutheranern, erläuterte die Geschichte und die verschiedenen Ebenen des Dialogs, den der Vatikan seit dem Zweiten Vatikanum führt. Manchmal hinken die Strukturen auch hinterher, aber ohne ein geordnetes Verfahren haben die Ergebnisse des Dialogs noch weniger Chancen, von den Kirchen rezipiert zu werden. Dass dabei noch reichlich Luft nach oben ist, darin sind sich alle einig.
Unser gemeinsames Fundament konnten wir besonders eindrücklich mit einem Gottesdienst am Petrusgrab unterhalb des Altars im Petersdom zum Ausdruck bringen. Das Gebet stand angesichts der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Israel und dem Iran ganz im Zeichen der Bitte um den Frieden für den Nahen Osten und die ganze Welt.


