Der Gemeindebrief

Komm und sieh selbst...
... sagt Jesus ( im Johannesevangelium, Kapitel 1 ) zu den ersten Interessenten und bietet uns damit eine gutes Leitbild für die Öffentlichkeitsarbeit durch den Gemeindebrief. Menschen einladen. Sie sollen sich selbst ein Bild machen und dann entscheiden, ob sie bleiben wollen oder nicht. Bei Jesus bleiben die ersten Jünger den ganzen Tag. Dort entsteht die erste Gemeinschaft um Jesus. Dort entsteht Gemeinde.

Was wollen wir mit dem Gemeindebrief eigentlich?

Der Gemeindebrief ist ein wichtiger Baustein im Aufbau von Gemeinde. Wie kann er diesen einladenden Charakter bekommen? Wie können Interessierte sich durch den Gemeindebrief ein Bild von der Gemeinde machen, sodass sie gern einmal gucken kommen? Wie können Menschen durch den Gemeindebrief in die Gemeinde hinein gucken?

Sehnsüchtigen Menschen entgegen kommen

Jesus brauchte keinen Gemeindebrief, weil die Menschen zu ihm kamen und neugierig fragten, wer er sei und wo er wohne. Manche trauten sich nicht, ihn selbst anzusprechen und fragten seine Jünger nach ihm aus. Diese Menschen gibt es auch heute. Sie sind die interessanteste Zielgruppe für den Gemeindebrief: Menschen, die Sehnsucht haben nach Gemeinschaft und einem Zuhause.

Wenn Ihr Gemeindebrief nur für Insider konzipiert ist, dann verpassen Sie eine wertvolle Chance, nämlich den Menschen zu sagen „komm und sieh“, die nicht von sich aus auf die Gemeinde zu kommen, weil sie sich nicht trauen oder einfach zu wenig von Ihnen wissen.

Der Gemeindebrief als Fenster in Ihre Gemeinde

Was sieht jemand, der durch das Fenster Gemeindebrief in Ihre Gemeinde hinein sieht? Was für ein Bild bietet sich ihm? Wen sieht er? Was tun diese Menschen? Was tun sie miteinander und füreinander? Für wen tun sie es? Wo findet Begegnung statt? Wen kann man ansprechen wenn man die Tür aufmachen und eintreten will? Wann finden die Gottesdienste, Treffen und Veranstaltungen statt? Was wird in den Gottesdiensten verkündet? Malen Sie in Ihrem Ältestenkreis dieses Bild für Ihre Gemeinde aus. Füllen Sie es mit Leben und Sie werden konkrete Ideen bekommen, was in Ihrem Gemeindebrief drin stehen soll.

Das Team

Welchen Stellenwert hat er im Ältestenkreis? Entwickeln Sie das Leitbild Ihres Gemeindebriefes aus dem Leitbild Ihrer Gemeinde. was für einen Stellenwert hat er im Haushaltsplan? Bei der Pfarrerin oder dem Pfarrer? Wer macht bei Ihnen den Gemeindebrief? Wird der Gemeindebrief bei Ihnen von einem Einzelnen gemacht oder haben Sie ein Redaktionsteam?

Ein Redaktionsteam aufzubauen ist nicht leicht. Das macht Mühe, denn es reicht nicht, im Gottesdienst abzukündigen, dass Leute zur Mitarbeit gesucht werden. Haben Sie schon einmal versucht zu ganz konkreten Aufgaben rund um den Gemeindebrief einzuladen? Haben Sie bedacht, dass Menschen heutzutage ungern langfristiges Engagement zusagen sondern lieber für einen begrenzten Zeitraum?

Haben Sie schon einmal Menschen direkt angesprochen, deren Fähigkeiten Sie sich für Ihren Gemeindebrief wünschen würden? Sie sehen schon, allein der Aufbau des Teams ist ein Stück Gemeindeentwicklung. Wichtig ist dabei: Den Menschen ganz konkret sagen, für welche Aufgabe Sie sie gewinnen möchten. Also nicht „Wir suchen Gemeindeglieder, die mithelfen beim Gemeindebrief“, sondern „Wir suchen jemanden, der Lust hat, für ein halbes Jahr in der Redaktion des Gemeindebriefes mitzuarbeiten und sich um Berichte aus den Jugendgruppen zu kümmern“. Am besten ist es, wenn Sie im Team auch Mitarbeitende aus den verschiedenen Zielgruppen Ihres Gemeindebriefes haben.

Das neue Team sollte sich an einem Tag am Wochenende kennenlernen, das „Fenster in die Gemeinde“ im Gespräch mit Leben erfüllen und Grundlagen für die Zusammenarbeit erstellen.

Mut zur Konzentration

Gemeinsam mit der Pfarrerin bzw. dem Pfarrer sollte das Team sich die Menschen vor Augen stellen, für die der Gemeindebrief in erster Linie bestimmt ist. Wie ist die Altersstruktur Ihres Einzugsgebietes? Was machen die Menschen den Tag über? Sind es eher Familien oder eher Alleinlebende? Welche Zielgruppe möchten Sie in erster Linie erreichen? Je deutlicher Sie sich Ihre Zielgruppe vor Augen stellen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie herausfinden, was diese Menschen interessiert und wie es im Gemeindebrief präsentiert sein sollte. Wenn Ihnen das gut gelingt und auf diese Weise Inhalt und Erscheinungsbild des Gemeindebriefes zusammen passen, dann werden ihn auch Menschen interessiert aufschlagen, die nicht zu Ihrer Primärzielgruppe gehören, denn er ist einfach „rund“. Außerdem erleichtert es Ihnen die Arbeit, wenn Sie sich die Lesenden konkret vorstellen können und nicht an eine anonyme Menschenmenge schreiben. Haben Sie auch schon einmal an die sogenannten Kirchenfernen im Umfeld Ihrer Gemeinde gedacht? Wer gehört dazu? Was wünschen sich diese Menschen?
 

Was interessiert wen am meisten?

Legen Sie vor allem Wert auf Optik oder auf Inhalt? Auf welches von beidem verwenden Sie mehr Zeit? Fragen Sie doch einmal nach dem Gottesdienst wenn jemand zum Gemeindebrief greift, was er zuerst liest. Fragen Sie bei Hausbesuchen oder auf dem Wochenmarkt. Stoßen die Gottesdiensttermine auf das größte Interesse? Dann prüfen Sie nach, ob im Gemeindebrief die Rubrik „Gottesdienste“ alle Informationen enthält, die gewünscht werden usw. Ein ansprechendes Layout ist wichtig, aber nicht das wichtigste.

Persönliche Eindrücke sind gemeinschaftsstiftender als trockene Berichte

Was sieht man durch ein Fenster in der Gemeinde? Zum Beispiel auch die Gemeindegruppen. Haben Sie schon einmal ein Gruppenmitglied gebeten, einen Impuls aufzuschreiben, den er vom letzten Treffen für sich mitgenommen hat? Auch wenn so ein Text nur eine halbe Seite in Ihrem Gemeindebrief ausmachen sollte, ist er wertvoll, denn er wird die Lesenden vor allem durch seine Authentizität und Einfachheit ansprechen und weil sie so die jeweilige Gruppe und den betreffenden Schreiber als Gemeindeglied kennenlernen.

Erbitten Sie keine Berichte über Gruppen oder Freizeiten. Die haben sehr oft Protokollstil und sind meist zu trocken. Fragen Sie lieber nach einem persönlichen Eindruck oder was das Erlebte für seinen Glauben im Alltag bedeutet.
 

Dort auslegen, wo die Menschen ihn auch wirklich finden

Wenn Sie Menschen erreichen möchten, die noch keinen Kontakt zu Ihrer Gemeinde haben, dann reicht es nicht, den Gemeindebrief im Eingang der Kirche und im Gemeindehaus auszulegen. Wie wäre es mit dem Bäcker, dem Metzger, dem Gemüseladen, dem Kindergarten, dem Kiosk, der Kneipe um die Ecke? Und auch an dieser Stelle sei gesagt: Wenn Sie den Verbreitungsradius Ihres Gemeindebriefes erweitern, dann heißt es nicht, dass Sie treue Gemeindemitglieder ausschließen. Denn auch die gehen in die Kneipe, gehen zum Bäcker usw. Machen Sie Gemeindeglieder doch stattdessen zu Boten der Gemeinde. Legen Sie ihnen nahe, immer einen Gemeindebrief in der Tasche zu haben, sodass sie mit ihm in Begegnungen und Gesprächen von Ihrer Gemeinde erzählen können.
 

Verknüpfung mit der Homepage

Da Ihr Gemeindebrief nicht tagesaktuell sein kann, bietet es sich an, Ihre Gemeindehomepage und den Gemeindebrief miteinander zu verknüpfen, indem Sie in beiden Medien immer wieder gegenseitig aufeinander verweisen. So können Sie die aktuellsten Informationen über die Homepage transportieren und Ihren Gemeindebrief sinnvoll ergänzen.

Zum Schluss die wichtigsten Fragen auf einen Blick

~ Welchen Stellenwert hat der Gemeindebrief in unserer Gemeindeleitung?
~ Welches Bild von unserer Gemeinde möchten wir im Gemeindebrief vermitteln?
~ Welches Bild haben wir von unserem Gemeindebrief?
~ Wen möchten wir in erster Linie ansprechen?
~ Und wie und wo erreichen wir diese Menschen?

Das Handwerkszeug

Wie schreibe ich einen Text für den Gemeindebrief? Wie kann ich das Layout machen? Diese und viele andere Fragen beantwortet Ihnen gern die Öffentlichkeitsarbeit Ihrer Landeskirche in Baden. Kontakt für Informationen, Begleitung und Seminare: unter www.ekiba.de/Referat1.

Angelika Schmidt, Diakonisches Werk Baden