Stillgestanden!

Martina Steinbrecher
Impuls
Kinder, wie die Zeit vergeht! Weihnachten ist schon wieder vorbei und in ein paar Tagen ist das Jahr 2025 auch schon wieder Geschichte! Die Zeit rast – und trotzdem werden die Tage jetzt gern als Zeit „Zwischen den Jahren“ bezeichnet, als wären sie merkwürdig aus der Zeit gefallen, ja, als stünde die Zeit zwischen Weihnachten und Silvester irgendwie still. Von mir aus könnte sie das gern noch eine ganze Weile lang tun, damit ich endlich mal zur Ruhe komme, bevor in der ersten Januarwoche dann alles wieder an Fahrt aufnimmt.
Im Alten Testament gibt es eine Geschichte, in der erzählt wird, dass die Zeit tatsächlich mal für einen ganzen Tag stillgestanden hat. Es ist eine recht altertümliche Kriegsgeschichte, faszinierend und auch ein bisschen unheimlich. Josua, der Feldherr der Israeliten, stellt sich mitten in einem unübersichtlichen Schlachtengetümmel hin und ruft der Sonne und dem Mond zu: „Sonne, steh still über Gibeon, und du Mond, über dem Tal von Ajalon!“ (Josua 10,12) Und tatsächlich bleiben Sonne und Mond in dieser Geschichte sofort stehen. 24 Stunden lang. Als es endlich wieder dunkel wird, haben die Israeliten im Kampf gesiegt.
Wer das könnte: Der unerbittlich vergehenden Zeit einen zusätzlichen Tag abringen. Für die eigenen Interessen! Was für eine gewaltige Versuchung! Ein Traum, der auch die Phantasien von Filmemachern immer wieder beflügelt. Ich hab‘ mal einen gesehen, da konnte der Held auch auf die Stopptaste drücken und die Zeit anhalten. Alle anderen und alles um ihn herum friert ein, nur er selbst kann sich noch bewegen und ungestört seine Ziele erreichen. Nichts hält ihn auf! Aber das ist ja auch kein Kunststück, wenn man seiner Zeit immer einen Schritt voraus sein kann.
Aber, wie um solche Begehrlichkeiten gleich wieder in ihre Schranken zu weisen, heißt es in der Geschichte von Josua: „Nie wieder gab es einen solchen Tag wie diesen, weder in der Vergangenheit noch in der Zukunft.“
Gott sei Dank, muss ich sagen, denn stellen Sie sich mal vor, Josuas Beispiel hätte Schule machen! Wir kämen ja vor lauter Stillstand überhaupt nicht mehr vom Fleck! Nie mehr würde ein neues Jahr anfangen. Alles bliebe stecken. Soll die Zeit doch ruhig vergehen! Stehen, sagt die Bibel, stehen tut sie nur in Gottes Händen. Und das ist doch ein gutes Gebet zwischen den Jahren: Meine Zeit, Gott, steht in deinen Händen. (28.12.2025)