Raum für Kinderfragen

Glaube & Spiritualität
Kinder sind neugierig und voller Fragen. Warum es gerade für die Kirche wichtig ist, Kindern eigene Räume des Glaubens zu eröffnen und wie Familien Glauben im Alltag leben können, beschreibt Lutz Wöhrle, der Landeskirchliche Beauftragte für Kindergottesdienst in Baden.
Warum gibt es eigene Gottesdienste für Kinder?
Ich erlebe das als unglaublich wertvoll, wenn es einen Raum gibt, wo Kinder ihre Fragen stellen können, wo sie Aufmerksamkeit bekommen, wo ihnen zugehört wird, wo sie ernst genommen werden. Ich glaube, wir haben als Kirche Kindern gegenüber eine besondere Verantwortung. Und es macht uns insgesamt reicher, wenn wir Orte schaffen, wo wir sie besonders in den Blick nehmen.
Warum haben wir Kindern gegenüber eine besondere Verantwortung?
Jesus hat gesagt: „Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder…“, das finde ich unglaublich prägend und ich glaube, dass es für uns als Gemeinschaft gut ist, wenn wir uns das zu Herzen nehmen. Außerdem sind Kinder in unserer Gesellschaft zahlenmäßig ja nicht sehr stark vertreten. Kirche hat immer auch eine Verantwortung für Menschen da zu sein, die in der Gefahr stehen, übersehen zu werden. Ich finde, nicht nur die Familien haben eine Verantwortung, die Kinder im Glauben zu begleiten. Wir als Kirche, die wir taufen und damit sagen: „Ihr gehört zu uns“, sollten dann auch Verantwortung mit übernehmen.
Was interessiert Kinder deiner Erfahrung nach besonders?
Für mich sind es immer besondere Momente, Kindern die biblischen Geschichten zu erzählen und sie mit ihnen zu teilen. Ich merke, dass da bei Kindern, aber auch bei Erwachsenen nach wie vor ganz viel angesprochen und dadurch auch eröffnet wird.
Die Fragen haben letztlich immer mit den Lebenswelten der Kinder zu tun, was ihnen da gerade begegnet. Also es geht um Verletzungen, aber auch um Freuden, um besonders schöne Erlebnisse, die sie teilen wollen, genauso wie um Streit und Trauer und die Frage, wie ich damit umgehen kann. Dafür können wir Räume schaffen.
Was würdest du Familien raten, wie sie Glaubensfragen oder Glaubensrituale in ihren Alltag integrieren können?
Grundsätzlich würde ich Eltern mitgeben, dass sie eine Offenheit dafür haben, mit ihren Kindern auch Glaubensdinge gemeinsam zu entdecken und zu erforschen. Ich erlebe Kinder als neugierig und offen in vielen Bereichen und deshalb ist es gut, auch religiöse Fragen und Themen mit Kindern anzugehen. Traut euch an alle Themen ran, von den großen Freuden bis zu Trauer, Tod und Verlust. Und das andere, worin ich Eltern ermutigen möchte, sind kleine Rituale. Die erlebe ich für Kinder und Familien als sehr haltgebend. Zum Beispiel das Abendgebet oder Gebete rund ums Essen. Ich rate dazu, sich auch in anderen Momenten immer wieder eine Auszeit als Familie zu gönnen: wenn man an einer Kirche vorbeiläuft, reinzugehen und gemeinsam eine Form zu finden für Gebet, singen, Geschichten erzählen und hören. (20.10.2025)