Hermann-Maas-Preis geht an Auschwitz-Überlebende Esther Bejarano
Verleihung durch den Landesbischof am 20. Oktober in der Heidelberger Heiliggeistkirche
Heidelberg, (14.10.2020). Alle vier Jahre verleiht die Hermann-Maas-Stiftung in Erinnerung an den berühmten Heidelberger Altstadtpfarrer und Prälaten den Hermann-Maas-Preis. In diesem Jahr hat die Jury die in Hamburg lebende 95jährige Esther Bejarano für diese Auszeichnung ausgewählt. Ausschlaggebend ist ihr Engagement gegen Rassismus und Ausgrenzung sowie ihre politischen Forderungen für die Möglichkeit demokratischer Willensbildung in gemeinnützigen Gruppierungen. Esther Bejarano spielte im Mädchenorchester in Auschwitz Akkordeon und ist bis heute musikalisch und politisch aktiv.
In einem Gottesdienst zum Gedenken an die vor 80 Jahren nach Gurs deportierten badischen Jüdinnen und Juden am 20. Oktober um 17 Uhr in der Heiliggeistkirche verleiht Landesbischof Cornelius-Bundschuh den Preis an Esther Bejarano. An dem Festgottesdienst wirken eine Theatergruppe der Evangelischen Elisabeth-von-Thadden-Schule in Heidelberg und eine Rap-Gruppe des CityCult Heidelberg mit.
Am Vorabend wird Esther Bejarano zusammen mit der Kölner Band „Microphone Mafia“ um 19 Uhr ein Konzert in der Providenzkirche geben. Gemeinsam singen und rappen die Künstler mehrsprachig jiddische, türkische und deutsche Lieder. Esther Bejarano wird Passagen aus ihrer Biografie „Erinnerungen“ lesen. Ebenfalls auftreten wird die Schulband der kürzlich nach der Preisträgerin umbenannten Esther-Bejarano-Gemeinschaftsschule in Wiesloch. Die Gregor-Mendel-Realschule Heidelberg präsentiert an dem Abend ihre Maskenausstellung zum Thema „Schule gegen Rassismus – Schule für Courage“. Die Ausstellung wird anschließend noch bis zum 30.11.2020 in der Providenzkirche gezeigt.
Anmeldungen für den Festgottesdienst am 20.10. bitte an das Pfarrbüro der Altstadtgemeinde unter 06221/ 21 11 7 oder per E-Mail an Altstadtgemeinde.heidelberg@kbz.ekiba.de. Da die coronabedingt wenigen Plätze für das Konzert in der Providenzkirche leider bereits vergeben sind, gibt es die Möglichkeit, das Konzert und auch die Preisverleihung per Livestream oder zu einem späteren Zeitpunkt auf YouTube mitzuverfolgen:
Begründung der Jury für die Verleihung des Hermann-Maas-Preises an Esther Bejarano
Alle vier Jahre wird der Hermann-Maas-Preis von der Hermann-Maas-Stiftung an Organisationen oder Einzelpersonen durch den Landesbischof verliehen. In diesem Jahr geht die Auszeichnung an Esther Bejarano, deren Engagement im Sinne von Hermann Maas einen besonderen Blick auf gesellschaftliche Themen wirft. Ausschlaggebend für die Wahl ist ihr Engagement gegen Rassismus und Ausgrenzung sowie ihre politischen Forderungen für die demokratische Willensbildung in gemeinnützigen Gruppierungen. Esther Bejarano spricht und engagiert sich aus ihrer eigenen Erfahrung als Verfolgte der NS Diktatur.
Mitglieder der Jury 2020 sind zum einen der Vorstand der Hermann-Maas-Stiftung, bestehend aus Dekan Christof Ellsiepen, Schuldekanin Beate Großklaus, Andrea Herzog (Schriftführerin) sowie Hermann Scherr (Enkel von Hermann Maas). Weiterhin gehören dazu Andrea Edel (Amtsleiterin Kulturamt Heidelberg), Christian Heinze (Stellvertr. Geschäftsführer DW Heidelberg), Jagoda Marinić (Leitung Geschäftsstelle Interkulturelles Zentrum), Klaus Müller (Landeskirchlicher Beauftragter für das christlich-jüdische Gespräch), Vincenzo Petracca (Vorsitzender Hermann-Maas-Freundeskreis) und Guilhem Zumbaum-Tomasi (ehem. Stiftung Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Gedenkstätte).
Esther Bejarano (geb.15.12.1924 in Saarlouis) ist Überlebende des KZ Auschwitz, sie war dort Mitglied des Mädchenorchesters. Später engagierte sie sich in der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes „Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BDA)“, deren Ehrenvorsitzende sie bis heute ist. Sie tritt auch heute noch aktiv im Internationalen Auschwitz-Komitee als Sängerin auf.
Esther Bejarano setzt sich aus ihrer Erfahrung heraus für die ein, die keine Stimme haben, und am Rand der Gesellschaft stehen; sie legt „den Finger in die Wunde“. Sie macht sich zum Sprachrohr für Verfolgte, aber vor allem auch für Organisationen, die zur politischen Bildungsarbeit beitragen und Einfluss auf die Politik haben und denen die Gemeinnützigkeit aberkannt werden soll. Demokratie braucht freie politische Willensbildung, so ihre Forderung.
Mit dieser Preisverleihung sollen das Andenken und die Erinnerung an Hermann Maas wachgehalten und der Kampf gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit sowie der Einsatz für Demokratie und die Rechte von Minderheiten bis in die Gegenwart hinein aufrechterhalten werden.
Neben ihren Konzerten leistet Esther Bejarano bis heute Aufklärungsarbeit in Schulen und setzt sich als Zeitzeugin für Erinnerungsarbeit ein. Esther Bejarano wurde vielfach ausgezeichnet, so z. B. mit der Carl-von-Ossietzky-Medaille, der Biermann-Ratjen-Medaille, dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland, dem Clara-Zetkin-Frauenpreis und dem Großen Bundesverdienstkreuz.
