Die ehemalige Wehrkirche in Boxberg-Angeltürn
Zarte Bilder hinter dicken Mauern
Angeltürn hatte seit jeher seine eigene Pfarrei. Die Kirche selbst – bzw. ihr Vorgängerbau – wird urkundlich zum ersten Mal im Jahr 1322 erwähnt. Es könnte sich ursprünglich um eine Marienkirche gehandelt haben – dafür spricht die der Gottesmutter geweihte Glocke im Turm.
Eine zweite Vermutung legt die Nutzung als Wallfahrtskirche nahe, denn als Gotteshaus für die nicht einmal 100 Dorfbewohner allein wäre die Kirche viel zu groß gewesen. Ihr genaues Baujahr ist nicht bekannt. Allerdings war das Gebäude unter dem Geschlecht der Rosenberger (1381–1572) bereits so marode, dass es abgerissen und in seiner heutigen Form komplett neu errichtet wurde. Ein Zeuge hierfür ist das Wappen der Ritter von Rosenberg im Chorgewölbe.
Nachdem 1763 die Empore und sechs Jahre später der Turm einstürzte, wurde die Kirche 1772 erneut umfassend renoviert; letzte größere Renovierungen folgten in den Jahren 1965 und 1993.
Einen kleinen kunsthistorischen Schatz stellen die sechs frühgotischen Wandfresken in den Fensternischen des Chores dar, die erst im Jahr 1908 durch den Boxberger Pfarrer Wilhelm Walter wiederentdeckt wurden. Entstanden sind die Bilder vermutlich um das Jahr 1450 im Zuge des Neubaus unter den Rosenbergern. Ihre genaue Entstehungszeit und ihre Schule sind bislang allerdings noch nicht erforscht.
(Robert Menold)
