Menschen verschiedener Generationen zusammenbringen
- 21.02.2024 -
Das Projekt „Sorgende Gemeinde werden“ hat viel angestoßen und bewegt
Karlsruhe, (21.02.2024). Fünf Jahre lang hat die Initiative „Sorgende Gemeinde werden“ der Evangelischen Landeskirche in Baden und des Diakonischen Werks Baden Projekte unterstützt, die sich für eine lebendige Gemeinschaft einsetzen. 70 Projekte von Kirchengemeinden, die sich gemeinsam mit Kooperationspartnern für das Gemeinwohl im Dorf oder in der Stadt engagieren, konnten in dieser Zeit unterstützt und mitinitiiert werden. Im Rahmen der Veranstaltung „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. Kirche im Quartier“ am Samstag, 24. Februar, im Canisiushaus Karlsruhe, gibt es einen Rückblick auf das, was in dieser Zeit geschaffen wurde, und einen Ausblick darauf, wie es künftig weitergehen wird.
„Die Idee zu ,Sorgende Gemeinde werden‘ entstand als Reaktion auf den Siebten Altenbericht der Bundesregierung 2017“, erinnert sich Annegret Trübenbach-Klie vom Projektleitungsteam. Angesichts der Herausforderungen durch den demografischen Wandel hob dieser das zivilgesellschaftliche Engagement sogenannter „Caring Communities“ hervor, die auf lokaler und regionaler Ebene dazu beitragen, Strukturen gegenseitiger Unterstützung zu schaffen. Was als Initiative aus der Arbeit mit älteren Menschen kam und zunächst deren Teilhabe im Blick hatte, zog bald weitere Kreise, berichtet Trübenbach-Klie: „Die ältere Generation bringt alle anderen miteinander in Kontakt!“ Ob im Dorfcafé, in der Hausaufgabenbetreuung, in der Trauerbegleitung oder bei einem Podcast, in dem Lebensgeschichten miteinander geteilt werden – immer wieder bringen die Projekte Menschen verschiedener Generationen zusammen.
„Wir sind ganz stolz auf das, was sich entwickelt hat“, sagt Ingrid Knöll-Herde vom Projektleitungsteam. Das Entscheidende sei nicht nur die finanzielle Unterstützung der Projekte gewesen, betont sie: „Die Gemeinden brauchten Know-how und persönliche Beratung, und das haben wir durch unsere Fachfrauen geliefert.“ Die beiden Fachberaterinnen Ina Zebe (Südbaden) und Barbara Schulte (Nordbaden) begleiteten die Projektentwicklung vor Ort.
Auch wenn das Projekt nun abgeschlossen ist, läuft die Arbeit daran weiter, und auch die zahlreichen ins Leben gerufenen Initiativen und Projekte wirken fort. Eine 25-Prozent-Stelle steht im Evangelischen Oberkirchenrat weiterhin zur Verfügung, um Gemeinden bei der Entwicklung von neuen Projekten zu beraten.
Fünf beispielhafte Projekte, die durch „Sorgende Gemeinde werden“ mitinitiiert wurden:
Treff-Tisch in Boxberg
In Boxberg ist der sogenannte Treff-Tisch entstanden. An jedem 1. und 3. Mittwoch eines Monats gibt es die Einladung zu einem Zusammenkommen in den örtlichen Bäckereien. „Ich stamme aus einer Bäckereifamilie, daher kam die Idee, die Cafés hier im Ort nicht nur als Einkaufsstätten zu betrachten, sondern als soziale Treffpunkte, die andere Perspektiven und Blickwinkel ermöglichen“, berichtet Gardis Jacobus-Schoof, die zusammen mit vier weiteren ehrenamtlichen Frauen das Projekt koordiniert. „Es soll ein ungezwungener Treffpunkt sein, ohne Verpflichtung, ohne Anmeldung, ohne Vorbereitung seitens der Veranstalter.“ Der Treff-Tisch werde in der Regel von etwa zehn älteren Frauen und Männern besucht, je zwei Mitarbeiterinnen sind dabei, moderieren, laden Gäste als Gesprächspartner ein und schauen, welche Themen die Teilnehmenden mitbringen. „Die Menschen freuen sich über das Angebot, viele kommen sehr regelmäßig, manche spontan.“ Immer wieder kommen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dabei auch mit interessanten Gästen aus Boxberg ins Gespräch, beispielsweise mit der Bürgermeisterin oder der Leiterin der Sozialstation, und erhalten Informationen beispielsweise zum E-Rezept. „Die Gäste schätzen, dass sie ausgehen können, fühlen sich eingeladen und willkommen, treffen alte Bekannte und knüpfen Verbindungen.“
Café Drehscheibe in Schriesheim-Altenbach
Das Begegnungszentrum „Café Drehscheibe“ wurde im evangelischen Gemeindehaus in Schriesheim-Altenbach ins Leben gerufen. Bei einem Runden Tisch mit vielen Interessierten im Ort sei man sich einig gewesen, dass es einen Treffpunkt für Menschen in Altenbach brauche, so Jan Lauterbach vom Förderverein Johannesgemeinde Altenbach e.V. „Unser Café Drehscheibe hat seit seiner Eröffnung im Juli letztes Jahr regulär donnerstags bis samstags von 9.30 bis 12.30 Uhr und 14.30 bis 17.30 Uhr geöffnet“, berichtet er. „Wir bieten Kaffeespezialisten und Kuchen sowie kleine Speisen an. Diese werden von ca. 20 Ehrenamtlichen hergestellt und verkauft.“ Parallel dazu gebe es kulturelle und soziale Veranstaltungen und Angebote. „Für den Umbau haben wir Fördermittel des Landes Baden-Württemberg erhalten, die Stadt Schriesheim hat uns bei den Auflagen für die Eröffnung eines gastronomischen Betriebes unterstützt und letztendlich war das Förderprogramm ‚Sorgende Gemeinde werden‘ die ganz große Unterstützung für die Umsetzung unseres Begegnungszentrums.“ Das Angebot sei für alle Menschen der Umgebung gedacht und werde gut angenommen. „Unser Ortsteil liegt an den ersten Hügeln des Odenwaldes und das gastronomische Angebot ist spärlich bzw. gute Treffpunkte gibt es nicht.“
Generationenpark Waldkirch-Buchholz
In Waldkirch-Buchholz ist mit Unterstützung des Projekts „Sorgende Gemeinde werden“ ein Generationenpark entstanden. Aus dem denkmalgeschützten Gelände des alten Friedhofs mitten in Buchholz entstand so ein Park für alle Bürgerinnen und Bürger und ganz besonders für die Menschen der Demenz-Wohngemeinschaft gleich nebenan. Im Generationenpark, der im Juli letztes Jahr eröffnet wurde, können sich die Menschen begegnen. „Neben den Menschen der Demenz-WG wird der öffentliche Park auch gerne vom angrenzenden Kindergarten, von einer Sportgruppe, vom Seniorenkreis und anderen genutzt“, erklärt Juliane Hehn von der Stadt Waldkirch. Veranstaltungen wie Bürgerfeste, Gottesdienste etc. sollen den Park noch weiter beleben. Das Projekt wurde von verschiedenen Kooperationspartnern wie der Kirchengemeinde, der evangelischen Sozialstation, dem Kindergarten, der Stadt und zahlreichen Ehrenamtlichen verwirklicht.
Café Bohne in Heidelberg-Kirchheim
Bereits seit 2022 gibt es in Heidelberg-Kirchheim das Café Bohne, ein Ort der Begegnung für Menschen allen Alters und in den unterschiedlichsten Lebenslagen. Es hat montags bis mittwochs von 15 bis 18 Uhr und sonntags von 11 bis 14 Uhr geöffnet. Einmal im Monat gibt es freitags einen Cocktailabend. Außerhalb der Öffnungszeiten finden weitere Veranstaltungen wie ein Bücherclub, Spieletreff, Männerabende etc. statt. Etwa 30 hauptsächlich ehrenamtliche Helferinnen und Helfer organisieren das Café und kommen mit den Menschen ins Gespräch. „Unser jüngster Helfer ist 12, der älteste 83“, erläutert Pfarrerin Christiane Bindseil. Darüber hinaus gibt es einen Pool von ebenfalls etwa 30 Personen, die Angebote im Café gestalten – vom Ukraine-Treff über das Stillkaffee bis hin zum Märchennachmittag. „Die Idee schwebte schon lange in der Gemeinde. Als dann das Gemeindezentrum umgebaut werden sollte und ich die Ausschreibung für Mittel aus dem Fonds ‚Sorgende Gemeinde werden‘ in Händen hielt, schien die Zeit reif zu sein“, so die Pfarrerin. Sie sei überrumpelt, wie schnell das Café Bohne sich in Kirchheim etabliert habe und für ganz viele Menschen gar nicht mehr wegzudenken sei. „Das Angebot wird sehr gerne genutzt von jungen Menschen und Familien, die sich nach Schule und Kita hier verabreden.“ Aber auch ältere Menschen und Alleinstehende kommen gerne ins Café Bohne. Am „Babbeltisch“ für Menschen, die alleine kommen und Lust auf Kontakt haben, seien in den letzten eineinhalb Jahren schon wunderbare Beziehungen entstanden zwischen Menschen, die völlig verschieden seien und sich sonst nie begegnet wären, ist Bindseil überzeugt.
Hintergrundinfo:
Informationen zur Veranstaltung am 24. Februar „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“ finden Sie unter www.sorgende-gemeinde-werden.de
Ab 1. März können Sie hier auch erfahren, wie es mit dem Programm „Sorgende Gemeinde werden“ weitergeht.Ansprechpartnerin ist Ingrid Knöll-Herde: ingrid.knoell-herde@ekiba.de; Telefon 0721 9175 357