Nächstenliebe heute: Stimmen aus der ekiba

Hand mit Armband Spread love

Nächstenliebe ist in fast allen Religionen und spirituellen Traditionen fest verankert. Im Christentum ist sie eines der wichtigsten Gebote: “Liebe deinen Nächsten wie dich selbst” (Markus 12,31). So wird betont, dass die Liebe zu Gott eng mit der Liebe zu anderen Menschen verbunden ist. Wir haben Mitarbeitende in der ekiba gefragt, was Nächstenliebe für sie bedeutet, und wo und wie sie sie erleben.

 
Landeskirchliche Beauftragte für Flucht, Migration und Integration
Nächstenliebe bedeutet für mich, immer wieder zuzulassen, dass Menschen für mich überhaupt zu Nächsten werden können. Auch wenn sie erst einmal so ganz "fremd" auf mich wirken und ich meine inneren Schranken mühsam hochdrücken muss. Nächstenliebe bedeutet für mich, einfach mal zuzuhören. Ohne eine Antwort zu haben. Ja, sogar mal eine Antwort runterzuschlucken.
 
Beauftragter der Evangelischen Landeskirchen in Baden und Württemberg beim Landtag
Für mich bedeutet Nächstenliebe, Menschen immer auch in ihrer Bedürftigkeit und Verletzlichkeit anzusehen. Herausfordernd ist das ja immer dann, wenn die Begegnung zuerst einmal unsympathisch oder befremdlich ist. Dann hilft es, wenn ich mir Zeit nehme und versuche, hinter das Verhalten zu schauen: Welche Sorgen oder Nöte treiben ihn oder sie um? Wonach sehnt er oder die sich? Die Vesperkirche ist für mich ein herausragender Lernort für Menschlichkeit und Nächstenliebe.
 
 
Ökumenische Mitarbeiterin, (Partnerkirche Kansas-Oklahoma Conference of the United Church of Christ) 
Normalerweise bin ich diejenige, die Nächstenliebe geben kann, aber dieses Jahr, wo ich mit meiner Familie in Deutschland lebe, bin ich diejenige, die sie bekommt. Ich erlebe Nächstenliebe, wenn ein Ladenbesitzer oder Kollege geduldig ist, während ich mich mit meinem Deutsch abmühe. Ich erlebe sie, wenn mein Nachbar mir lokale Traditionen erklärt. Meine Familie erlebt sie, wenn uns jemand zu sich nach Hause zum Essen einlädt. Nach diesem Jahr werde ich Nächstenliebe immer ein bisschen anders sehen.
Leiter der Abteilung Diakonie, Migration, Interreligiöses Gespräch  
Für mich bedeutet Nächstenliebe, wenn ich mich um einen Menschen kümmere und ihm helfe, obwohl ich weder Zeit noch Lust habe und ihn eigentlich auch nicht mag. Ich erlebe sie oft genug, wenn sich Menschen um ihre Verwandten und Nachbarn kümmern. Bei der Steuererklärung helfen. Die Hecken zurückschneiden. Ihnen etwas ins Krankenhaus bringen. Sie besuchen, wenn sie einsam sind, und viel zu lange den immer gleichen Geschichten zuhören.  
 
Diakonin, Nachwuchsgewinnung und kirchliche Studienbegleitung an der EH-Freiburg
Für mich bedeutet Nächstenliebe zu helfen, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Das Anbieten eines Sitzplatzes in der Bahn einer anderen Person gegenüber. Das Spendieren eines Kaffees der Person vor mir, weil das nötige Kleingeld fehlt. 
Auch ein Kompliment an eine fremde Person, für die Frisur, den schönen Pullover, oder das schöne Lächeln empfinde ich als Nächstenliebe in meinem Alltag.
 
 
Leiter Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt / 
Studienleiter Arbeitswelt und Wirtschaft der Evangelischen Akademie 
Für mich zeigt sich Nächstenliebe in kleinen Gesten, die zwischen Menschen selbstverständlich geschehen, aber gar nicht mehr ganz selbstverständlich sind; Momente, in denen einer dem anderen liebevollen Raum bei und neben sich einräumt, ihn oder sie einfach gut sein lässt, einander Unbekannte sich im Kleinen unterstützen oder auch Menschen sich im Vorübergehen lächelnd ansehen. Da strahlt für mich etwas auf von dem, wie Gott sich das zwischen uns Menschen vorstellt. Oft werde ich dann kitschig an den Kommentar erinnert, der der Eingangssequenz des Kinoklassikers „tatsächlich … Liebe“ unterlegt ist:  "Wenn mich die weltpolitische Lage deprimiert, denke ich immer an die Ankunftshalle im Flughafen Heathrow. Es wird allgemein behauptet, wir lebten in einer Welt voller Hass und Habgier. Aber das stimmt nicht. Im Gegenteil, mir scheint, wir sind überall von Liebe umgeben. Oft ist sie weder besonders glanzvoll noch spektakulär, aber sie ist immer da."
 
 
Referentin für Gender, Lebensalter, Lebensformen 
Nächstenliebe bedeutet für mich, der Welt und meinem Gegenüber mit offenen Augen und offenen Ohren zu begegnen und – wenn es erforderlich ist – mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Zum Beispiel meine Nichte zu unterstützen, wenn es in der Schule oder anderswo hakt. Mit einer Nachbarin einen Kaffee zu trinken, um ihre Sorgen zu teilen. Eine Demonstration zu besuchen, um mich gegen Diskriminierung einzusetzen. Beim Spaziergang Müll aufzusammeln – als kleinen Beitrag für unsere Umwelt.
 
Referent für Freiwilligendienste
Nächstenliebe bedeutet für mich mein Gegenüber in seiner Ganzheitlichkeit wahrzunehmen, anzuerkennen und wertzuschätzen. Sich auf Augenhöhe zu begegnen - Verschiedenheit als Stärke und nicht als Schwäche anzunehmen. Ich erlebe sie im Beruf, der Familie, auf der Straße und überall, wo sich Menschen begegnen. Sie zeigt sich im Kleinen wie im Großen. Das ehrliche Interesse am Gegenüber, das Ehrenamt, das zivilgesellschaftliche Engagement und vieles mehr.  Nächstenliebe im wie und wo unterliegt keinem Ort und sollte keiner Bewertung zugrunde gelegt werden.
 
Diakon, Regional-Verantwortlicher für Kirche Kunterbunt, FreshX, Baumhauscamp
Für mich bedeutet Nächstenliebe, die Liebe Gottes mit Kopf – Herz und Hand konkret weiterzugeben und Menschen so anzunehmen, wie Christus es getan hat. Sie zeigt sich darin, Zeit zu schenken, zuzuhören und Gemeinschaft zu ermöglichen – auch jenseits klassischer kirchlicher Räume. In meiner Arbeit als FreshX Pionier und Gründercoach heißt das, Menschen in ihren Fragen, Brüchen und Hoffnungen ernst zu nehmen und sie auf ihrem Weg zu begleiten ihr Leben und ihren Glauben geheilt und geheiligt zu leben.
(11.02.2026)