Seit 50 Jahren „gleich und berechtigt“

Badische Landeskirche feiert Gleichstellung von Frauen im Pfarramt

Karlsruhe, (09.12.2021). Am 19. Dezember 1971 wurde Hilde Bitz als erste Frau in Baden offiziell als Gemeindepfarrerin eingeführt. Mit einem Festgottesdienst am 19. Dezember 2021 erinnert die badische Landeskirche an die rechtliche Gleichstellung von Frauen im Pfarramt vor 50 Jahren. Der Gottesdienst mit Dialogpredigt durch Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh und Pfarrerin Sofie Fiebiger wird ab 16 Uhr online gefeiert werden.

„Die Frauenordination hat das Berufsbild verändert und unsere Horizonte erweitert, gerade auch durch die Feministische Theologie“, erklärt Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh. „Sie hat neue Wege gebahnt in die Lebenswelt der Menschen und neue Formen der Verkündigung entwickelt, etwa mit dem Frauenmahl. Sie hat unsere Kirche erneuert; darüber bin ich sehr froh.“
 
Der Einführung von Hilde Bitz als Gemeindepfarrerin war ein entsprechender Beschluss der Landessynode im gleichen Jahr vorausgegangen. „Die damalige Entscheidung der Landessynode, die Gleichberechtigung einzuführen, können wir in der Rückschau nur als sehr positiv betrachten“, so Axel Wermke, Präsident der derzeit amtierenden 13. badischen Landessynode. „So haben unsere Pfarrerinnen viele neue Impulse in die Gemeindearbeit eingebracht. In der heutigen Zeit ist diese Gleichberechtigung vollkommen unumstritten und die Zusammenarbeit zwischen Männern und Frauen in unserer Kirche und deren Gemeindeleitungen hat sich bestens bewährt. Die zunehmende Zahl von Frauen in Leitungsämtern unserer Kirche zeigt, wie sehr hier Normalität im Umgang miteinander eingekehrt ist. Wir können auf die damalige Entscheidung stolz sein, sie hat das Bild unserer Kirche heute wesentlich geprägt.“
 
Der Landesbischof betont jedoch auch, dass das Jubiläum mit gemischten Gefühlen gefeiert werde: „Ich bewundere, mit welcher Beharrlichkeit, geistlichen Kraft und theologischen Klarheit sich evangelische Frauen in Baden trotz der Geringschätzung, die ihnen über Jahre entgegengebracht wurde, auf den Weg ins Pfarramt gemacht haben. Ich schäme mich dafür, mit welchen Argumenten sie von der Kirchenleitung zurückgewiesen wurden, so dass wir in Baden die völlige rechtliche Gleichstellung von Frauen erst 1971 erreicht haben. Ich bin dankbar für die vielen Frauen, die inzwischen in der badischen Landeskirche als Pfarrerinnen Dienst tun und unsere Kirche bereichern.“
 
Auch seien auf dem Weg zur Gleichstellung von Frauen und Männern noch wichtige Aufgaben zu bewältigen, findet Cornelius-Bundschuh: „Beispielsweise in der Ökumene sind wir als evangelische Kirchen gefragt, beharrlich und klar unsere theologischen Überzeugungen zur Frauenordination einzubringen, auch wenn sie die ökumenische Diskussion belasten. Die Themen Gerechtigkeit im Verhältnis der Geschlechter, Vielfalt von Lebensentwürfen und Ursachen, Bedingungen und Formen sexualisierter Gewalt, Menschenhandel und Prostitution müssen uns stärker als bisher beschäftigen, auch im Gespräch der Religionen.“
 
Der Festgottesdienst „Gott sei Dank: gleich und berechtigt!“, der über ZOOM gefeiert wird, wird gestaltet von Theologin Sarah Banhardt, Pfarrerin Anne Helene Kratzert, Dekanin Bärbel Schäfer, Prälatin Dagmar Zobel und weiteren Pfarrerinnen verschiedener Generationen. Musikalisch begleitet wird er von Tine Wiechmann.
 
Weiterer Höhepunkt im Jubiläumsjahr ist das für 8. Juli 2022 in Karlsruhe geplante „Frauenmahl“.
 
Weitere Informationen sowie der Link zum ZOOM-Gottesdienst unter:
 
  

Alexandra Weber

Stellvertretende Pressesprecherin