"Wir rechnen mit Steuereinbußen von mindestens zehn Prozent"
Finanzreferent OKR Martin Wollinksy im Gespräch mit dem epd

epd: Wie hoch sind die Verluste durch die Corona-Krise?
Wollinsky: Die Kirche finanziert ihre vielfältige Arbeit im Wesentlichen durch die Leistungen ihrer Mitglieder, die mit der Kirchensteuer und durch Spenden einen Teil ihres Einkommens für kirchliche Zwecke abgeben. Wie momentan auf allen medialen Kanälen zu hören und zu lesen ist, müssen aufgrund des Lockdowns viele Menschen Einkommenseinbußen hinnehmen, zum Teil auch sehr schmerzhafte. Das führt auch zu verringerten Einnahmen bei uns. Neben den Kirchensteuern fehlen nun auch Einnahmen aus einzelnen Tätigkeitsfeldern wie Tagungshäusern, die durch behördliche Anordnung geschlossen sind, und vor allem im diakonischen Bereich wie zum Beispiel bei Sozialkaufhäusern.
Der Umfang des Rückgangs ist momentan noch nicht belastbar abzuschätzen. Er hängt entscheidend von der Dauer des Lockdowns und von der Frage ab, wie schnell sich die Wirtschaft danach wieder erholt. Die Schätzungen dazu gehen momentan weit auseinander. Mehr Klarheit erhoffen wir uns im Verlauf des Mai vom Arbeitskreis Steuerschätzung, einer Expertengruppe beim Bundesfinanzministerium, wir rechnen aber mit Kirchensteuereinbußen von mindestens zehn Prozent.
epd: Ist analog zu dem staatlichen ein "kirchlicher Rettungsschirm" geplant, etwa für Tagungshäuser, Zuschussempfänger und freie Träger, die durch die Corona-Krise einen Umsatzeinbruch haben?
Wollinsky: Einen flächendeckenden Rettungsschirm haben wir nicht geplant. Vielmehr schauen wir uns die Einzelfälle an und versuchen dann jeweils passende Lösungen zu finden. Dabei werden wir eine Balance finden müssen zwischen den Bedürfnissen der jeweiligen Einrichtung und unserer eigenen Leistungsfähigkeit - wir dürfen uns selbst finanziell auch nicht überfordern.
epd: Gibt es womöglich durch die jetzigen Erfahrungen Einspareffekte, beispielsweise durch Digitalisierung in der Verwaltung?
Wollinsky: Die wirklich positive Erkenntnis aus der jetzigen Situation ist der Sprung, den wir als Organisation in Sachen Digitalisierung gemacht haben. Da haben wir in kurzer Zeit unheimlich viel von dem umgesetzt, was wir ohnehin hätten machen müssen und wollen. Unmittelbare Einspareffekte lassen sich dadurch nicht erzielen, wenn man einmal von reduzierten Reisekosten absieht. Vielmehr müssen wir teilweise erst einmal investieren, um die technischen Voraussetzungen zu schaffen oder zu verbessern. Insoweit ziehen wir in gewissem Umfang Ausgaben der kommenden Jahre vor. Mittelfristig versetzt uns das aber in die Lage, unsere Abläufe und Arbeitsweise so umzustellen, dass wir Zeit und damit auch Kosten einsparen können.
Quelle: epd-Südwest