Die Versöhnungskirche in Jöhlingen

Kirche mitten im Wohngebiet

Inmitten eines Wohngebiets im Westen Jöhlingens steht ein kleines,  unscheinbares Gebäude. Das schlichte Kreuz auf dem Dach verrät, dass es sich hier um eine evangelische Kirche handelt. Die evangelische Gemeinde in Jöhlingen ist eine sehr junge Gemeinde, feierte sie doch erst vor wenigen Jahren ihr 60-jähriges Bestehen.

Im katholischen Jöhlingen gab es lange Zeit für die wenigen evangelischen Christen, die durch Einheirat oder aus beruflichen Gründen nach Jöhlingen zogen, keinen Versammlungsort und keinen eigenen Pfarrer. Die seelsorgliche Betreuung fiel erst der Nachbargemeinde Berghausen zu, später der Gemeinde Grötzingen. Zunächst traf sich die kleine Gemeinde im Rathaus, als das nicht mehr möglich war, stellte die katholische Kirche der Diasporagemeinde einen Raum im „Elisabethhaus“ zur Verfügung. Nach dem Krieg siedelten viele Heimatvertriebene in Jöhlingen an und die Zahl der evangelischen Bürger stieg deutlich. Es war bald klar: Eine eigene Kirche muss gebaut werden.

Das erworbene Grundstück lag damals noch am äußersten Ortsrand, das Wohngebiet Kirchgrund und die S-Bahn-Haltestelle „Jöhlingen West“ gab es noch nicht. Auf einem kleinen Hügel gelegen, war es ideal für eine Kirche.

Der Grundstein für die Versöhnungskirche wurde 1949 gelegt, geweiht wurde sie zwei Jahre später. Ihren Namen verdankt sie, laut dem damaligen Pfarrer Hubert Fuchs, einer kleinen Anekdote. Demnach wurde ein Großteil des Geldes, das für den Grundstückskauf und den Kirchenbau aufgebracht werden musste, von vier Ehepaaren gespendet. Diese hatten sich über eine Erbschaft zerstritten und dem Pfarrer gelang es, sie wieder zu versöhnen. Aus Dankbarkeit spendeten sie einen hohen Betrag für den Bau der Kirche.

2003 war es dann soweit: Die Kirche musste renoviert werden und es sollte ein Gemeindehaus angebaut werden. Das Gemeindehaus schließt direkt an das Kirchengebäude an. Die rustizierten Wände der Kirche und die großen Fensterfronten des Gemeindehauses bilden einen interessanten Kontrast. Auch der Turm wurde 2003 angebaut. Eine Zementspende des örtlichen Zementwerks hat ihn ermöglicht.

Auch im Inneren der Kirche hat sich viel getan. Die Ostwand wurde aufgebrochen und mit dem Gemeindehaus verbunden. Der Kirchenraum kann nun um den Begegnungsraum erweitert werden, was an den Weihnachtsgottesdiensten auch nötig ist. Der Durchbruch passt sich architektonisch an den Kirchenraum an. Wie auch an der gegenüberliegenden Seite wurden Arkaden eingezogen. Damit der Raum nicht zu dunkel wirkt, wurden drei Oberlichter installiert.

Ein Kunstprojekt der jeweiligen Konfirmandinnen und Konfirmanden bereichert die Kirche jedes Jahr von Neuem. Im letzten Jahr gestalteten die Jugendlichen eine Bilderinstallation zum Thema „Versöhnung“, die in der Kirche ausgestellt ist. In diesem Jahr haben sich die Konfirmanden vorgenommen, einen Taufstein aus Speckstein zu erarbeiten.

Die Versöhnungskirche nutzt ihre zentrale Lage. Sie ist eine offene Kirche und lädt jeden ein, der von der S-Bahn-Haltestelle auf dem Heimweg oder auf dem Weg in das Dorfzentrum ist, hinein zu gehen und zur Ruhe zu kommen.

(Lisa-Kathrin Welzel)



www.ekiba-joehlingen.de



 

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