Die Kapelle im Morata-Haus in Heidelberg
Im Keller des Theologischen Studienhauses


„Die meisten Menschen, die das erste Mal in die Kapelle eintreten, sind zunächst überwältigt“, erzählt die Geschäftsführerin des Morata-Hauses, Barbara Kollmar. Denn die Verbindung von alten und modernen Materialien, das Spiel mit dem aus sechs Fenstern einfallenden Licht und die Wölbung der Decke erzeugen eine ganz besondere Atmosphäre.
Bei der Gestaltung der Kapelle vor etwa zehn Jahren arbeiteten die Künstler und Architekten mit den im Petersstift und im Theologischen Studienhaus wohnenden Lehrvikaren und Studenten Hand in Hand. Ziel war es, einen Raum zu schaffen, der die Wünsche der verschiedenen Gruppen im Morata-Haus erfüllt: einen Ort für gemeinsame Andachten und Gottesdienste, aber auch zum Predigen lernen und für liturgische Neuerungen. Das ermöglichen zum Beispiel ein Altar aus Sitzhockern, ein bewegliches Rednerpult und der Verzicht auf starre Raumelemente.
Das Ergebnis ist ein lichtdurchfluteter Multifunktionsraum mit Fußbodenheizung, der eine Atmosphäre der Wärme und Geborgenheit ausstrahlt. Einen besonderen Akzent setzen die von dem hessischen Künstler Wladimir Olenburg entworfenen Glasvorhänge, die bei hohem Sonnenstand Reflexionen an den hellen Wänden entstehen lassen.
„Ich bin das Licht der Welt“ – dieses Jesus-Wort aus dem Johannesevangelium scheint in der Kapelle des Morata-Hauses anschaulich zu werden. Alle sieben „Ich-bin-Worte“ Jesu sind auf den Glasvorhängen zu lesen, aber nur in einem bestimmten Winkel. Wechselt der Betrachter seinen Standpunkt, verschwinden die Zeilen.
Bei aller Modernität im Zusammenspiel der Materialien wie Sandstein und Stahl, Holz und Glas bleibt die Kapelle ein sakraler Ort: „Sie wirkt wie ein Floß, losgelöst vom Alltag“, sagt Kollmar: „Der Raum führt alle Bewohner des Morata-Hauses zusammen.“
(Verena Jordan)