Jüdisches Leben ist und bleibt ein Teil Deutschlands
Grußwort zum jüdischen Neujahrsfest (Rosch ha-Schana)
Karlsruhe / Freiburg, (03.09.2021). In ihrem gemeinsamen Grußwort an die jüdischen Gemeinden zum Neujahrsjahrfest (Rosch ha-Schana) am 6. September betonen Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh (Evangelische Landeskirche in Baden) und Erzbischof Stefan Burger (Erzdiözese Freiburg), dass es ein wichtiges Ziel der christlichen Kirchen bleibe, dem wachsenden Antisemitismus entgegenzutreten und den interreligiösen Austausch zu födern: "Als jüdische und christliche Gemeinden sind wir aufgerufen, unseren Glauben in die Welt zu tragen und inmitten wachsender Spaltungen in unserer Gesellschaft Kunde zu geben von der erlösenden und befreienden Hoffnung, die uns im Glauben an den Ewigen eint. Deshalb wird es auch im neuen Jahr ein wichtiges Ziel von uns christlichen Kirchen sein, Antisemitismus entschieden entgegenzutreten und den interreligiösen Austausch zu fördern."
Lesen Sie hier den Text im Wortlaut:
"Sehr geehrter, lieber Herr Landesrabbiner, sehr geehrter, lieber Herr Suliman,
liebe Geschwister in den jüdischen Gemeinden,
am Abend des 6. Septembers beginnt mit dem Fest Rosch ha-Schana das Jahr 5782 des jüdischen Kalenders. Mögen Sie alle in diesem neuen Jahr die herzlichsten Segenswünsche seitens der Erzdiözese Freiburg und der Evangelischen Landeskirche in Baden begleiten!
Mit dem neuen Jahr neigt sich das Festjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ langsam seinem Ende zu. Leider hat die Corona-Pandemie viele direkte Begegnungen verhindert. Wir halten den Anstoß, der durch dieses Festjahr erfolgte, aber für sehr wichtig und haben uns gefreut, dass es geholfen hat, die guten Beziehungen zwischen jüdischen und christlichen Gemeinden vielerorts zu vertiefen. Nicht zuletzt, wenn es zu Anfeindungen jüdischer Gemeinden gekommen ist, haben christliche Gemeinden ihre Solidarität offen gezeigt.
Das Festjahr konnte dazu beitragen, die Bedeutung jüdischen Lebens für unsere gemeinsame Geschichte herauszustellen. Vor allem aber wurde deutlich, dass jüdisches Leben ein Teil Deutschlands ist und bleiben muss! Die Freiheit, sich zum jüdischen Glauben zu bekennen und diesen Glauben zu leben, hat sich in wichtigen politischen Entscheidungen niedergeschlagen: In diesem Sinne gratulieren wir Ihnen, lieber Landesrabbiner Moshe Flomenmann, dass Sie gemeinsam mit Ihrem Amtskollegen aus Württemberg zum deutschlandweit ersten Polizeirabbiner ernannt wurden. Wir begrüßen, dass es in der Bundeswehr mittlerweile wieder einen Militärrabbiner gibt. Wir freuen uns, dass das Land Baden-Württemberg das jüdische Leben künftig durch die geplante Akademie noch stärker unterstützen wird. Dies alles sind für uns Zeichen der Hoffnung.
Als jüdische und christliche Gemeinden sind wir aufgerufen, unseren Glauben in die Welt zu tragen und inmitten wachsender Spaltungen in unserer Gesellschaft Kunde zu geben von der erlösenden und befreienden Hoffnung, die uns im Glauben an den Ewigen eint.
Deshalb wird es auch im neuen Jahr ein wichtiges Ziel von uns christlichen Kirchen sein, Antisemitismus entschieden entgegenzutreten und den interreligiösen Austausch zu fördern. Ein starkes Zeichen, das die Verbundenheit zwischen uns ausdrückt, soll das gemeinsame Entzünden der Lichter zu Chanukka in Pforzheim am 5. Dezember 2021 sein, auf das wir uns schon freuen.
Wir blicken frohen Mutes auf das gemeinsame Neue Jahr und wünschen Ihnen allen von Herzen ein gesundes, glückliches Jahr, in dem wir alle gemeinsam die Herausforderungen der Corona-Pandemie meistern können – mögen Sie alle eingeschrieben sein ins Buch des Lebens!"