Im Fokus: Ostern – Bedeutung, Ursprung und Bräuche des wichtigsten christlichen Festes

Osterparament in der evangelischen Kirche in Bühl

Glaube & Spiritualität

Ostern ist das zentrale Fest des christlichen Glaubens. Christinnen und Christen feiern die Auferstehung von Jesus Christus. Im Mittelpunkt steht die Hoffnung, dass das Leben stärker ist als der Tod, dass Licht die Dunkelheit durchbricht und neue Wege möglich werden.  

Was an Ostern gefeiert wird

In der Bibel wird geschildert, dass Jesus nach seiner Kreuzigung in das Grab des reichen Ratsherrn Josef aus Arimathäa gelegt wurde. Am dritten Tag danach kommen Frauen an das Grab, um den Leichnam zu salben. Unterwegs fragen sie sich, wer ihnen den großen Stein vor dem Grab wegrollen könnte. Doch dann finden das Grab offen vor, es ist leer, der Leichnam ist nicht mehr da. Stattdessen treffen sie auf einen Jüngling, der ihnen sagt, dass Jesus auferstanden ist. Das sollen sie den anderen Jüngern sagen. Da sie sich fürchten, behalten sie dieses Erlebnis aber erst einmal für sich (Markus 15-16).  
 
Die Auferstehung Jesu wird in allen vier Evangelien beschrieben, jedes setzt eigene Akzente: 
 
Im Matthäusevangelium kündigt ein Engel an, dass die Jüngerinnen und Jünger ihren Herrn wieder treffen werden (Matthäus 27-28). 
Im Lukasevangelium erzählen die Frauen den Jüngern die Nachricht, dass Jesus auferstanden ist.  Die glauben ihnen aber nicht. Auf dem Weg nach Emmaus begegnen zwei von ihnen dann aber selbst ihrem auferstandenen Herrn. Sie erkennen ihn aber erst beim gemeinsamen Mahl. (Lukas 24).  
Im Johannesevangelium wird von einem Gespräch zwischen Maria Magdalena und dem auferstandenen Jesus berichtet. Auch sie erkennt ihn erst, als er ihren Namen sagt (Johannes 20).  

Warum das Datum von Ostern jedes Jahr wechselt 

Ostern hat - anders als Weihnachten - kein festes Datum. Seit dem 4. Jahrhundert gilt die Regel: Ostern ist am ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling. Das ist frühestens der 22. März und spätestens der 25. April eines jeden Jahres.   

Wie das Osterfest entstanden ist 

Schon die ersten Christinnen und Christen erinnerten sich jeden Sonntag, also an dem Tag der Woche, an dem die Frauen das leere Grab entdeckten, an die Auferstehung. Im Lauf der Jahrhunderte entwickelte sich daraus eine jährliche Feier. Damit gilt Ostern als ältestes christliches Fest. 
Die Osterzeit erstreckt sich über fünfzig Tage bis zum Pfingstfest. 

Woher der Name “Ostern” kommt 

Das Wort „Ostern“ kann aus dem germanischen Wort „Ostara“ abgeleitet werden, das „Morgenröte“ bedeutet und auf die aufgehende Sonne als Bild für die Auferstehung weist. 

Wie Ostern in der Kirche gefeiert wird 

Ostergottesdienste können sehr vielfältig sein: von der Auferstehungsfeier auf dem Friedhof, über Gottesdienste mit feierlicher Kirchenmusik bis zu Familiengottesdiensten mit anschließender Ostereiersuche.  
Eine besondere Gottesdienstform ist die Osternacht. Sie beginnt im Dunkeln und führt zum Licht, das mit dem Osterfeuer und der Osterkerze sichtbar wird. Beide stehen für Licht und Leben. 
 
„Der Herr ist auferstanden.“ – „Er ist wahrhaftig auferstanden.“ Dieser Osterruf im Wechsel von Liturg*in und Gemeinde erklingt in vielen christlichen Gottesdiensten am Ostersonntag. 
 
Liturgische Farben 
In der gesamten Osterzeit ist weiß die liturgische Farbe. Wie bei allen Christus-Festen ist sie  ein Zeichen der Freude und der Erneuerung.  

Osterbräuche und ihre Bedeutung 

Mit dem Osterfest verbunden sind einige Bräuche, wie z.B. bunt gefärbte Eier, Osterlämmer aus Teig und Schokoladenhasen. Sie hängen einerseits mit der erwachenden Natur im Frühling zusammen, haben aber auch eine symbolische Beziehung zur Auferstehung: 
 
Das Ei ist ein uraltes Symbol des Frühlings und des erwachenden Lebens. Für die frühe Christenheit war das Ei ein Bild für die Schöpfung, aber auch für das Grab: Wie die Eierschale aufbricht, so durchbricht Jesus durch seine Auferstehung den Tod. 
 
Das Osterlamm erinnert an das Lamm, das traditionell zu Pesach geopfert wird. Im Christentum wurde das Osterlamm ein Symbol für Jesus Christus. Im Johannesevangelium ist er das wahre Opferlamm, das den Tod und die Sünde überwunden hat (Johannes 1,29). 
 
Der Hase wurde von den frühen Kirchenlehrern als Symbol für Nicht-Christen gesehen, die im Glauben Schutz suchen. Da in der frühen Christenzeit an Ostern viele Nicht-Christen getauft wurden, wurde der Hase schließlich Teil der Ostertraditionen. 

Die Bedeutung von Ostern heute 

Kirchentagspastorin Anne Helene Kratzert beschreibt, welche Bedeutung Ostern für sie hat:  
„Ich finde Ostern das schönste Fest im ganzen Kirchenjahr, weil es die dunklen Seiten des Lebens und unserer Existenz nicht ausspart. Ostern deckt die Prozesse des Lebens so irrsinnig gut ab und führt aus der Dunkelheit rein ins Leben. Das finde ich persönlich die stärkste Dynamik, die unser Glaube hat. Deswegen ist Ostern für mich das Ur- und Erzfest unseres Glaubens.“ 

Ostern persönlich erleben 

Übung: Was rollt deinen Stein beiseite? 
 
Für die Frauen war der Stein vor Jesu Grab ein großes Hindernis. Gibt es etwas, das dir gerade im Weg liegt und dich am Weiterkommen hindert? Dann ist diese Übung für dich. 
 
Nimm dir Stift und Papier und setze dich an einen ruhigen Ort. Folgende Fragen kannst du dir stellen und schriftlich beantworten:  
 
Welcher Stein liegt dir gerade besonders im Weg? Was verstellt dir den Blick auf das Schöne & Gute? 
Stell dir vor, der Stein ist weggerollt. Was siehst du?  
Was oder auch wen braucht es, um deinen Stein aus dem Weg zu rollen?  
(01.04.2026)
Das Bild zeigt das Parament der evangelischen Kirche Bühl. Künstlerin: Christel Holl & Fotograf: Hans Adam