Motivation und Haltung
Menschen willkommen zu heißen ist es ein Zeichen der Aufmerksamkeit und Wertschätzung. Es signalisiert: Wir nehmen dich wahr hier am Ort und wir heißen dich willkommen.
Manche Gemeinden gehen auf ihre Neuzugezogenen Gemeindemitglieder zu, indem sie sie besuchen. Dabei kommt stark auf die innere Haltung an: Was motiviert Verantwortliche und Engagierte, Neuzugezogene willkommen zu heißen? Geht es um ein freundliches und aufmerksames Willkommen Heißen – oder verbindet sich damit der heimliche Wunsch, dass doch der eine oder die andere zu einer (längerfristigen) Bindung an die Kirchengemeinde findet? So verständlich dieser Wunsch ist, so sehr spürt das Gegenüber doch zugleich, ob es um ihn als Person und seine Situation geht oder ob jemand Werbung für die eigene Kirchengemeinde macht und neue Mitglieder gewinnen möchte. Das schließt nicht aus, den anderen auch über kirchliche Angebote zu informieren. Doch im Vordergrund steht die besuchte Person.
Weil keine Kirchengemeinde alle Menschen erreichen und für alle Menschen in ihren unterschiedlichen Lebenssituationen, Milieus und Lebensstilen Möglichkeiten zum Andocken bieten kann, ist es hilfreich, auch über kirchliche Angebote in der Region Bescheid zu wissen, um Neuzugezogene bei Bedarf darauf hinzuweisen zu können (z.B. andere Gemeinden mit anderem Profil, Einrichtung der Ev. Erwachsenenbildung, City-Kirche, Internet-Angebote). Im Vordergrund steht, dass der andere einen geistlichen Ort für sich findet, wenn er das möchte – nicht, ob dieser Ort die eigene Gemeinde ist.
Wer sich in der Neuzugezogenen-Arbeit engagiert, sollte eine gewisse Neugier auf Menschen mitbringen: auf die Lebens- und Glaubenserfahrung anderer Menschen, auf ihre Art, das Leben und die Welt zu sehen und zu deuten, auf ihre Hoffnungen und Befürchtungen. Gerade in der Situation des Umzugs haben Menschen viel zu erzählen.
Wenn wir Neuzugezogene begrüßen, dann geht es darum, der besuchten Person Gutes zu tun, Zeit und Interesse für sie zu investieren, sich in eine möglicherweise fremde Welt zu begeben, eine kleine Aufmerksamkeit der Gemeinde zu schenken, ohne für all das eine Gegenleistung zu erwarten.
Das bedeutet dann auch, dem anderen die Freiheit zu lassen, selbst über seine Nähe und Distanz zur Gemeinde zu entscheiden.
(Leicht gekürzt aus: Ebert/Obenauer: Gastfreundliche Kirche sein.
Impulsheft für Engagierte in Gemeinden, Regionen und an anderen kirchlichen Orten, S. 27. )
Besuche bei Neuzugezogenen
Manche Gemeinden kombinieren ihren Willkommensgruß mit dem Angebot oder der Ankündigung eines Besuchs. Die Erfahrung dabei ist: Wird ein Besuch angeboten und eine Rückmeldung erbeten, wenn ein Besuch erwünscht wird, so wird dieses Angebot nur selten von Neuzugezogenen in Anspruch genommen. Die Hürde erscheint zu groß, selbst aktiv zu werden und einen Besuch zu wünschen. Wird der Besuch eines/einer hauptamtlich Mitarbeitenden schriftlich angekündigt (z.B. „In den nächsten zwei Wochen wird …“), so können sich die Neuzugezogenen darauf einstellen, dass jemand von der Kirchengemeinde vorbeischauen wird. Zugleich ist dies eine lockere Form der Ankündigung, die nicht garantiert, jemanden anzutreffen.
(Ebert/Obenauer: Gastfreundliche Kirche sein.
Impulsheft für Engagierte in Gemeinden, Regionen und an anderen kirchlichen Orten, S. 28. )
Besuche im Altersheim
Für Neuzugezogene in einem Altersheim ist das Materialabgebot „Brot und Salz“ weniger passend – aber auch dort freut man sich über einen Besuch! Wenn Sie Neuzugezogene im Altersheim besuchen möchten, suchen Sie im Vorfeld den Kontakt zu den Heimen und stellen Sie Ihr Vorhaben vor. Vielleicht wird Ihnen eine Ansprechperson genannt, an die Sie sich wenden können. Klären Sie, ob die Kirchengemeinde über Neuzugezogene im Heim informiert wird. Ein Besuch bei den „Neuen“ hat dann noch 1-2 Wochen Zeit, damit sich die betreffende Person erst einmal einleben kann.
Schöne und passende Karten oder kleine Broschüren bekommen Sie z.B. bei den „Marburger Medien“:
Besuchsdienst gründen
Wenn Sie in Ihrer Gemeinde einen Besuchsdienst gründen wollen, finden Sie hier Informationen und Materialien:
Über Basiskurse für Besuchsdienste (Wie mache ich einen Besuch? Kommunikation) und weitere Fortbildungsangebote informiert Sie gerne Pfarrerin Ingrid Knöll-Herde.