Via Dolorosa

Axel Ebert
Impuls
Via Dolorosa – das ist der Name einer Straße in Jerusalem. Sie ist knapp einen Kilometer lang und führt in der Jerusalemer Altstadt von den Resten der antiken Festung Antonia bis zur Grabeskirche. Jesus Christus soll diesen Weg zu seiner Kreuzigung gegangen sein. In der Festung Antonia soll der römische Statthalter Jesus den Prozess gemacht haben.
Die Grabeskirche steht an dem Ort, an dem nach der Überlieferung die Hinrichtungsstätte Golgatha war. Zwischen beiden Orten ist Jesus seinen Weg gegangen. Die Bibel erzählt davon, dass Jesus dabei einen Kreuzesbalken auf dem Rücken getragen hat, oft hingefallen ist, geschlagen wurde und Schmerzen leiden musste. Darum dieser Name: Via Dolorosa. Das heißt: Weg der Schmerzen.
Auch heute noch gibt es viele solche Schmerzenswege. Ich kenne kaum einen Menschen, der nicht schon so einen Weg in seinem Leben gehen musste. Fast jeder hat seine eigene Via Dolorosa.
Ein älterer Mann vermisst seine Frau, die gestorben ist. Ein Ehepaar leidet darunter, dass die Ehe kinderlos geblieben ist und der Traum von einer Familie zerplatzt ist. Und eine junge Mutter hat kurz nach der Geburt die Diagnose Krebs bekommen und jetzt hofft sie, dass ihr noch genug Zeit bleibt, um ihre kleine Tochter aufwachsen zu sehen. Und ein 12jähriges Mädchen wurde jahrelang vom Stiefvater missbraucht. - Es gibt so viele Schmerzenswege. Jeder hat seine Via Dolorosa.
Ich weiß nicht, warum Gott uns davor nicht bewahrt. Aber ich glaube fest daran, dass niemand seinen Schmerzensweg alleine gehen muss. Jesus hat einmal gesagt: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage“. (Matthäus 28,20)
Wenn das stimmt, dass Jesus alle Tage bei uns ist, dann gilt das eben auch für die Tage der Schmerzen. Er, der in Jerusalem seinen Schmerzensweg gegangen ist, ist bei uns, wenn der Partner stirbt, wenn Lebensträume zerplatzen, wenn wir durch Zeiten des Leids gehen müssen. Er bleibt an unserer Seite.
Manchmal spüre ich das. Manchmal gibt mir das Kraft. Und es macht mir Hoffnung. Denn bei Jesus war der Schmerzensweg ja nicht das Letzte. Jesus ist gestorben, und dann wird erzählt, dass er auferstanden ist in ein neues Leben. Nach dem Schmerzensweg kam Ostern. Das macht mir Hoffnung. (11.04.2025)