Geistliches Zentrum Lobenfeld schließt / Leiterin Michaela Deichl in einem Gottesdienst am Reformationstag verabschiedet
Lobenfeld / Dilsberg/ Karlsruhe. (31.10.). In einem Gottesdienst am Reformationstag (31.10.) wurde Pfarrerin Michaela Deichl (63) als Leiterin des Geistlichen Zentrums Lobenfeld verabschiedet. Beim anschließenden Empfang gab es viel Lob und Dank für unermüdliche Arbeit und kreatives Engagement von Deichl und zahlreichen ehrenamtlich Mitarbeitenden. Das Geistliche Zentrum schließt, Veranstaltungen soll es in der romanischen Klosterkirche aber weiterhin geben, allerdings in veränderten Rahmenbedingungen. Den Gottesdienst hielten Landesbischöfin Prof. Dr. Heike Springhart, Schuldekanin Dr. Silke Dangel, Pfarrerin Michaela Deichl und weitere Mitwirkende. Mit mehr als 60 Angeboten pro Jahr lockte das Geistliche Zentrum bis zu 1.800 Interessenten aus den Regionen Odenwald und Rhein-Neckar in Seminare, Vorträge und Konzerte.
„Wir beenden heute die Arbeit des Geistlichen Zentrums. Sie wäre ohne Pfarrerin Deichl und alle Mitarbeitenden nicht so fruchtbar geworden und sie wirkt weiter in den unzähligen Menschen, die in den zurückliegenden 17 Jahren hier inspiriert und getröstet wurden, gesegnet und beschenkt von Musik und Texten und der befreienden Botschaft von Gottes unbedingter Zuwendung. Die Hoffnung darauf, dass Gottes Wort sich ungewohnte Wege sucht, dass aus fixen Ideen große Projekte auch in unserer Kirche werden können und dass wir alle mehr sind als mit Gelingen und Scheitern je gesagt ist – diese Hoffnung tragen,“ so Professorin Dr. Heike Springhart, Bischöfin der Landeskirche Baden, (Karlsruhe) im Gottesdienst.
Pfarrerin Michaela Deichl im Interview:
Frau Deichl, wie war es für Sie, als Sie das Geistliche Zentrum in der Klosterkirche Lobenfeld kennenlernten?
Deichl: Als ich das Geistl. Zentrum kennenlernte, war es für mich wie ein Schatzkästchen, das man pflegen muss, immer wieder mit neuen Dingen füllen kann. Ein Ort mit großem Gestaltungsspielraum und Menschen, die das Ganze mittragen, sich mit daran freuen und es unterstützen. Da kamen mir schon bald einige neue Ideen, was man dort machen könnte.
Wie sind Sie in Ihre Aufgabe als Leiterin des Geistlichen Zentrums gestartet?
Deichl: Erst habe ich mal geschaut was da ist. Dann hatte ich den Eindruck, dass es gut wäre das Programm um mehr niederschwellige Angebote zu ergänzen, damit es Angebote für alle gibt: Menschen auf dem Land und Menschen aus der Stadt. Ich probiere gern Dinge aus. Die Klosterkirche ist eine Kirche im ländlichen Raum. Durch die Nähe zur Natur kam ich auf das Thema Gesundheit. Ich fing an mit Workshops und Vorträgen zum Thema. Darin ging es um Impulse und dann auch die praktische Umsetzung. Zum Beispiel „Achtsames Bogenschießen“ oder aus Ätherischen Ölen selbst etwas herstellen“. Das waren Angebote für „Leib und Seele“. Damit können alle etwas anfangen.
Wie ging es weiter?
Deichl: Ich habe den Newsletter des Geistlichen Zentrums überarbeitet, die Beziehung mit der Kirchengemeinde Lobenfeld intensiviert, deren sonntägliche Gottesdienste in der Klosterkirche stattfinden. Ich habe den Kontakt gesucht mit dem Förderverein der Klosterkirche und anderen. Es ist mir ein Bedürfnis, Menschen zusammenzubringen, es gut miteinander zu haben und dafür die Strukturen zu schaffen. So tauchte das Geistliche Zentrum dann auch im Gemeindebrief der Kirchengemeinde Lobenfeld auf und Angebote der Gemeinde im Programm des Geistlichen Zentrums. Gegenseitige Information und Wertschätzung sind im Laufe der Zeit gewachsen. Man wusste voneinander.
Zu den Veranstaltungen über Gesundheit sind auch viele Menschen aus der nahen Umgebung gekommen. Zum Beispiel zu „Selbsthilfe durch Akupressur“. Das hat mir gezeigt, dass Angebote für Leib und Seele der richtige Weg sind. Darüber hinaus habe ich einen größeren Schwerpunkt auf Begegnung gelegt, etwa durch die Möglichkeit eines Umtrunks nach Konzerten. Der Vorstand des Geistlichen Zentrums hat diesen Perspektivwechsel unterstützt. Mit der Zeit gab es regelmäßige Begegnungen mit Menschen, die immer wieder kamen. Vor allem Musik hat die Menschen aus Stadt und Land verbunden. Das war stets ein großes und gemischtes Publikum. Da war Gemeinschaft in der Kirche zu spüren.
Viele Veranstalter haben unter den Einschränkungen der Coronazeit gelitten. Wie war es beim Geistlichen Zentrum?
Deichl: Mein Konzept konnte plötzlich nicht mehr umgesetzt werden. Das war ein schmerzlicher Einschnitt. Die Rahmenbedingungen hatten sich geändert. Die Coronazeit hat viel Kraft gekostet. Wir hatten ja von vorn herein die Auflage, dass sich das Geistliche Zentrum selbst tragen muss. Das wurde jetzt schwerer. Das Geistliche Zentrum bekam zwar jährlich einen Zuschuss der Landeskirche, aber im Wesentlichen musste es sich finanziell selbst tragen. Viel zusätzliches ehrenamtliches Engagement und Spenden haben es möglich gemacht.
Das Geistliche Zentrum in der bisherigen Form gibt es ab jetzt nicht mehr. Es soll weitergehen, aber anders. Wie sieht das aus?
Deichl: Ich finde es traurig für die Menschen, dass es das Geistl. Zentrum jetzt nicht mehr gibt. Ich persönlich werde es auch vermissen. Es war eine schöne Zeit für mich mit besonderen Momenten und tollen Begegnungen. Ich finde es aber richtig, Struktur und Rahmenbedingungen neu zu bedenken. Im Zusammenhang mit der Strukturreform der Landeskirche sollen die Angebote des Geistlichen Zentrums einen neuen Platz bekommen. Denn die Klosterkirche bleibt. Man kann sie mieten und dort weiterhin eigenverantwortlich Veranstaltungen anbieten. Das heißt: Es geht weiter, aber anders. Für das nächste Jahr sind schon Veranstaltungstermine gebucht. Unter dem Dach der drei Kirchengemeinden Lobenfeld, Mückenloch und Waldwimmersbach findet man auf deren Homepage demnächst auch diese Veranstaltungen.
Sie bleiben Pfarrerin der Kirchengemeinde Dilsberg. Mit welchen Gedanken und Gefühlen gehen Sie als Leiterin des Geistlichen Zentrums Lobenfeld?
Deichl: Es bleiben viele Bilder, Gefühle, Begegnungen, Erfahrungen, Blitzlichter aus dieser Zeit, meine innere Verbindung zu dieser Kirche. Im Rahmen unserer Konfirmandenarbeit in der Region bin ich auch weiterhin in der Klosterkirche aktiv. Die Arbeit als Leiterin hat meinen Horizont erweitert. So manches freundschaftliche Verhältnis zu Referenten ist entstanden. Manchmal müssen Dinge enden, damit etwas Neues entstehen kann. Was bleibt ist natürlich die Mitte unseres Glaubens. Egal was sich um uns herum verändert, ich bin überzeugt: es geht weiter. Gott lässt seine Kirche nicht im Stich.
Im Geistlichen Zentrum hat Gott für die Menschen Gutes getan und Gutes entstehen lassen. Gottesdienste, Veranstaltungen, Atemholen, Impulse und Begegnung. All das und viel mehr hat diesen Ort hier mit Leben erfüllt und den Menschen etwas mitgegeben. Gott geht unsere Veränderungen mit. In der Klosterkirche sind die Veränderungen deutlich sichtbar. Hier sind so viele verschiedene Zeiten abgebildet. Menschen sind gekommen und gegangen, Mauern eingezogen und wieder eingerissen, alte Bilder freigelegt und die alten Mauern mit dem neuen Langhaus verknüpft. Allein die fast 900jährige Geschichte dieser Kirche ist ein Symbol für den Wandel. Und sie ist ein Symbol dafür, dass alt und neu durchaus miteinander harmonieren können. Ich bin sicher, auch wir können aus alten und neuen Bausteinen etwas erschaffen, das in seiner Gesamtheit mehr ist, als die einzelnen Teile. Was die Menschen mitgenommen haben von hier, das bleibt. Auch wenn das Geistliche Zentrum nicht mehr ist. Wie gut aber, dass die Klosterkirche als Gemeindekirche von Lobenfeld bestehen bleibt. Es werden auch künftig Godis und Veranstaltungen hier stattfinden können.
Was auch immer geschieht, was Menschen tun und lassen, was sich verändert in der Welt, in den Strukturen - ich vertraue darauf, dass es weitergeht. Denn Gott geht durch alle Zeiten mit uns. Daran erinnert mich immer wieder der Bibelvers, der mich schon lange begleitet: „Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit.“