Transformation eines kirchlichen Ortes in die Zukunft
- 06.05.2026 -
Ideenwettbewerb zum Verwaltungsgebäude des Evangelischen Oberkirchenrats in Karlsruhe entschieden
Karlsruhe, (06.05.2025). Das Architekturbüro baurmann.dürr aus Karlsruhe hat den Ideenwettbewerb zur Zukunft des Verwaltungsgebäudes des Evangelischen Oberkirchenrats in Karlsruhe gewonnen. Das verkündete die Evangelische Landeskirche in Baden am Mittwoch, 6. Mai, bei der Präsentation der eingereichten Entwürfe.
Zehn Architekturbüros hatten seit Dezember Vorschläge erarbeitet, mit denen das denkmalgeschützte Jugendstil-Gebäude saniert und zukunftsfähig gemacht werden kann. Dabei soll die für die kirchliche Verwaltung selbst genutzte Bürofläche um mehr als 50 Prozent verringert und der Wert des Gebäudes nachhaltig gesichert werden. Außerdem soll die Möglichkeit geschaffen werden, Kooperationspartner ins Haus zu holen und das Gebäude als kirchlichen Ort in die Stadt hinein zu öffnen.
„Ausschlaggebend für die Vergabe des ersten Preises mit Empfehlung zur weiteren Bearbeitung waren drei Faktoren“, erläutert Wolfgang Riehle, der Vorsitzende des Preisgerichts. „Zum einen die neue, scheinbar schwebende Dachlandschaft nach dem Rückbau des bisherigen Dachstuhls: Der Entwurf sieht zwei neue Dachgeschosse vor, von denen das obere vom weitgehend unveränderten Sockelbauwerk des historischen Baubestandes durch eine Glasfuge – dem 3. Obergeschoss – abgelöst wird. Alt- und Neubau sind dadurch als unterschiedliche Zeitschichten klar ablesbar und verdeutlichen – respektvoll im Umgang mit dem denkmalgeschützten Bestand – die Transformation dieses kirchlichen Ortes in die Zukunft.“
Zwei weitere Faktoren, die der Siegerentwurf erfüllt, sind der einladende Charakter und die Möglichkeit, Kooperationspartner ins Haus zu holen. „Besonders publikumsintensive Räume wie der zentrale Veranstaltungsraum und ein Café mit Außenterrassen werden einladend im Erdgeschoss ausgewiesen und ein intelligent konzipiertes Erschließungssystem ermöglicht eine Vielzahl separat vermietbarer Nutzungseinheiten und ermöglicht große Flexibilität in Abhängigkeit vom Flächenbedarf des EOK“, so Riehle.
Das Preisgericht hat einstimmig für den Siegerentwurf gestimmt. Platz zwei ging an Grüntuch Ernst Architekten BDA in Berlin, Platz drei an k9 Architekten GmbH in Freiburg.
Zentrale Herausforderungen des Gebäudes wie eine barrierefreie Erschließung für alle Ebenen und die Schaffung unabhängig voneinander nutzbarer Einheiten und Zugänge waren Vorgaben für die Teilnehmer am Wettbewerb. Ziel ist es, das fast 120 Jahre alte, denkmalgeschützte Gebäude so weiterzuentwickeln, dass ein zeitgemäßer und marktfähiger Verwaltungs- und Bürostandort in zentraler Innenstadtlage in Karlsruhe entsteht.
„Kirche ist für die Menschen und für die Gesellschaft da, nicht für sich selbst“, sagt Prälatin Heide Reinhard, die auch Teil der Jury gewesen ist. „Unser Gebäude steht in zentraler Lage in Karlsruhe und sollte als kirchlicher Ort die Chance nutzen, ein offener kirchlicher Ort zu sein – zugewandt, einladend und im Dialog mit dem öffentlichen Raum. Der Siegerentwurf verbindet das Interesse, die Immobilie nachhaltig wirtschaftlich zu nutzen, mit unserem kirchlichen Auftrag und wird daher für die Synodenentscheidung eine gute Grundlage sein.“
Aufgabe des Ideenwettbewerbs war es, eine Grundkonzeption für das Gebäude zu entwickeln. Die Planung wird nun noch weiter verfeinert und überarbeitet, um die konkreten Kosten für die mögliche Umsetzung zu erarbeiten. Ob und wie diese Maßnahme realisiert wird, entscheidet die Landessynode im kommenden Jahr.
„Wir müssen als Kirche sparen. Das ganze Umbauvorhaben dient vor allem diesem Zweck“, sagt Kai Tröger-Methling, Leitender Direktor des Evangelischen Oberkirchenrats. „Wir reduzieren die Fläche des Dienstgebäudes, das wir für uns als Verwaltung der Landeskirche nutzen, damit um mehr als die Hälfte. Entsprechend verringern wir auch die Kosten für den Betrieb des Gebäudes, ähnlich wie es auch unsere Kirchengemeinden mit ihren Immoblien tun. Wir rücken zusammen und schaffen eine Einnahmequelle, damit wir die Ressourcen, die uns anvertraut sind, für das einsetzen können, wofür Kirche da ist: Das Wort Gottes zu verkünden, dem Nächsten zu helfen und positiv in die Gesellschaft zu wirken.“
Auch die Stadt Karlsruhe war bei der Entscheidung des Siegerentwurfs mit beteiligt. „Der Gewinnerentwurf von baurmann.dürr überzeugt durch die Öffnung des Gebäudes zur Ritterstraße und zum Nymphengarten hin und ist damit eine besondere Chance für unser Stadtbild und die Stadtentwicklung“, so der Karlsruher Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup, der ebenfalls Mitglied der Jury war. „Wir waren als Stadt sehr gut in den Prozess eingebunden und sind davon überzeugt, dass aus diesem Ansatz eine wirtschaftliche und für die Stadtgesellschaft attraktive Gebäudeweiterentwicklung möglich ist.“
Hintergrund:
Das rote Sandsteingebäude gegenüber der Badischen Landesbibliothek in der Blumenstraße, erbaut im Jahr 1907 von den Architekten Robert Curjel und Karl Moser, passt nicht mehr zu den Anforderungen einer modernen Verwaltung. Neben technischem und baulichem Sanierungsbedarf sind es auch veränderte Arbeitsbedingungen, Homeoffice-Regelungen und ein insgesamt geringerer Eigenbedarf, die eine Veränderung der Räumlichkeiten nötig machen. Passend dazu hat die Landessynode bereits im Rahmen ihrer letzten Herbsttagung beschlossen, langfristig Betriebskosten in Höhe von 550.000 Euro jährlich bei den vom Evangelischen Oberkirchenrat genutzten Büroräumen zu sparen.
Der Ideenwettbewerb, an dem zehn Architekturbüros teilnahmen, sollte zusammen mit der Stadt und mit der Denkmalpflege die planungsrechtlichen, technischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten für das „Rote Haus“ ausloten.
Die Stadt Karlsruhe wurde durch den Karlsruher Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup und Personen unter anderem aus dem Gestaltungsbeirat und dem Stadtplanungsamt in die Jury eingebunden. Die Entscheidung der Jury stellt nun eine Empfehlung dar, wie es mit dem „Roten Haus“ weitergehen kann. Die letztendliche Entscheidung über die Zukunft des Dienstgebäudes wird von der Landessynode im Jahr 2027 getroffen werden.
