Wochenmarkt

Wibke Klomp
Impuls
Mittwochs ist Wochenmarkttag. In meiner Kindheit war das ein ganz wichtiger Tag, denn meine Eltern haben auf dem Wochenmarkt einen kleinen Stand mit Wurst und Käse betrieben.
Den gibt es schon lange nicht mehr, aber meine Liebe zum Wochenmarkt, die ist geblieben.
Gerade jetzt im Herbst schlendere ich gerne über einen Wochenmarkt.
Denn dann wird das Kind in mir wieder wach, das dort zwischen den Buden aufgewachsen ist. Ich lasse mich durch die Reihen treiben und sauge die unvergleichliche Wochenmarktluft in mich auf. Diese Mischung von reifen Pflaumen und Trauben, von Rosenduft, Bratwurst, Bauernbrot, Petersilie und würzigem Rosmarin. Ich spüre den Düften nach, freue mich, wenn ich etwas richtig zuordne. Ich sehe mir die Verkäufer an, die oft noch selbst die Erzeuger sind. Ihr Strahlen, ihr Stolz auf ihre Ware, von den Feldern, aus ihren Backstuben. Und mitten in dieser Atmosphäre kommen mir noch mehr Erinnerungen: an den Pflaumenkuchen meiner Oma, immer mit einer riesigen Portion schneeweißer Sahne dazu; Erinnerungen an meinen Vater, wie er sich jedes Mal gegen Mittag, kurz vor Ende der Marktzeit, eine Bratwurst am Stand gegenüber geholt hat.
Wochenmarkt, das ist für mich die Fülle des Lebens. Eine Ausstellung der guten Gaben Gottes. Ein Ort der Begegnung von Menschen. Eine Explosion der Sinne.
„Schmecket und sehet wie freundlich der Herr ist,“ heißt es einmal in der Bibel. Wenn es einen Ort gibt, an dem dieses Wort zur Wirklichkeit wird, dann ist es für mich der Wochenmarkt. Darum gehe ich so gern dorthin und bin immer wieder neu dankbar für die Fülle und Pracht, die ich da sehen und erleben darf. Die herrlichen Farben, das leuchtende Orange der Kürbisse, das Rot der letzten Himbeeren, die violetten Herbstastern, goldener Rapshonig, farbenfroher Mangold.
Einen Nachteil hat das Ganze allerdings, ich brauche unendlich lange, bis ich mich entschieden habe, was ich denn nun wirklich als Einkauf mit nach Hause nehmen möchte. Aber eines ist sicher: Am Ende ist nicht nur mein Korb mit Waren voll, sondern auch mein Herz mit wunderbaren Eindrücken. (10.10.2025)