„Ihm anvertrauen, was wir nicht im Griff haben“

Badischer Landesbischof ruft anlässlich des Reformationstags dazu auf „Gesicht zu zeigen, auch mit Maske“

Karlsruhe, (30.10.2020). Zum Reformationstag am 31. Oktober hat der badische Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh das Engagement junger Menschen für das Gemeinwohl gelobt und dazu aufgerufen, angesichts der Corona-Pandemie „Spannungen auszuhalten“. Auch die reformatorische Bewegung vor 500 Jahren habe nicht spalten, sondern die Kirche erneuern und stärken wollen. Aus ihren Impulsen lasse sich auch in diesen Wochen lernen.

In Gemmingen wurde bereits 1521 evangelisch gepredigt und Abendmahl für die ganze Gemeinde ausgeteilt. Sie gilt deshalb als eine der ersten evangelischen Gemeinden weltweit.
Damals seien viele Menschen ängstlich und verunsichert gewesen wie heute, erinnert der Landesbischof. „Was damals Kriege, Pest und Hungersnot waren, sind heute Klimawandel, Corona-Pandemie und die große Zahl inner- und zwischenstaatlichen Konflikten, die zu eskalieren drohen und die Gesellschaft spalten“. In diese kritische Lage hinein habe die Reformation gepredigt: „Fürchtet euch nicht!“ Im Vertrauen auf Jesus Christus gelte es, „nüchtern und gelassen Verantwortung zu übernehmen, dass Leben geschützt wird und niemand verloren geht“. „Christus vertrauen wir das an, was wir nicht im Griff haben, wo wir an unsere Grenzen kommen“, so Landesbischof Cornelius-Bundschuh.
 
Die Reformation habe den Menschen eingeschärft, dass „auf der Suche nach dem besten Weg Herz und Verstand, Glaube und Wissen zusammengehören“, so der Landesbischof. Auch damals hätten manche Angst geschürt, „böse Mächte“ groß geredet und anderen die Schuld an Krankheiten zugewiesen. Deshalb sei damals Bildung so wichtig gewesen, erinnert der Landesbischof. Bildung, die „Vernunft fördert“ und sich „an Gottes Güte bindet“, habe nicht nur die eigene Freiheit im Blick, sondern die der Anderen. „Ihr geht es um Versöhnung, gerade auch mit den Feinden“.
 
Besonders in Krisenzeiten seien Christinnen und Christen aufgefordert, Verantwortung zu übernehmen und „Gesicht zu zeigen, auch mit Maske“. Der badische Landesbischof hebt hervor, dass gerade viele junge Menschen diese Herausforderung annähmen: Sowohl bei Fridays for Future als auch mit Demonstrationen gegen Antisemitismus und rechte Menschenfeindlichkeit zeigten sie, dass sie keine Ellenbogengesellschaft, aber auch kein mutloses ‚Irgendwie kommen wir schon durch‘ wollten. Darin sieht Landesbischof Cornelius-Bundschuh „einen Aufbruch, so wie damals in der Reformation“.
 
  
  • Frau Doris Banzhaf
    Leitung Evangelische Erwachsenenbildung Emmendingen|Breisgau-Hochschwarzwald