Um den eigenen Sohn trauern - Wenn der Glaube trägt

Taufe & Konfirmation & Hochzeit & Beerdigung
Ihr Sohn Simon ist kurz nach seiner Konfirmation beim Rudern tödlich verunglückt. Dreizehn Jahre ist das her, aber natürlich erinnert sich Sabine Ningel noch ganz genau an das, was ihr in der ersten Zeit geholfen hat, mit dem Schock umzugehen und im Lauf der Jahre, um mit der Trauer zu leben. Ihr Glaube spielt dabei eine wichtige Rolle. Davon erzählt sie im Interview.
Sie wollte ihre Kinder vom Training abholen, als die Einsatzfahrzeuge der Polizei und des Rettungsdienstes sie überholen. Kurz zuvor saß ihr Sohn noch im Ruderboot, stieß dann mit einem Schubboot zusammen und wurde dabei tödlich verletzt.
Sabine, wie hast du diese erste Zeit erlebt?
Das war natürlich ein unglaublicher Schock. Eine ganz große Stütze war die Notfallseelsorge. Die waren sehr schnell da und haben das mit uns ausgehalten. Sie waren für mich da, aber auch für die ganze Trainingsgruppe. Am nächsten Morgen standen sie um halb acht in der Schule und haben sich um die Schülerinnen und Schüler und das Kollegium gekümmert. Ich war damals erst mal im Orga-Flow: alles zu organisieren, alle so aufzufangen, dass alle gut versorgt sind. Aber ich habe schon auch im Glauben eine Stärke gefühlt.
Wie hat dir dein Glaube geholfen?
Einmal war für uns total wichtig, dass Simon selbst gläubig war. Während seiner Zeit als Konfirmand war das immer wieder Thema. Als Konfirmandenspruch hat er sich die Worte ausgesucht: Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Darüber hat er auch bei der Begrüßung seiner Gäste beim Fest gesprochen. Das hatten wir auch auf der Trauerkarte, darunter sein Taufspruch: Ich weiß, dass mein Erlöser lebt. Dass er das geglaubt hat, hat auch uns getragen.
Der Glaube hat mir auch geholfen, ihn nicht nur zu vermissen, sondern auch sehr dankbar zu sein, dass wir ihn gehabt haben und dass er glücklich war. Bis heute ist uns auch wichtig, gemeinsam zu trauern. Wir treffen uns immer noch jedes Jahr am Unfalltag um 18 Uhr im Hafen. Ich frage mich manchmal, wie Menschen ohne Glauben mit Trauer fertig werden. Für mich persönlich ist das unvorstellbar.

Sabine Ningel
Quelle: privat
Ich sage immer: wir haben einen Gott nicht nur in guten Zeiten. Wir dürfen ihm auch klagen. Das ist für uns ganz viel Trost gewesen, zum Beispiel in Form der Kirchenmusik. Drei Jahre nach Simons Tod haben wir ganz bewusst mit unserem Chor das Brahms-Requiem gesungen.
Was sich für mich verändert hat, ist mein Blick auf das Vergeben. Natürlich hätte damals von der Schubeinheit jemand besser schauen müssen. Wir haben das Verfahren aber eingestellt, weil uns das unseren Sohn auch nicht wieder gebracht hätte. Ich denke, man muss versuchen, sich mit so einem Geschehen irgendwie zu versöhnen und anderen auch vergeben. Wenn man immer nur nach Vergeltung sucht, wird es auf eine Art immer in einem brennen, die nicht guttut.
Jeder Mensch muss und darf für sich selbst entscheiden, wie er oder sie trauert. Mein Mann und ich haben lange gebraucht, bis wir uns selbst die Erlaubnis gegeben haben, dass es uns in Maßen auch wieder gut gehen darf. Zu akzeptieren, dass wir das Leben nicht in der Hand haben, war ein wichtiger Schritt für uns. Wir wissen Simon und uns in Gottes Hand.
Was würdest du Menschen raten, die Trost im Glauben suchen?
Es gibt inzwischen ja viele Angebote, wo man einfach hinkommen kann: Trauercafés oder Trauerbänke zum Beispiel. Offene, einladende Angebote wahrnehmen, wo man über seine Trauer sprechen kann. Es gibt immer wieder Situationen, wo es aus dir raussprudelt und du sprechen willst. Dann offen zu sein für Gemeinschaft, sich nicht zu verkriechen, ich glaube, das ist das Wichtigste. (20.11.2025)
Hinweise zum Umgang mit Trauer findest du auch hier