Er war erst der zweite Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Baden – denn vor 1933 hieß das geistliche Oberhaupt Prälat. Ferdinand Julius Bender wurde 1946 als Nachfolger Julius Kühleweins ins Bischofsamt gewählt; erst 1933 war dieses anstelle des bisherigen Prälaten- und Kirchenpräsidentenamtes eingerichtet worden.
Bender kam am 30. August 1893 in Michelfeld im Kraichgau zur Welt. Sein Theologiestudium in Tübingen und Kiel wurde durch seinen freiwilligen Kriegseinsatz 1914 bis 1919 (Kavallerie, Luftwaffe und Jagdflieger, ab 1917 als Leutnant) unterbrochen. 1919 legte Julius Bender das 1. theologische Examen ab und wurde ein Jahr darauf in Heidelberg ordiniert. Karlsruhe lernte der spätere Landesbischof bereits während seiner Vikariatszeit kennen, die er außer in der Fächerstadt auch in St. Georgen im Schwarzwald und in Schopfheim verbrachte. Im Jahr 1922 wurde Bender als Pastoratsgeistlicher in Meßkirch eingesetzt; Ende 1927 erhielt er das Angebot, Vorsteher des Diakonissenhauses in Nonnenweier zu werden, wofür er von der badischen Kirchenregierung freigestellt wurde. Gleichzeitig erhielt Bender den Titel Pfarrer.
Nach Ausbruch des 2. Weltkriegs wurde Bender als Major zur Luftwaffe eingezogen. Obwohl man sich seitens des Diakonissenhauses um seine Freistellung bemühte, durfte er erst im Jahr 1944 wieder nach Nonnenweier zurückkehren. Indem er nach Kriegsende in den erweiterten Oberkirchenrat nach Karlsruhe berufen wurde, konnte Ferdinand Julius Bender von Anfang an am Wiederaufbau der Landeskirche mitwirken – ab dem 23. Februar 1946 als Landesbischof: Während der nun folgenden 18 Jahre seiner Amtszeit wurden allein 170 badische Kirchen neu gebaut und 30 im Krieg zerstörte wiedererrichtet, womit die Landeskirche auch ein nach Außen hin sichtbares Zeichen für die Überwindung der Folgen des Nationalsozialismus setzen konnte.
1964 trat Bender wegen Krankheit von seinem Amt zurück und starb bereits ein Jahr später.
Seinen Glauben hatte Ferdinand Julius Bender selbst einmal als vom Pietismus beeinflusst beschrieben, der ihn über das Elternhaus seiner Mutter geprägt hatte. Das reformatorische Zeugnis Luthers bildete später ein „heilsames Gegengewicht“.
Zwischen 1929 und 1933 war er Mitglied in der evangelisch-konservativen Partei Christlich-Sozialer Volksdienst, jedoch positionierte sich – auch nach 1933 – stets öffentlich gegen den Nationalsozialismus. Seine eigene militärische Vergangenheit mag mitverantwortlich dafür sein, dass er sich als Bischof unter anderem stark für die Militärseelsorge einsetzte.
Benders Idealbild war die „dienende Kirche“: missionierend, von biblischen Gesichtspunkten und dem Vorbild der neutestamentlichen Gemeinde geleitet, dezentral verwaltet sowie frei von staatlichem Einfluss und politischer Tätigkeit. In diesem Sinne machte er nicht nur die Innere, sondern besonders auch die Weltmission in der Grundordnung von 1958 zum Anliegen der Landeskirche und pflegte nach Möglichkeit auch enge persönliche Kontakte zu ausländischen Partnerkirchen. Den in den 1960er Jahren beginnenden ökumenischen Dialog begrüßte der Landesbischof – nicht ohne allerdings die wichtigsten Scheidepunkte zur katholischen Kirche offen zu benennen.
Seine Theologie bezeichnete Bender als einzig aus der Bibel resultierende „Theologie des Glaubens“. Die Aufgabe eines Pfarrers sah er darin, unabhängig vom geschichtlichen und kulturellen Wandel Zeugnis von Gott abzulegen – und dabei selbst passiv im Hintergrund zu bleiben.
(Judith Knöbel, Redakteurin ekiba intern)
