Im Fokus: Die Karwoche - Bedeutung, Ursprung und zentrale Tage der Passionszeit

Violettes Parament in der evangelischen Kirche in Bühl

Glaube & Spiritualität

Als Karwoche wird die Woche vor Ostern bezeichnet. Sie führt Schritt für Schritt durch wichtige Stationen im Leben Jesu bis zu seinem Tod.
Die Karwoche beginnt am Palmsonntag und endet mit dem Karsamstag. Am Ostersonntag feiern Christinnen und Christen die Auferstehung Jesu. 
 

Was in der Karwoche gefeiert wird

In der Karwoche erinnern sich Christinnen und Christen an die letzten Tage Jesu, vom Einzug in Jerusalem, über das gemeinsame Mahl mit seinen Jüngerinnen und Jüngern, bis zu seiner Verhaftung und seinem Tod am Kreuz. 

Die Tage der Karwoche

Palmsonntag: Der König auf dem Esel

Der Palmsonntag ist mit dem Einzug Jesu in Jerusalem verbunden (Matthäus 21,1-11). Dort will Jesus mit seinen Jüngern und Jüngerinnen das Pesachfest feiern. Auf einem Esel reitend kommt er in die Stadt und wird mit großem Jubel empfangen. Als Zeichen der Verehrung breiten Menschen Zweige und Kleider vor Jesus auf der Straße aus, damit er wie auf einem Teppich darüber reiten kann. Sie sind voller Hoffnung, dass Jesus das jüdische Volk von den römischen Besatzern befreit. Die Verantwortlichen beschließen jedoch, Jesus zu töten.
Auch wenn die bevorstehende Kreuzigung schon mitschwingt, ist der Palmsonntag ein Freudentag.

Gründonnerstag: Gemeinschaft und Auftrag

Am Gründonnerstag erinnern sich Christinnen und Christen an das Abschiedsessen Jesu mit seinen Jüngern und Jüngerinnen in Jerusalem. Während dieser Feier spricht Jesus von Verrat und Schuld und kündigt seinen Tod an. Aber er verspricht auch, dass ihre Gemeinschaft mit seinem Tod nicht enden wird, sondern er weiterhin bei ihnen ist, wenn sie in seinem Namen Tischgemeinschaft halten. Danach geht Jesus mit ihnen in den Garten Getsemani, um zu beten. Hier zeigt er sich besonders verletzlich: er bittet die Jünger wach zu bleiben, was sie aber nicht schaffen. Im Garten Getsemani wird Jesus verhaftet, nachdem Judas ihn mit einem Kuss für die Römer zu erkennen gegeben hat. (Matthäus 26,17-56)
 
Die Feier Jesu mit seinen Jüngerinnen und Jüngern gilt als die Einsetzung des Abendmahls, das auch heute noch regelmäßig gefeiert wird.
An Gründonnerstag ist das Abendmahl in nahezu allen Gottesdiensten fester Bestandteil. Den ursprünglichen Charakter dieses Abends unterstreicht besonders die Form des Tischabendmahls.  

Karfreitag: Das Kreuz im Zentrum

Am Freitag vor Ostern gedenken Christinnen und Christen der Kreuzigung und des Todes Jesu.
Nach der Verhaftung wird Jesus vor den obersten Priester und den jüdischen Rat gebracht. Dann wird er zum römischen Statthalter Pontius Pilatus geführt, der ihn zum Verhör zu Herodes schickt. Schließlich fällt Pilatus das Todesurteil. Jesus wird nach Golgota gebracht und dort gekreuzigt. Sein Leichnam wird vom Kreuz abgenommen und im Grab eines reichen Mannes, Josef aus Arimathäa, beigesetzt. (Matthäus 26, 57 – 27, 61)   
Seit dem 19. Jahrhundert gilt der Karfreitag in der evangelischen Kirche als einer der höchsten Feiertage. Besinnung und Stille prägen den Tag. Im Gottesdienst schweigen Orgel und Glocken.

Karsamstag: Die Stille des Grabes

Der Karsamstag ist der stille Tag zwischen Tod und Auferstehung Jesu.
Die Hohepriester und Schriftgelehrten lassen Jesu Grab bewachen (Matthäus 27,62-67). Die Jüngerinnen und Jünger erleben diesen Tag als Zeit der Ratlosigkeit und des Wartens.
Mit diesem Tag endet die Karwoche. Er erinnert daran, dass Gottes Handeln oft im Verborgenen geschieht, bevor neues Leben hervorbricht.
 
Die Karwoche ist zusammen mit dem folgenden Osterfest die wichtigste Woche im christlichen Kirchenjahr.

Weitere Informationen zur Karwoche

  • Das Wort „Karwoche“ wird abgeleitet vom althochdeutschen Wort "kara" = Trauer, Klage.
  • Die Karwoche wird auch als „Stille Woche“ oder „Heilige Woche“ bezeichnet.

Liturgische Farben in der Karwoche

Wie allen christlichen Festtagen sind auch den Tagen in der Karwoche liturgischen Farben zugeordnet, die die Bedeutung des Tages unterstreichen:
  • Palmsonntag: violett (Farbe der Buße)
  • Gründonnerstag: weiß (Symbol des Lichts)
  • Karfreitag und Karsamstag; schwarz (Zeichen der Trauer)

Welche Bedeutung die Karwoche heute hat

Die Bedeutung der Karwoche beschreibt Gunnar Garleff, Pfarrer in Heidelberg, so:
„Die Karwoche ist für mich eine Woche des Nachdenkens und der Meditation. Besonders ein Abschiedswort Jesu aus dem Johannesevangelium bedeutet mir dabei sehr viel: „Christus spricht: Ihr habt nun Traurigkeit; aber ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen.“ (Johannes 16,22). Wo habe ich Traurigkeit, wovor fürchte ich mich und wie wird mich Ostern verwandeln? Worauf hoffe ich? In der Karwoche erlebe im Nachdenken die Tiefe des Lebens und zugleich lebe ich auf Ostern hin.“

Die Karwoche persönlich erleben

Nimm dir Zeit, um in dieser Woche die Passionsgeschichte zu lesen. Was Jesus in Jerusalem erlebt, wie er verurteilt, gekreuzigt und begraben wird, findest du im Matthäusevangelium in den Kapiteln 26-27. Du kannst über diese Ereignisse aber auch im Markusevangelium die Kapiteln 14-15 oder im Lukasevangelium die Kapitel 22-23 lesen.
 
Eine Möglichkeit, die Tage von Palmsonntag bis zum Ostersonntag als eine besondere Zeit zu gestalten, bietet dir kirchenjahr-evangelisch.de/andachten mit einem Impuls für jeden Tag.
 
Die Karwoche macht Mut, mit offenen Augen durch die eigenen Herausforderungen zu gehen und darauf zu vertrauen, dass Ostern kommt – auch innerlich. (27.03.2026)
 
Das Bild zeigt das Parament der evangelischen Kirche Bühl. Künstlerin: Christel Holl & Fotograf: Hans Adam