Evangelische Jugend in Baden wünscht sich einen Dialog zwischen Politik und „Letzter Generation“

- 13.03.2023 - 

Karlsruhe, (13.03.2023). Die Evangelische Jugend in Baden hat Menschen in der Politik dazu aufgerufen, mit Vertretern der „Letzten Generation“ das Gespräch zu suchen. Zugleich warnten sie davor, die berechtigten Anliegen zum Klimaschutz durch provozierende Aktionen zu konterkarieren. Anlass war der jüngste „Ölangriff“ auf das Kunstwerk „Grundgesetz 49“ in Berlin. 

Blick auf ein Person, die ein Mikrofon in die Kamera hält und sich auf einem Block Notizen macht.

Quelle: Ingo_wellphoto – stock.adobe.com

In der Erklärung heißt es: „Wir sehen die Verzweiflung und das große Engagement der ‚Letzten Generation‘, die darum ringt, mit der Bundesregierung und weiteren politischen Verantwortungsträger*innen ins Gespräch zu kommen und diese zu nachdrücklichem Handeln in der Klimapolitik zu bewegen. Zugleich seien Aktionen wie der genannte „Ölangriff“ dem eigentlichen Ziel der „Letzten Generation“ allenfalls bedingt dienlich. „Es droht, dass der Diskurs sich eher auf Fragen der Legitimität des Protestes denn auf Legitimität der Forderungen ausrichtet“, so die Erklärung. Es sei zu befürchten, „dass der selbstgegebene Werte- und Protestkonsens der ‚Letzten Generation‘ ein mögliches Abdriften in radikale Kreise eventuell nicht mehr verhindern kann.“
 
Die Evangelische Jugend ermutigt Politikerinnen und Politiker, die Ängste der jungen Generation um die Zukunft ihrer Lebensgrundlagen ernst zu nehmen und auf die Forderungen und Gesprächsanliegen der „Letzten Generation“ zu hören, wie es derzeit zum Beispiel in Tübingen geschehe. Auf der anderen Seite bedürften Protestaktionen „sorgfältiger Überlegung, welche Botschaften sie in verschiedener Hinsicht ausstrahlen“. 
 
Angesichts des unbestreitbaren Klimawandels und der wachsenden Klimakatastrophe müssten alle Menschen entschiedener für eine klimagerechte Welt eintreten. Insbesondere Christinnen und Christen als „Salz der Erde“ sollten solidarisch mit denen sein, die unmittelbar vom Klimawandel bereits jetzt betroffen sind, aber nicht gefragt oder gehört werden. 
 
Die Erklärung wurde unterzeichnet von den beiden Vorsitzenden der Evangelischen Jugend in Baden, Claudia Bendig und Anika Müller sowie von Landesjugendpfarrer Jens Adam.

Lesen Sie hier die Erklärung im Wortlaut:
Eine der jüngsten Aktionen der „Letzten Generation“, der „Ölangriff“ auf das Kunstwerk „Grundgesetz 49“ in Berlin, gibt Vertreter*innen der Evangelischen Jugend Baden Anlass, selbst Stellung zu beziehen.
Wir sehen die Verzweiflung und das große Engagement der „Letzten Generation“, die darum ringt, mit der Bundesregierung und weiteren politischen Verantwortungsträger*innen ins Gespräch zu kommen und diese zu nachdrücklichem Handeln in der Klimapolitik zu bewegen. Wir teilen mit ihnen die Wahrnehmung: Die Zeit bis zu den Kipppunkten, die unser Klima unwiederbringlich zerstörerisch verändern werden, läuft ab.

Auf der anderen Seite sehen wir, dass Aktionen wie der genannte „Ölangriff“ dem eigentlichen Ziel der „Letzten Generation“ allenfalls bedingt dienlich sind. Es droht, dass der Diskurs sich eher auf Fragen der Legitimität des Protestes denn auf Legitimität der Forderungen ausrichtet. Uns bewegt die Sorge, dass der selbstgegebene Werte- und Protestkonsens der „Letzten Generation“ ein mögliches Abdriften in radikale Kreise eventuell nicht mehr verhindern kann. Das Beschmutzen des „Grundgesetzes“ oder Abholzen von Bäumen scheint uns nicht das richtige Mittel der Wahl zu sein.

Deswegen möchten wir eine deutliche Ermutigung aussprechen:

  • Die Ermutigung an Politiker*innen, die Ängste der jungen Generation um die Zukunft ihrer Lebensgrundlagen ernst zu nehmen und auf die Forderungen und Gesprächsanliegen der „Letzten Generation“ zu hören, wie es z.B. in Hannover, Tübingen oder Marburg aktuell geschieht.
  • Die Ermutigung an die „Letzte Generation“, die richtigen Anliegen zum Klimaschutz nicht durch unpassende und allein provozierende Aktionen zu konterkarieren. Auch Protestaktionen bedürfen sorgfältiger Überlegung, welche Botschaften sie in verschiedener Hinsicht ausstrahlen.
  • Die Ermutigung an uns alle, angesichts des unbestreitbaren Klimawandels und der wachsenden Klimakatastrophe entschiedener für eine klimagerechte Welt einzutreten.
  • Die Ermutigung an uns Christ*innen, „Salz der Erde“ und solidarisch mit denen zu sein, die unmittelbar vom Klimawandel bereits jetzt betroffen sind, aber nicht gefragt oder gehört werden.
 

Claudia Bendig, Anika Müller
Vorsitzende der Evangelischen Jugend in Baden

Dr. Jens Adam
Landesjugendpfarrer der Evang. Landeskirche in Baden

  

Dr. Daniel Meier

Ehemaliger Pressesprecher der Landeskirche (2012-2023)