„Mich sinnvoll mit einbringen“ – Der Freiwillige Ökumenische Friedensdienst

Menschen bilden die Buchstaben FÖF

Bildung & Beruf

Abschluss in der Tasche – und was jetzt? Bevor sie in die Ausbildung,  ins Studium oder Berufsleben starten, entscheiden sich viele junge Menschen für einen Freiwilligendienst. Anbieter gibt es einige. Seit 1990 bietet auch die badische Landeskirche rund 30 Einsatzplätze im Ausland im Rahmen des „Freiwilligen Ökumenischen Friedensdienst“ (FÖF) an. Mehr über Orte, Aufgaben und Bewerbung erfährst du hier.

„Der FÖF ist damals als Alternativangebot für Kriegsdienstverweigerer entstanden“, berichtet Vincent Berger von der Arbeitsstelle Frieden, von der aus der FÖF organisiert wird. Die Einsatzplätze für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer befinden sich in Italien und Rumänien, Uruguay, Argentinien, Paraguay, Costa Rica und Mexiko. Auch nach Israel und Ostjerusalem werden Freiwillige entsendet – aufgrund der Kriegsverhältnisse dort stagniert das Austauschprogramm allerdings seit Oktober 2023. Gefördert wird der FÖF vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sowie dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. „Vor Ort kooperieren wir je nach Einsatzland beispielsweise mit der Waldenser Kirche, dem Leo-Baeck-Zentrum oder der Evangelischen Kirche am Rio de la Plata“, so Berger.  
 
Die Freiwilligen arbeiten zum Beispiel in Kindertageszentren oder in Einrichtungen für Geflüchtete, Senior*innen oder Menschen mit Beeinträchtigungen. Sie wohnen in eigenen Wohnungen oder in WG-Gruppen: „Wir haben uns bewusst gegen das Gastfamilienprinzip entschieden, um den jungen Leuten noch mehr Eigenständigkeit zu ermöglichen“, erklärt Vincent Berger. 

Für perfekte Vorbereitung ist gesorgt

Das Freiwilligenjahr beginnt immer mit der Entsendung im August/September.
Gruppenbild Montevideo
Sinnvolles tun und Spaß haben: Freiwillige beim Ökumenischen Friedensdienst
 Einsendeschluss für die Bewerbungen ist jeweils der 31. Oktober des Vorjahres. Die Auswahl findet im Rahmen eines dreitägigen Auswahlseminars im Dezember und einem Auswahltag im folgenden Frühjahr, ähnlich einem Assessmentcenter, statt. Dabei wird noch einmal geschaut, welche (Berufs-)Erfahrungen und Vorkenntnisse die Bewerber*innen haben, und ob ihre Erwartungen, die Motivation und die zu erwartenden Anforderungen auch gut zusammenpassen. Freiwillige können selbst Wünsche zu ihrem Einsatzort äußern, und werden von Vincent Berger, Lisa van Rensen und Johanna Mugabi  sowie einem Team ehrenamtlicher Unterstützer*innen (selbst ehemalige Friedensdienstler*innen) dazu beraten. „Uns ist sehr wichtig, dass wir einander an diesen Tagen persönlich begegnen und kennenlernen – ein Telefonat reicht für sowas nicht“, betont Berger. 
 
Stehen die Freiwilligen für das kommende Jahr fest, beginnt im Frühjahr die eigentliche Vorbereitung in Form dreier Seminare im Zeitraum Mai bis Juli. Dabei steht auch die Sensibilisierung bezüglich anderer Länder und Kulturen im Vordergrund, die Fokussierung auf einen Lerndienst, wodurch klar wird, dass man den Partnerinnen und Partnern im Ausland auf Augenhöhe begegnet. Im Blick ist auch schon, dass sich die Freiwilligen nach ihrer Rückkehr nach Deutschland eventuell ehrenamtlich als Betreuer*innen künftiger Freiwilliger beim FÖF engagieren möchten. 
 
Für die jungen Leute fallen weder bei den Seminaren noch beim Auslandseinsatz selbst Kosten an: Nicht nur für die Flüge zu den späteren Einsatzorten, für die dortige Unterkunft und Verpflegung sowie ein Taschengeld, sondern auch für die Reisekosten zu den Vorbereitungsseminaren in Neckarzimmern sorgt die Arbeitsstelle Frieden. Darüber hinaus werden für die Freiwilligen die Versicherungskosten im Ausland (Unfall-, Haftpflicht- und Auslandskrankenversicherung) übernommen. „Uns ist das sehr wichtig, damit unsere Freiwilligen sich ganz unabhängig von ihren wirtschaftlichen und familiären Hintergründen bewerben können“, verdeutlicht Vincent Berger. Unterstützung gibt es darüber hinaus auch beispielsweise bei der Beantragung von Visa. 
Übrigens: Das Jahr im FÖF bildet im Anschluss die gleiche Anerkennungsleistung, etwa für eine Hochschulzulassung, wie ein FSJ. (21.08.2024)
 
Informationen zum FÖF, zu den Einsatzorten, Aufgaben und zum Bewerbungsverfahren sowie die Kontakte zu den Ansprechpersonen Vincent Berger und Lisa van Rensen findet ihr auf www.freiwillige-vor.org