Im Leben und im Sterben von Gott gehalten
Landesbischöfin Heike Springhart beim Abschied von Wolfgang Schäuble

Landesbischöfin Heike Springhart im Trauergottesdienst für Wolfgang Schäuble
Karlsruhe, (05.01.2023). „Wolfgang Schäuble hat sich in seinem Leben nicht aufhalten lassen und lebte aus dem Vertrauen, dass sein Leben gehalten ist von Gottes Gnade – auch in allen Brüchen und Verletzungen“, so Landesbischöfin Heike Springhart in ihrer Predigt anlässlich des Trauergottesdienstes zur Beerdigung von Dr. Wolfgang Schäuble am Freitag, 5. Januar, in der Stadtkirche in Offenburg.
Im Schwarzwald habe er seine Wurzeln und sei zeitlebens ein bodenständiger Schwarzwälder geblieben und zugleich ein weitsichtiger Europäer.
„Wolfgang Schäuble war ein unabhängiger Geist, der sich nicht vor Auseinandersetzungen scheute, aber er war kein Einzelkämpfer. Er war unerschrocken – auch angesichts der Endlichkeit des Lebens. Als Politiker und weiser Staatsmann hat er die Reise unseres Landes durch mehr als fünf Jahrzehnte maßgeblich begleitet“, so die Landesbischöfin.
Er habe sich selbst und uns allen gezeigt, was möglich ist und welche Kraft im verletzlichen Leben stecke.
„Wolfgang Schäuble hat in seinem Leben den Blick über das Vorfindliche hinaus weiten können. Darin war er ein zutiefst frommer Mensch. Er wusste um die Endlichkeit des Lebens und von der Unendlichkeit als Sehnsuchtsort. Das wird ihm auch im harten und konfliktreichen politischen Geschäft als Innenminister und Finanzminister, als Bundestagspräsident und als Abgeordneter getragen haben – auch in den Zeiten, in denen Brüche und Verletzungen und scharfer Wind die Tage und vielleicht auch Nächte bestimmt haben. Er war davon überzeugt, dass Politik Kompromiss ist und dass es immer und immer wieder darum gehen muss, das Gegenüber zu verstehen, das eigene Handeln zu erklären und dem Streit nicht aus dem Weg zu gehen.“
Wolfgang Schäuble habe aus einer Kraft gelebt, die größer war als er selbst. „Er hat mit seiner Weisheit und der dem Schwarzwälder eigenen Mischung aus Beharrlichkeit und Verschmitztheit die demokratische Kultur in unserem Land geprägt und für den Erhalt der Demokratie gekämpft bis zuletzt.“
Die vollständige Predigt können Sie hier nachlesen.