Für einen „zweiten Blick“: Bericht von Landesbischöfin Springhart auf Frühjahrstagung der Landessynode
- 24.04.2023 -
Bad Herrenalb. Mit dem Jahresbericht von Landesbischöfin Heike Springhart (Karlsruhe) ist am heutigen Montag (24.4.) die diesjährige Frühjahrstagung der badischen Landessynode in Bad Herrenalb fortgesetzt worden. Springhart plädierte für einen „zweiten Blick“ in Theologie und Kirche, um den komplexen Herausforderungen in Kirche, Politik und Gesellschaft besser begegnen zu können. Dagmar Pruin (Berlin), Präsidentin von „Brot für die Welt“ und der „Diakonie Katastrophenhilfe“, berichtete über die aktuelle Arbeit der beiden evangelischen Hilfswerke.
„Angesichts des zunehmenden Schwarz-Weiß-Denkens besteht die Stärke der Kirche darin, den zweiten Blick zu wagen und Komplexitäten zu benennen“, sagte Springhart. Es gehe darum, „klar Position zu beziehen, wenn rassistische, sexistische oder menschenfeindliche Stimmen laut werden und dennoch nicht selbst in populistische Äußerungen zu fallen, weder im Gewand eigener Schwarz-Weiß-Bilder noch im Gewand von Empörungsdiskursen, die das echte Gespräch und die Auseinandersetzung abschneiden.“
Hinsichtlich des Krieges gegen die Ukraine bezeichnete Springhart es als kirchliche Aufgabe, „alles in unserer Macht Stehende zu tun, um Gesprächskanäle offenzuhalten, denen, die um friedliche Lösungen ringen, den Rücken zu stärken und konkrete humanitäre Hilfe zu leisten“. Es gehe bei der kirchlichen Positionierung zu politischen Themen stets darum, realistisch, differenziert und nüchtern hinzusehen, „wo himmelschreiende Gewalt geschieht, und realistisch zu sehen, wo die Grenzen unserer Verantwortungs- und Machtsphäre liegen.“ Aufgabe der Kirche sei es, am „Überschuss der Hoffnung“ festzuhalten und diesen Ton in die gesellschaftlichen Debatten hineinzubringen.
Springhart rief erneut auf zu einer neuen „Kultur der Ratlosigkeit“.
Diese stehe einer verletzlichen Kirche und Gesellschaft gut zu Gesicht, weil damit neue Zwischenräume für einen realistischen Blick auf die Komplexität der Lage entstehen. Dabei gehe es keinesfalls darum, schulterzuckend zu schweigen – „aber eine theologisch begründete Kultur der Ratlosigkeit öffnet den Blick dafür, dass politische Entscheidungen unter dem konkreten Handlungsdruck immer auch Entscheidungen bleiben, die nicht frei von Schuld sind“, erklärte Springhart.
Diese stehe einer verletzlichen Kirche und Gesellschaft gut zu Gesicht, weil damit neue Zwischenräume für einen realistischen Blick auf die Komplexität der Lage entstehen. Dabei gehe es keinesfalls darum, schulterzuckend zu schweigen – „aber eine theologisch begründete Kultur der Ratlosigkeit öffnet den Blick dafür, dass politische Entscheidungen unter dem konkreten Handlungsdruck immer auch Entscheidungen bleiben, die nicht frei von Schuld sind“, erklärte Springhart.
Hinsichtlich der kirchlichen Präsenz in der Öffentlichkeit hob die Landesbischöfin hervor, dass das Vertrauen und die Erwartungen, die Menschen aus den verschiedenen Bereichen in die Landeskirche setzten, unverändert hoch seien. So bestehe zum Beispiel ein enger Austausch mit den Parteien beim Landtag, und auch beim Flüchtlingsgipfel des Ministerpräsidenten im Dezember 2022 sei die Präsenz der Kirchen selbstverständlich gewesen.
Ein Schwerpunkt kirchlicher Arbeit bleibe auch künftig der Umgang und die Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt, erklärte Springhart. Entscheidend sei der Blick auf das, was Betroffenen angetan wurde und wird und welche Mechanismen der Macht und des institutionellen Zusammenhalts solches begünstigten. „Dafür müssen wir an einer Kultur der Grenzachtung und einer gemeinsamen Haltung arbeiten und an einer grundlegenden Sensibilisierung für die Macht- und Abhängigkeitsverhältnisse.“
In ihrem Vortrag hob Dagmar Pruin, Präsidentin von „Brot für die Welt“ und der „Diakonie Katastrophenhilfe“ (Berlin), die enge Verflechtung von weltweitem Hunger, Migration und der zunehmenden Zahl an Klimakatastrophen hervor. „Armut macht besonders verletzlich gegenüber der Klimakrise“, sagte Pruin. Sie rief die weltweite Kirche dazu auf, sich im Klimaschutz nicht auseinanderdividieren zu lassen und sich für Klimagerechtigkeit einzusetzen. Dies bedeute, „dass die ärmsten und verletzlichen Bevölkerungsgruppen in den Mittelpunkt gestellt werden.“ Die Präsidentin bedankte sich für die in den Gottesdiensten badischer Kirchengemeinden gesammelten Kollekten für „Brot für die Welt“. Nur durch diese Spenden sei es möglich, dass die Hilfsorganisation weltweit tätig sei.
Die Landessynode verabschiedete auf ihrer ersten Plenarsitzung den Prälaten für Nordbaden, Traugott Schächtele (Schwetzingen) und die Prälatin für Südbaden, Dagmar Zobel (Freiburg). Bis zum Mittwochnachmittag (26.4.) tagen die Landessynodalen nichtöffentlich in den vier Ausschüssen. Von Mittwochabend bis Donnerstagnachmittag (27.4.) wird die Synode dann wieder im Plenum beraten.
Der Bericht der Landesbischöfin kann unter www.ekiba.de/landessynode/fruehjahrstagung2023 nachgelesen und ab heute Abend auch nachgeschaut werden. Unter diesem Link finden Sie auch weitere Informationen zur Frühjahrstagung der Landessynode, die Verhandlungsgegenstände und den vorläufigen Zeitplan.
