„Wie überwinden wir Gewalt, Ungerechtigkeit, Armut und Rassismus?“
- 25.02.2022 -
Der englische Begriff Peace Education fasst zusammen, wofür wir im Deutschen drei Worte brauchen. In der politischen Bildungsarbeit und in der Erwachsenenbildung spricht man von Friedensbildung, im schulischen und außerschulischen Bildungsbereich ist eher von Friedenspädagogik die Rede, was früher auch Friedenserziehung genannt wurde. Immer geht es darum zu lernen, wie sich Konflikte ohne Gewalt klären lassen und was ein friedliches und demokratisches Miteinander in der Gesellschaft ermöglicht. Auch für die kirchliche Bildungsarbeit und den Religionsunterricht sind das wichtige Anliegen.
Warum ist Friedenspädagogik in der heutigen Zeit wichtig?
Was lernen Ihre Studierenden? Welche Inhalte stehen auf dem Lehrplan des Masterstudiengangs?
Neuer Masterstudiengang Friedenspädagogik startet am 3. März
Freiburg/Karlsruhe, (25.02.2022). Am 3. März startet an der Evangelischen Hochschule in Freiburg der erste Masterstudiengang Friedenspädagogik / Peace Education in Deutschland. Wir haben Karen Hinrichs, Direktorin des Friedensinstituts gefragt, was im Studium vermittelt wird und warum Friedenspädagogik gerade in diesen Zeiten wichtig ist.
Was verbirgt sich hinter dem Begriff Friedenspädagogik?
Der englische Begriff Peace Education fasst zusammen, wofür wir im Deutschen drei Worte brauchen. In der politischen Bildungsarbeit und in der Erwachsenenbildung spricht man von Friedensbildung, im schulischen und außerschulischen Bildungsbereich ist eher von Friedenspädagogik die Rede, was früher auch Friedenserziehung genannt wurde. Immer geht es darum zu lernen, wie sich Konflikte ohne Gewalt klären lassen und was ein friedliches und demokratisches Miteinander in der Gesellschaft ermöglicht. Auch für die kirchliche Bildungsarbeit und den Religionsunterricht sind das wichtige Anliegen.
Warum ist Friedenspädagogik in der heutigen Zeit wichtig?
Die globalen Konflikte und Kriege haben Auswirkungen auf alle Ebenen des Zusammenlebens und machen gerade jungen Menschen Angst. Sie sehen ihre Zukunft bedroht durch die Klimakrise und sie machen sich Gedanken, was gegen Kriege um Ressourcen getan werden kann. Eine Bildungsarbeit, die sich nicht nur auf die Stärkung der individuellen Fähigkeiten bezieht, muss sich den drängenden Fragen des 21. Jahrhunderts stellen: Wie wollen wir in Zukunft leben? Wie überwinden wir Gewalt, Ungerechtigkeit, Armut und Rassismus? Wie kann ein Leben in Würde und Freiheit für möglichst viele Menschen auf dem Globus realisiert werden? Friedenspädagogische Bildungsprozesse können von der zwischenmenschlichen über die lokale bis zur internationalen Ebene einen kleinen Beitrag leisten, damit die Chancen auf ein friedliches Aushandeln von Konflikten erkannt und genutzt werden.
Was lernen Ihre Studierenden? Welche Inhalte stehen auf dem Lehrplan des Masterstudiengangs?
Die Inhalte sind in drei Studienbereiche gegliedert:
Die Grundlagenwissenschaften der Friedensforschung umfassen neben den politikwissenschaftlichen und juristischen Fragen auch die philosophischen und theologischen Grundlagen. Friedenspädagogische Konzepte, Methoden der Konfliktbearbeitung und Praxisfelder der Friedensarbeit stehen in allen drei Semestern im Zentrum. Den dritten Bereich bilden die internationalen Kontexte und Beispiele der Friedens- und Menschenrechtsbildung. Wir können da viel lernen von unseren Partnerkirchen und aus der internationalen Friedensbildungsarbeit.
In welchem beruflichen Umfeld arbeiten die Studierenden später?
Die Absolvent:innen werden in der Bildungsarbeit und in der sozialen und entwicklungsbezogenen Arbeit tätig sein. Anstellungsträger können Kirchen, Bildungsträger, Friedensfachdienste oder andere Organisationen der Zivilgesellschaft sein, die sich für Demokratie und Menschenrechte und gegen Diskriminierung einsetzen. Auch in Schulen und Kommunen, in der Lehrerbildung und weiteren Bereichen werden gut ausgebildete Friedenspädagogen und Konfliktberaterinnen gebraucht.
Welche Rolle spielen aktuelle Konflikte zum Beispiel zwischen Russland und der Ukraine?
Der brutale Angriff der russischen Armee auf die Ukraine, das Leid, das dieser Krieg über die Menschen bringt, die unabsehbaren Folgen für Europa- das beschäftigt uns alle . Wie können weitere Eskalationsstufen vermieden werden? Was kann auf der politischen Ebene getan werden, um den Krieg zu stoppen? Welche friedensfördernden Möglichkeiten haben die Zivilgesellschaften in den jeweiligen Ländern? Wir werden uns diesen Fragen stellen.
Weitere Informationen: www.friedensinstitut-freiburg.de
Quelle: EKIBA / Karin Hinrichs
