Freiheit gibt es nicht ohne Verantwortung
Mit deutlichen Worten gegen Corona-Verschwörungstheorien
Konstanz, (04.10.2020) Zu dem Protest-Wochenende gegen die Corona-Maßnahmen in Konstanz und dem gesamten Bodenseeraum sind deutlich weniger Teilnehmer gekommen als von den Veranstaltern, wie etwa der "Querdenker"-Initiative, erwartet. Auch die am Samstag geplante "Menschenkette!" rund um den Bodensee sei nach Polizeiangaben nicht zustande gekommen. Auf der deutschen Seeseite von Konstanz bis Lindau haben sich der Polizei zufolge lediglich 11.000 Menschen an der Kette beteiligt, an der Abschlusskundgebung knapp 500 Personen. Es kam zu mehreren Gegenveranstaltungen, bei denen auch der badische evangelische Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh sprach.
Mit deutlichen Worten wandte sich der Bischof gegen Corona-Verschwörungstheorien, Diffamierungen und Antisemitismus. Denn Corona sei nicht mehr und nicht weniger als ein gefährliches Virus, sagte der Bischof auf dem Konstanzer Münsterplatz. Deshalb müsse allen Dämonisierungen widersprochen werden, die gegenwärtig durch die Kanäle geisterten.
Die Fragen, wie weit beispielsweise die Isolierung von Menschen in Altenheimen oder Flüchtlingsunterkünften gehen dürfe, müssten in einem offenen und fairen Diskurs geführt werden, sagte Cornelius-Bundschuh. Dabei müsse im Mittelpunkt stehen, dass möglichst wenige Menschen durch das Virus krank werden oder sterben. Es müsse aber auch alles dafür getan werden, dass "dieses Virus oder der Kampf dagegen nicht die Grundlagen unseres Miteinanders oder die Würde einzelner Menschen beschädigt oder gar zerstört". Für den christlichen Glauben gebe es Freiheit nicht ohne die Verantwortung und den Einsatz für die Mitmenschen.
Bei einer weiteren Kundgebung auf der Bühne der Israelitischen Kultusgemeinde Konstanz bekräftigte Cornelius-Bundschuh, dass die Kirche allen Versuchen entgegentreten werde, den Streit um das Corona-Virus mit der Abwertung anderer Menschengruppen zu verbinden. In Deutschland sei das Verhältnis zu den Juden ein Gradmesser für den Zustand der Gesellschaft. Die Menschenwürde sei bedroht, wenn jüdische Menschen und Gemeinden "wieder Angst haben müssen, wenn sie zu Sündenböcken in Debatten um Viren werden", sagte der Theologe. Nach einer langen Geschichte der Judenfeindschaft bewähre sich die Bedeutung von Menschenwürde und Freiheit in der Gesellschaft, wenn Juden sich in ihrem Alltag und in ihren Gemeinden sicher fühlen, sagte der evangelische Theologe. Auch der Antisemitismusbeauftragte der baden-württembergischen Landesregierung, Michael Blume, warnte vor Verschwörungsmythen rund um die Corona-Politik.
Quelle: epd
Weitere Informationen finden Sie auf den Seiten des Evangelischen Kirchenbezirks Konstanz.
