EKD-weit einzigartiges Zentrum für Seelsorge eröffnet




Heidelberg (20.04.09). Mit einem Festgottesdienst und einer Podiumsdiskussion wurde am Freitag in der Heidelberger Peterskirche das Zentrum für Seelsorge in der Evangelischen Landeskirche in Baden eröffnet. In dem Zentrum sollen Haupt- und Ehrenamtliche in Seelsorge aus- und fortgebildet werden.
„Seelsorge in den verschiedenen Bereichen unserer Gesellschaft gehört zu den dringenden Herausforderungen“, sagte Justizrätin Margit Fleckenstein, Präsidentin der badischen Landessynode, zur Eröffnung des Zentrums. Das Zentrum sei als Projekt im Rahmen des Kirchenkompassprozesses entstanden. Dieses Instrument verwendet die Landeskirche zur Schwerpunktsetzung und Zielfindung. Ziel dieses Projektes sei es, die Seelsorge in der Gesellschaft wieder deutlicher als wichtigen Dienst der Kirche wahrzunehmen, so Fleckenstein.
Der wissenschaftliche Leiter des Zentrums, der Heidelberger Theologieprofessor Wolfgang Drechsel, bezeichnete die Seelsorge als christliche Antwort auf das allgemeine Bedürfnis des Menschen nach Annahme und Verständnis. Leben sei ein Geschenk Gottes, das sich der eigenen Verfügbarkeit entzieht, so der Seelsorge-Experte. „Es gibt eben Situationen, in denen wir machtlos und hilflos sind.“ Eine unheilbare Krankheit, der Verlust der Arbeit oder eine Behinderung müsse nicht immer als Krise angesehen werden, die es zu überwinden gilt. „Seelsorger fühlen zuerst mit und suchen gemeinsam mit den anderen danach, was gut für ihn ist“, umschrieb Drechsel die Haltung der christlichen Seelsorge. Um ihren Dienst ausüben zu können, benötigten Seelsorger „das richtige Handwerkszeug“ und auch der eigenen Reflexion. „Seelsorge will gelernt sein, sie ist keine leichte Arbeit“, gab Drechsel zu bedenken. Im Zentrum für Seelsorge werde künftig die Qualität der seelsorglichen Arbeit in der Landeskirche gesichert.
Dass Seelsorge auch gesellschaftliche wieder mehr gefragt sei, zeigte die Podiumsdiskussion über Beispiele der seelsorglichen Arbeit. Klaus Dörzbacher, Polizist und Mitglied der badischen Landessynode, berichtete aus den täglichen seelsorglichen Anforderungen als Polizist: „Ob beim Überbringen von Todesnachrichten oder der Verhaftung eines Ladendiebstahls, Polizisten sehen sich mit vielen Menschen in scheinbar ausweglosen Situationen konfrontiert“, so Dörzbacher. Derzeit qualifiziert sich Dörzbacher in einem Seelsorgekurs für Ehrenamtliche, wie sie künftig im Zentrum für Seelsorge angeboten werden. „Die Ausbildung kann ich im beruflichen Alltag sowie in meiner ehrenamtlichen Arbeit im Besuchsdienst meiner Gemeinde bestens anwenden“, sagte Dörzbacher.
„Wir müssen als Ärzte eine völlig andere Form des Miteinanders in den letzten Lebensphasen finden“, forderte der Heidelberger Palliativmedizinier Hubert Bardenheuer. Eine reine „Apparatemedizin“ komme an ihre Grenzen. „Es geht darum, einen ganzheitlichen Ansatz zu wählen, dazu gehört immer auch die Seelsorge“, so Bardenheuer. In vielen Krankenhäusern würden mittlerweile die Stellen der Seelsorger durch die Kliniken mitfinanziert. „Man ist sich dieser Dimension des menschlichen Lebens bewusst und ohne die seelsorgliche Seite ist Heilung nur schwer möglich“, so Bardenheuer.
Auch in der Schule sei Seelsorge zunehmend gefragt, stellte der Leiter des Religionspädagogischen Instituts der Evangelischen Landeskirche in Baden, Professor Hartmut Rupp, fest. „Jeder Religionslehrer ist ein Seelsorger, und in diesem Auftrag müssen wir sie qualifizieren und unterstützen“, so Rupp. Indem das Zentrum auch weiterführende Qualifikationen im Bereich Schulseelsorge anbiete, werde nun eine gute Perspektive eröffnet, freute sich Rupp.
Im anschließenden Gottesdienst in der Peterskirche wurden die Mitarbeitenden im Zentrum für Seelsorge durch Oberkirchenrat Professor Michael Nüchtern in ihren Dienst eingeführt bzw. vorgestellt. Denn durch die Verknüpfung mit bereits bestehenden Angeboten werden im Zentrum für Seelsorge sämtliche Aus- und Fortbildungszweige vernetzt und besser aufeinander bezogen.
Eingeführt wurden Religionspädagogin Evelyn Drechsel (verantwortlich für die Schulseelsorge und die Qualifizierung der Ehrenamtlichen Nord) Pfarrer Jürgen Fobel (verantwortlich für die Qualifizierung der Ehrenamtlichen Süd) Pfarrerin Sabine Kast-Streib (Geschäftsführende Leiterin des Zentrums für Seelsorge und Fachaufsicht für die Klinik-, Kur- und Rehaseelsorge) Pfarrerin Dagmar Kreitzscheck (verantwortlich für die Fort- und Weiterbildung der Hauptamtlichen) Pfarrerin Monika Zeilfelder-Löffler (Fachaufsicht für die Notfall-, Telefon-, Gefängnis- und Studierendenseelsorge)
Vorgestellt wurden: Diplompsychologin Désirée Binder (Pastoralpsychologische Fortbildung) Pfarrer Psychoanalytiker Ludwig von Dobeneck (Pastoralpsychologische Fortbildung) Pfarrer Professor Wolfgang Drechsel (Wissenschaftlicher Leiter des Zentrums für Seelsorge) Pfarrerin Dagmar Zobel (Ausbildung für Vikarinnen und Vikare)
Weitere Informationen zum Zentrum für Seelsorge unter Mitarbeit & Engagement > Fort- & Weiterbildung > Zentrum für Seelsorge