Die Lutherkirche in Konstanz

Ein Zuhause für die Kirchenmusik

  
Lutherkirche von Außen
Die Lutherkirche ist der älteste evangelische Kirchenbau in Konstanz. Das Christentum bringen aller Wahrscheinlichkeit nach iroschottische Mönche in die Bodensee-Region. Reformatorisches Gedankengut erreicht Konstanz u.a. durch die Brüder Ambrosius und Thomas Blarer. Ambrosius Blarer studiert in Tübingen und lernt dort Philipp Melanchthon kennen. Thomas Blarer studiert in Wittenberg und begleitet Luther nach Worms.

Im Jahr 1548 schickt der Landesherr König Ferdinand zu Wien eine 2.000 Mann starke Truppe nach Konstanz. Die reformatorischen Strömungen werden gewaltsam aus der Stadt verbannt. Konstanz wird zur rein-römisch-katholischen Stadt - für die nächsten 230 Jahre. Kaiser Joseph II. gestattet im Jahr 1781 schließlich der Konstanzer Bevölkerung die Ausübung anderer Konfessionen - allerdings mit Auflagen für alle nicht-römischkatholischen Christen.

Durch die von Österreich verlorene „Dreikaiserschlacht“ werden die Gebiete rechts des Rheins samt Konstanz im Jahr 1806 badisch. Der Großherzog von Baden ist - wie alle seine Vorfahren seit der Reformation, lutherischen Bekenntnisses und außerdem in Konfessions- bzw. Religionsfragen tolerant. Die Lage der kleinen Schar reformierter, evangelischer Christen in Konstanz verbessert sich dadurch schlagartig.

 

Freiheitsglocke

Mitte des 19. Jahrhunderte strebt die stetig wachsende Evangelische Kirchengemeinde den Bau einer eigenen Kirche an. Nach mehrjähriger Bauzeit wird im Jahr 1873 die Lutherkirche feierlich eingeweiht.
 
Großherzog Friedrich I. von Baden stiftet der Lutherkirche drei Glocken: Die „Freiheitsglocke“ mit dem badischen Wappen, die „Friedensglocke“ mit dem Wappen der Stadt Konstanz und die „Freundschaftsglocke“ mit dem Wappen von Preußen. Aus statischen Gründen wird die größte - die „Freiheitsglocke“ - Ende der 50iger Jahre des vergangene Jahrhunderts vom Turm geholt. Sie steht heute als Blickfang und beliebtes Fotoobjekt links vor dem Eingang der Kirche.
 

Alter Taufstein

Wenn Sie die Lutherkirche durch das Portal betreten, finden Sie gleich auf der linken Seite einen Taufstein. Er besteht aus einem massiven Steinblock und einem Deckel aus Kupfer - mit einem Fisch als Spitze.
 
Der Fisch ist eines der vielen Erkennungszeichen der Christenheit. Bei den ersten Christen ist der Fisch ein Geheimsymbol. Durch dieses Zeichen gibt man sich als Christ zu erkennen - auch heute: Vielleicht haben Sie das Fisch-Motiv schon einmal als Aufkleber auf einem Auto gesehen.
 
Über die Herkunft dieses Taufsteins gibt es die Vermutung, dass er ein Teil einer Säule der alten Konstanzer Synagoge gewesen ist. Die Synagoge wurde 1938 in der Reichsprogrommnacht zerstört. Bis heute gibt es keine Beweise für und gegen diese These. Untersuchungen haben bis zum heutigen Tag keine Erkenntnisse geliefert.
 

Emporen

Die Kirche wird im romanischen Stil als dreischiffige Basilika mit zwei Emporen erbaut. Eine dritte Orgelempore auf der Turmseite und ein Altarraum im Halbrund, schließen den Kirchenbau ab. In der Folgezeit verändern vor allem großzügige Stiftungen immer wieder den Innenraum der Kirche: 1883 wird der Chorraum mit dem  Freskogemälde „Jesus segnet Kinder“ ausgestattet; 1887 stiften die Frauen der Luthergemeinde ein Altarkreuz; 1898 der Gustav-Adolf-Verein eine Gasbeleuchtung.
 
Im Laufe der Jahre wird die Lutherkirche zum baulichen Sorgenkind. Grund allen Übels ist der schlechte Baugrund, auf dem die Kirche steht. Wie schon beim Bau der Kirche entstehen im Mauerwerk und den Längs- und Querbögen Risse, sogar große Steine stürzen ins Innere. Die Kirche wird 1950 polizeilich gesperrt. Aufwendige Umbauarbeiten werden nötig.
 
In der Nachkriegszeit herrscht die zwiespältige Situation der herrschenden Not auf der einen Seite und dem aufkommenden Wohlstand auf der anderen Seite. Um als Kirche glaubwürdig zu bleiben, entwickelt sich beim Kirchenbau eine besondere Bescheidenheit. Der Prunk wird aus den alten Kirchenbauten verbannt. Alles farbige verschwindet. So auch die Gemälde im Chorraum der Lutherkirche. Ebenso werden die Tücher-Bemalungen der beiden Seitenemporen - glücklicher Weise nur - mit Brettern zugenagelt. Sie werden bei der letzten großen Bauwerksanierung 1979 / 80 wieder freigelegt.
 

Das Kreuz

Der Blickfang des gesamten Kirchenschiffs ist das große Holzkreuz im Chorraum. Ist es wirklich nur ein einziges Kreuz, was Sie dort sehen? Je nach Lichteinfall können Sie drei Kreuze erkennen. Drei Kreuze, wie damals auf Golgatha, dem Ort, an dem Jesus gekreuzigt wurde. Er in der Mitte, neben ihm die Kreuze der beiden Verbrecher.
 

Die Kreuzigung gilt in der damaligen Zeit als besonders barbarische Todesstrafe. Der an einem Kreuz Hängende stirbt in aller Öffentlichkeit nach langem, qualvollem Todeskampf. Das Kreuz in der Lutherkirche ist leer: Der gekreuzigte Jesus hängt nicht mehr am Kreuz, sondern hat den Tod überwunden. Das Kreuz hier verkündet wortlos diese für die Welt entscheidende Botschaft: Christus ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!

Steht man unter dem Kreuz kann man eine Fensteröffnung über dem Kreuz erkennen. Der Himmel wird sichtbar. Dort oben ist Christus nun: „Aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des Vaters; von dort wird er wiederkommen zu richten die Lebenden und die Toten.“ Welche Gedanken gehen Ihnen durch den Kopf, wenn Sie direkt unter dem Kreuz stehen? Welche Botschaft steckt für Sie persönlich in der Auferstehung Jesu?
 

Orgelempore

Es gibt keinen Gottesdienst ohne Musik. Vor der Reformation werden meist nur von Priestern Choräle gesungen. Die Reformation aktiviert die Gemeinde zum Gemeindegesang. Die gemeinsam gesungenen Lieder werden neben der Predigt ein Teil der Verkündigung. Das Lied der Gemeinde ist die viva vox evangelii - die lebendige Stimme des Evangeliums.
 

Die Orgel ist lediglich als Begleitinstrument für den Gemeindegesang gedacht. Sie hat ursprünglich nicht aus konzertanten Gründen Eingang in die Kirche gefunden

Im Rahmen der letzten großen Bauwerksanierung im Jahre 1979 / 80 wird für die inzwischen erneuerte und vergrößerte Orgel die Orgelempore neu gestaltet. Der Chor braucht mehr Raum zum Singen und Musizieren. Kirchenmusik hat an der Lutherkirche Konstanz eine lange Tradition. Es gibt im Laufes eines Jahres viele Angebote zum Mitsingen oder Zuhören: Kirchenmusikalische Gottesdienste, bedeutende Konzertveranstaltungen und jeden Samstag um 17 Uhr das kleine Konzert.
 

Glocken

 
(Ulli Naefken)
 
 
 
 
 

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Lutherplatz 1
78462 Konstanz