Zuhören und ermutigen – Wie die Schulseelsorgerin hilft

junge Frau nachdenklich mit Becher

Wenn die Tage kürzer und dunkler werden, häufen sich die Anfragen bei Britta Riebesehl. Sie ist Schulseelsorgerin am Hans-Thoma-Gymnasium in Lörrach. Was sie macht und wie sie den Schüler*innen hilft, lesen Sie in unserer Story.

„Fünf bis sechs Schüler*innen sind nach den Sommerferien keine Seltenheit. Dann kommt die Weihnachtszeit und die Zwischenzeugnisse drohen, da ist der Gesprächsbedarf oft sehr groß“, sagt Britta Riebesehl. Ihre Tätigkeit als Schulseelsorgerin liegt ihr am Herzen.
Meistens sind es Teenager, Schüler*innen der achten bis zehnten Klasse, die mit Riebesehl über ihre Sorgen und Nöte sprechen wollen. Stress mit den Mitschülern, fehlende Anerkennung, Ärger mit den Eltern oder in der Familie sind die Themen in den Gesprächen. „Viele kommen zu mir, wenn sie sich von ihren Mitschülern ausgeschlossen fühlen oder die Situation zuhause schwierig ist. Ich lasse das Kind erst mal reden und überlege dann mit ihm gemeinsam, was der nächste Schritt sein könnte. Manchmal haben wir mehrere Gespräche über einige Wochen hinweg, aber oft hilft auch das eine Gespräch. Zuhören und ermutigen ist das Wichtigste. Oft findet die Schülerin oder der Schüler dann selbst eine Lösung.“
 
Zuhören ist eine Sache, Verschwiegenheit eine andere. Viele Schüler*innen, aber auch Eltern und Kolleg*innen machen vom Gesprächsangebot der Schulseelsorgerin Gebrauch, weil sie einer strikten Schweigepflicht unterliegt. Wer zu Britta Riebesehl kommt und sein Herz ausschüttet, weiß dass das Gespräch vertraulich ist und nichts ohne Zustimmung weitergegeben wird. Das unterscheidet die Schulseelsorgerin z. B. von der Schulsozialarbeit oder von der Klassenleitung. Dadurch genießt sie das besondere Vertrauen der Schüler*innen. Die Kehrseite der Medaille ist, dass sie andere Stellen nur informieren darf, wenn es das Kind erlaubt. Während Schulsozialarbeit und Klassenleitung eingreifen müssen, wenn sie eine Gefahr vermuten.
 
Schulseelsorgerin Britta Riebesehl
Schulseelsorgerin Britta Riebesehl
Riebesehl berichtet von einem Fall, in dem ein Schüler von einer Gewalterfahrung in der Familie erzählt hat. „Mir war klar, dass ich handeln muss, und Gott sei Dank konnte ich den Schüler davon überzeugen, mit ihm zusammen bei der schulpsychologischen Beratungsstelle anzurufen. Er hat in meinem Beisein den Fall geschildert und auch gleich einen Beratungstermin bekommen.“ Sie sei sehr froh gewesen, dass sie dem Schüler helfen konnte, der sich später mehrfach bei ihr bedankt habe, so Riebesehl. Auch in einem anderen Fall ist es ihr gelungen, eine Schülerin davon zu überzeugen, die Schulsozialarbeit einzuschalten. In beiden Fällen sei das gut ausgegangen und deshalb sei es auch wichtig, dass es an den Schulen Beratungsangebote mit unterschiedlichem Auftrag gebe. Denn die Schulseelsorgerin ist keine Therapeutin. Sie macht Gesprächsangebote, berät und kann weitervermitteln, wenn die Schülerin oder der Schüler das will.
 
Doch nicht nur Schülerinnen und Schüler wenden sich an Riebesehl, sondern auch Kolleginnen und Kollegen und besorgte Eltern kommen auf sie zu. Sei es, weil sie über eigene Probleme sprechen, oder sie die Schulseelsorgerin auf ein Kind aufmerksam machen wollen, das vielleicht Hilfe braucht. Auch hier gilt, das Gespräch ist freiwillig und das Gesagte bleibt vertraulich.
 
Gefragt ist die Schulseelsorgerin besonders dann, wenn es um Sterben, Tod und Trauer geht. „Das ist so mein Alleinstellungsmerkmal, da trauen sich die Kollegen nicht so gerne ran.“ Deshalb seien die Religionslehrer*innen und die Schulseelsorgerin die erste Anlaufstelle. Riebesehl wird z. B. gebeten, mit einem Kind zu sprechen, wenn ein Familienmitglied gestorben ist. Gerade die jüngeren Schülerinnen und Schüler nähmen das gerne an. „Manchmal hilft es auch schon, wenn wir reden und gemeinsam eine Karte für den Verstorbenen entwerfen.“
 
Die Themen Tod und Trauer waren es, die Riebesehl dazu motiviert haben, neben ihrer Tätigkeit als Mathematik- und Religionslehrerin eine Fortbildung zur Schulseelsorger*in zu machen: „Als in einem Jahr kurz hintereinander zwei Schüler der Oberstufe gestorben sind, waren alle sehr betroffen. Wir Religionslehrer haben einen Trauerraum gestaltet und Gesprächsangebote gemacht. Das wurde auch sehr gut angenommen. Aber trotzdem fühlte ich mich in der Situation ein bisschen hilflos. Als ich dann hörte, dass die Landeskirche einen einjährigen Qualifizierungskurs zur Schulseelsorger*in anbietet, habe ich mich spontan dafür entschieden und bin richtig glücklich damit, weil ich merke, wieviel ich bewirken kann.“
 
Offiziell zur Schulseelsorgerin an ihrem Gymnasium bestellt, ist Riebesehl seit 2019. Für die zusätzliche Arbeit neben ihrer Lehrtätigkeit wird sie nicht extra entlohnt, sie unterrichtet dafür eine Stunde weniger. Dass die Zeit eigentlich bei weitem nicht ausreicht, stört Riebesehl nicht: „Die Tätigkeit als Schulseelsorgerin ist mir ein Herzensanliegen“.
 
Weitere Informationen zur Schulseelsorge und zur Ausbildung finden Sie hier: