Vertrauenstelefon für Missbrauchsfälle neu besetzt – „Möglichkeit, gehört und verstanden zu werden“
Karlsruhe, (25.01.2021). Das Vertrauenstelefon für Betroffene sexualisierter Gewalt in der badischen Landeskirche ist zum neuen Jahr von Wiebke Müller übernommen worden. Die Beraterin und Supervisorin wird Nachfolgerin von Peter Linzer, der seit der Initiierung vor zehn Jahren als telefonischer Ansprechpartner zur Verfügung gestanden hatte. Das Vertrauenstelefon wurde von der Landeskirche initiiert, um Menschen, die durch kirchliche Mitarbeitende oder im Rahmen kirchlicher Strukturen sexualisierte Gewalt erlebt haben, eine geschützte Kontaktaufnahme zu ermöglichen.

Linzer hatte in seiner Tätigkeit mehr als einhundert Ratsuchenden zur Seite gestanden. In einem Gespräch der Sendung „Lichtblicke“ würdigte der Psychologe besonders die Unabhängigkeit des Vertrauenstelefons. „Es ging nicht darum, die Kirche in ihrem Ansehen zu schützen, sondern darum, dass Menschen unbedingt das Gefühl haben, dass ihnen zugehört wird.“ Viele der betroffenen Menschen hätten jahrzehntelang nicht über das reden können, was sie erlebt hatten. Sie wären wie in einem Gefängnis gewesen, „bis sie eine Vorstellung hatten, dass es auch eine Möglichkeit gibt, gehört und verstanden zu werden“.
Zentral für das Gespräch am Vertrauenstelefon sei die Empathie im Sinne einer „Simulation des Anderen in sich selbst“. Wer sich auf dieses Thema einlässt und zuhört, wird davon selbst berührt. Nicht selten habe er bei den Telefonaten in eine „Schlangengrube“ geschaut – „da sieht man Entsetzliches und Widerliches, zu dem Menschen fähig sind“. Bei allem Verheerenden dürfe jedoch nicht übersehen werden, dass jeder Mensch auch etwas Unzerstörbares in sich trage. „Das ist die Sehnsucht, verstanden, geliebt zu werden und in Kontakt zu kommen“, erklärte Linzer. Er bewundere daher all jene Menschen, „die so mutig waren, sich in den Gesprächen nochmal verletzbar zu machen und in das Leben wieder zurückkehren wollten“.
Auch Linzers Nachfolgerin Wiebke Müller, Diplom‐Pädagogin und systemische Supervisorin, verfügt über langjährige Erfahrung in der Begleitung und Beratung von Menschen in Krisen. Sie unterliegt der Schweigepflicht und klärt mit den Anrufenden, welche weiteren Schritte eingeleitet werden können, wenn diese es wünschen.
Infos: Vertrauenstelefon der Evangelischen Landeskirche Baden: 0800 5891629. Persönliche Telefonsprechstunden: Mittwoch: 12 bis 13 Uhr und Donnerstag: 17 bis 18 Uhr. Kontakt per E‐Mail: wiebke[dot]mueller[at]ekiba[dot]de. Das Vertrauenstelefon ist Teil des Gesamtkonzepts der Landeskirche zum Umgang mit sexualisierter Gewalt. Dazu gehören das Präventions- und Interventionsprogramms „Alle Achtung“ (https://alleachtung.net) und die Beteiligung an einer deutschlandweiten Aufarbeitungstudie.
Das Gespräch mit Peter Linzer ist abrufbar unter https://youtu.be/CrlZEwGwy44.