Es sind die leidenschaftlichen und mitunter auch kantigen Theologen, die unsere Landeskirche in den letzten Jahrzehnten geprägt haben, sie leidenschaftlich gestaltet und Spuren gelegt, die bis heute wirksam sind. Klaus Baschang war einer von ihnen.
Die Evangelische Landeskirche in Baden nimmt mit großer Dankbarkeit Abschied von Oberkirchenrat i.R. Klaus Baschang. der im Alter von 92 Jahren verstorben ist. Vor zwei Tagen hat die gerade tagende Landessynode seiner gedacht.
Klaus Baschang hat seine Kirche geprägt – in einer Zeit tiefgreifender Umbrüche und weitreichender Entscheidungen. 1976 wurde er zum theologischen Oberkirchenrat berufen und übernahm damit schon in jungen Jahren Verantwortung in der Kirchenleitung. Bis zu seinem Ruhestand im Jahr 1998 wirkte er in dieser Funktion, zuletzt auch als ständiger Vertreter des Landesbischofs. Mit großer Sorgfalt, einem klaren, manchmal auch scharfen Urteil und einem ausgeprägten Verantwortungsbewusstsein hat er in unserer Landeskirche gewirkt. Manchmal war er wohl selbst erstaunt, welches Gewicht er hatte. Als ich ihm vor wenigen Jahren beim einem Empfang im Evangelischen Oberkirchenrat begegnete, sagte er erstaunt: „Sie wissen, wer ich bin?!“
Die Bilder seines Lebens sind viele. Mich hat in den letzten Tagen berührt, wie viele Erinnerungen mich erreicht haben.
Die theologische Ausbildung der künftigen Pfarrerinnen und Pfarrer war sein besonderer Schwerpunkt. Mit Weitblick und Gestaltungswillen hat er an der Weiterentwicklung der Ausbildung mitgewirkt. Er hat aus dem Kandidatenkonvikt „Petersstift“ ein echtes Predigerseminar gemacht. Um die Kirche zukunftsfähig zu gestalten und in ihrer theologischen Substanz zu stärken hat er an einem Gesamtplan für die theologische Ausbildung in der EKD mitgearbeitet. Dabei ging es ihm nicht um bloße Organisation, sondern um die geistliche und theologische Qualität kirchlichen Dienstes.
In seiner Arbeit verband sich intellektuelle Redlichkeit mit einem tiefen Vertrauen in die Kraft des Evangeliums. Theologie war für ihn nie Selbstzweck, sondern diente der Kirche und ihrem Auftrag in der Welt. Er war überzeugt: Kirche muss sich immer neu vergewissern, was ihr Grund ist – und daraus handeln. Diese Haltung prägte auch seine Beiträge in der Kirchenleitung, die er mit sorgfältig formulierten Vorlagen zur Sprache brachte. Manch einer sagte, dass diese Vorlagen immer kleine Kunstwerke waren.
Klaus Baschang war einer, der loyal zu den Menschen stand, mit denen er arbeitete. Auch in schwierigen Situationen hat er sich vor seine Mitarbeiter gestellt und sie nicht allein gelassen. Einer, der Vertrauen schenkte und zugleich forderte.
Zeit seines Lebens hat er seinen theologischen Lehrer Hans Joachim Iwand verehrt. Diese Prägung führte zu einer Theologie, die weiß, worauf sie gründet und zugleich die Herausforderungen der Gegenwart ernst nimmt. In dieser Spannung hat er gelebt und gearbeitet. Zur theologischen Leidenschaft gehörten auch Auseinandersetzungen, die er nicht gescheut hat. Seine Positionen waren klar, gelegentlich kantig, sie stießen nicht immer auf Zustimmung. Doch sie waren getragen von der Überzeugung, dass die Kirche zu allererst ihrem Auftrag treu bleiben muss, unabhängig von den Zeitläuften.
Auch nach seinem Ruhestand blieb Klaus Baschang seiner Kirche eng verbunden. Mit ungebrochener Energie setzte er sich für seine Vision einer missionarischen Volkskirche ein. Er engagierte sich in kirchlichen und gesellschaftlichen Zusammenhängen, hielt Vorträge und brachte sich in Diskussionen ein. Dabei blieb er ein wacher Beobachter kirchlicher Entwicklungen und ein kritischer, zugleich aber zutiefst verbundener Begleiter seiner Kirche.
Bei Klaus Baschang haben sich theologische Tiefe, geistliche Ernsthaftigkeit und praktische Gestaltungsfähigkeit verbunden. Er lebte aus dem Glauben – und hat diesen Glauben als tragfähige Grundlage für sein Denken und Handeln verstanden.
Er war gewiss, dass Gott ihn durch sein Leben geführt hat – durch Höhen und Tiefen, durch Zweifel und Gewissheit. Das hat ihn getragen.
Als er zum 1. September 1973, vor fast 53 Jahren, hier in dieser Kirche in Neureut als Seelsorger eingesetzt wurde, stellte er seine Predigt unter Worte aus dem Markusevangelium: „Er hat alles wohlgemacht.“ Die BNN griff damals die Antrittspredigt des jungen Pfarrers auf und schrieb: „Diese Lobpreisung der ersten Christen soll auch heute erklingen. Die Menschen sollten wieder Gott loben können in der Erfahrung ihres Lebens.“ Diesem Wort und seiner Verkündigung ist Klaus Baschang treu geblieben. Einstimmen in den Lobgesang der ersten Christen – das ist auch der Horizont für Christsein heute. Darauf hat er gebaut. Dazu hat er Menschen ermutigt.
Er, Christus, fügt die Stücke seines Lebens zusammen. Die Bilder, die Sie als seine Familie haben, und die Spuren, die er bei so vielen in unserer Landeskirche hinterlassen hat.
Heute schließt sich hier der Bogen seiner Verkündigung. „Er, Jesus Christus, hat alles wohlgemacht.“ In diesem Horizont hat Klaus Baschang gelebt, mit dieser Hoffnung vor Augen ist er gestorben. Möge er nun schauen, was er geglaubt hat.
In Dankbarkeit nehmen wir Abschied und befehlen Klaus Baschang in Gottes Hand.
