Die Evangelische Kirche in Renchen
Vom Bethaus zur Kirche - Eine kleine Baugeschichte der Renchner Kirche




Im Januar 1861 wird der Pfarrer von Bühl verpflichtet, in Renchen Gottesdienste zu halten. Da es jedoch weder eine Kirche noch einen Raum gab, musste erst einmal ein geeigneter Raum gefunden werden. Nach einigen Umzügen in den folgenden Jahren wurde das heutige Gelände wurde für 370 fl. (Holländische Gulden) erworben. Die politische Gemeinde schenkte zu diesem Kauf 200 fl. Schon am 10. April 1871 erfolgte die Ausschreibung der Bauarbeiten. Geplant war eine Kapelle mit 91 Sitzplätzen. Das Dach der kleinen Kirche wurde so geplant, dass später ein Glockentürmchen aufgesetzt werden konnte. Gerade eben ist das Deutsche Kaiserreich zwei Jahre alt, da wird in Renchen die neuerbaute Kirche am 19. März 1873 unter Mitwirkung des katholischen Kirchenchores eingeweiht.
Im September 1873 war auch der Glockenstuhl fertig und der Großherzog von Baden stellte drei Zentner Metall (Kanonenguss) für die zu gießende Glocke zur Verfügung. Die Gemeinde hatte jetzt eine eigene Kirche mit Glockentürmchen.
Im eigentlichen Renchen leben zu diesem Zeitpunkt etwa 2100 Menschen. Davon sind 84 evangelisch, also gerade mal 4% der gesamten Bevölkerung.
In den Jahren 1907-1915 musste das kleine Kirchlein immer wieder renoviert und saniert werden. Dank der Hilfe des Gustav-Adolf-Werkes konnten diese Kosten abgedeckt werden. Erst nach dem 1. Weltkrieg, im März 1919 konnte das neben der Kirche gelegene Wohnhaus käuflich erworben und als Pfarrhaus eingerichtet werden. Bereits 1921 standen die nächsten Sanierungsmaßnahmen an und 1929 befand sich die Kirche "nach allgemeiner Auffassung seit 20 Jahren in einem unwürdigen Zustand".
Der Kirchenvorstand griff auf Pläne zurück, die bereits 1906/07 vorlagen. Trotz Einwänden des Oberkirchenrates setzte sich der damals jugendliche Pfarrer mit seinem Berater durch. Dieses frisch-fröhliche Handeln animierte weite Kreise zu einer unerwarteten Spendenfreudigkeit, so dass sogar am 14. Juli 1929 vom Oberkirchenrat eine „Landeskirchensammlung“ für die Wiederherstellung des Gotteshauses in Renchen angeordnet wurde.
Der obere Turmteil wurde entfernt und in seine heutige Gestalt gebracht. Eine neue Kanzel und ein neuer Altar wurden eingebaut. Die Neugestaltung des Innenraumes wurde von Bildhauer Furtwängler in Freiburg vorgenommen. Bereits 1954 meldeten sich die alten baulichen Probleme wieder: Das undichte Kirchendach und die Kirchenheizung. Man suchte daher Hilfe beim Bauamt des Evangelischen Oberkirchenrates in Karlsruhe. Und so kam es zu einem Sachverständigenurteil über die Kirche am 11. August 1955: „Gegenüber der schlichten äußeren Erscheinung der Kirche ist das Innere zerrissen und unruhig.“ - eine Begründung folgte. - ein wohl vernichtendes Urteil über das Kunstwerk von 1929.
So wurde im Dezember 1955 vom Sachverständigen des Kirchenbauamtes im Evangelischen Oberkirchenrat in Karlsruhe ein Entwurf vorgelegt, nachdem im Laufe des Jahres 1956 die Kirche völlig neu gestaltet wurde: Die Kirche erhielt in einem Anbau einen Chor (Altarraum) und einen hiervon abgehenden Gemeinderaum. Die Kanzel musste deshalb an eine andere Stelle versetzt werden. Im Zuge dieser Baumaßnahmen wurden Kanzel, Altar und Taufstein neu gestaltet und erhielten ihre heutige Form. Ein buntes, bleiverglastes Altarfenster der Künstlerin Elisabeth Streich schloss den Chorraum ab.
In den 80er Jahren kamen der Verbindungsbau zwischen Kirche und Pfarrhaus hinzu, indem nun die Diensträume des Pfarrers/der Pfarrerin, das Pfarramtsbüro, eine kleine Teeküche, eine Toilette und im Kellergeschoss ein Gruppenraum und weitere Toiletten entstanden. Eine weitere Maßnahme 1984 war die Renovierung der Kirche innen und außen. Bereits 1989 folgte eine vollständige Renovierung der Kirche von außen. Seit 1995 schmücken die „Taufkreuz“ genannten Aquarelle des Oberkircher Künstlers Rainer Nepita an der Wand hinter dem Taufstein die Kirche.