Lev Kollektiv: Ein Herzensraum für Gott

Sternenhimmel über Wald

Glaube & Spiritualität

Gott in neuen Formen finden - dazu gibt es an vielen Orten Initiativen und Projekte. Eine besondere Gemeinde ist 2024 in Heidelberg entstanden: das Lev Kollektiv. Wir haben mit der Gründerin Damaris Hecker darüber gesprochen, was diese Gemeinde ausmacht.  

Was ist das Lev Kollektiv und wie ist es entstanden? 
Damaris Hecker: Wir sind eine Gemeinde, die explizit queerfreundlich ist, eine Gemeinde oder Gemeinschaft, in der nicht diskutiert wird, ob du so sein darfst wie du bist. Unser Motto heißt: „Willkommen sind alle, die alle willkommen heißen.“  Das bedeutet, dass alle, die das wollen, willkommen sind. Wer hier nicht mitgeht, ist bei uns dann auch nicht willkommen. Das soll nicht ausschließen, sondern ermöglichen, dass die, die da sind, einen größtmöglichen safer space erfahren können.   
Eines Morgens war mir klar, ich muss eine Gemeinde gründen für Queer und Allies. Als Pastorin der Evangelisch-methodistischen Kirche freue ich mich sehr, dass die Kirche mein Projekt genehmigt hat. Eine langjährige Freundin ließ sich von der Idee anstecken. Und nach einer Begegnung im Coworking Space waren wir zu dritt. Deutlich war: wir suchen etwas ganz Ähnliches. So machten wir uns auf, zu finden und zu entwickeln.  
 
Porträtfoto Damaris Hecker
Pastorin Damaris Hecker

Quelle: Damaris Hecker privat

Wofür steht Lev?  
Damaris Hecker: Lev ist hebräisch und bedeutet Herz. Wir sind mit ganzem Herzen dabei. Mit ganzem Herzen wollen wir Gottes Liebe für ALLE Menschen in die Welt bringen. Mit ganzem Herzen zeigen wir uns. Mit ganzem Herzen suchen wir Begegnung. Der Begriff „Lev“ nimmt die Vielschichtigkeit der Person auf und ist zugleich ein Ort von Erkenntnis und Wollen. Das Herz ist nicht einfach Organ oder Gefühl, sondern betrifft den ganzen Menschen. 
 
Warum nennt ihr euch Kollektiv? 
Damaris Hecker: Ein Kollektiv ist ein Zusammenschluss von Menschen, die ein gemeinsames Interesse haben. Wir haben uns zusammengeschlossen, um gemeinsam radikal offen unserer Sehnsucht nach Spiritualität Raum zu geben, zu finden und zu glauben und Leben zu teilen. Der Begriff deutet auch an, dass bei uns etwas anders ist als in klassischen Gemeindekontexten. Es ist eine offene Form, in der sich jede*r einbringen kann. Wir suchen neue Formen, probieren aus. Kollektive sind keine geschlossenen Gruppen. Personen kommen hinzu, andere ziehen sich zurück. Und wenn die Gemeinschaft spürt, dass die Zeit vorbei ist, lösen sich Kollektive wieder auf. Aber bis dahin sind Kollektive oftmals intensive, auch kreative Gruppen.  
 
Wie sieht euer „Gemeindeleben“ aus? Was ist das Besondere?  
Wiese mit Hängematte und Wohnwagen
Sommertreffpunkt des Lev Kollektivs

Quelle: Damaris Hecker privat

Damaris Hecker: Gemeinsam suchen wir Formen, wie wir unseren Glauben, unsere Spiritualität leben und zugleich Fragen und Zweifeln Raum geben können. Bei uns gibt es wenig feste Elemente und keine „Must-haves“. Wir leben viel Tischgemeinschaft, sitzen im Kreis und tauschen uns auf Augenhöhe über Bibeltexte und andere Texte aus („Bibel teilen“). Das ist oft sehr intensiv und persönlich. Bei jedem Treffen werden die Werte für den Umgang miteinander ausgesprochen. Dass alle willkommen sind, wer auch immer sie sind und wo auch immer sie sich gedanklich befinden, wie auch immer sie leben. Und es wird betont: Hier darf alles gesagt werden, hier wird nicht gewertet, hier darf alles gefragt werden, niemand aber muss antworten. Eigene Grenzen einhalten, ist uns ganz wichtig. 

 
Was suchen die Menschen, die zu euch kommen?   
Damaris Hecker: Raum, um ohne Erwartungen, mit Neugier, Wertschätzung und Offenheit auf freie und vielfältige Art und Weise Gott und einander zu begegnen. Ohne Zwang und ohne Mindestanforderung. Wir setzen uns gegen Diskriminierung, Ausgrenzung und Ablehnung ein und für die Gleichwertigkeit aller Menschen und eine bunte, vielfältige Gesellschaft, in der jede*r willkommen ist. Wichtig ist, dass wir immer achtsam, offen und flexibel bleiben. Dass wir nachspüren, was gebraucht wird und unsere momentane Form immer wieder hinterfragen. Wir wissen, dass wir Fehler machen und bemühen uns, diese zu erkennen und aus ihnen zu lernen. Wir wollen uns stetig weiterentwickeln. (30.07.2025)  
 
Weitere Infos zum Lev Kollektiv