„Die erste Idee lieferte das Altarfenster“ – Ostern 2024 live aus Palmbach

Fenster im Alttarraum der Waldenserkirche in Palmbach mit leerem Grab

Gottesdienst & Kirchenmusik

Am Ostersonntag (31.03.2024) wird der ZDF-Fernsehgottesdienst live aus der Waldenserkirche in Palmbach gesendet. Ab Karfreitag-Abend wird mit allen Beteiligten intensiv geprobt. Die Vorbereitungen haben aber schon vor einem halben Jahr begonnen. Wie sich die Ideen entwickelt haben und warum Ostern für sie das schönste Fest im Kirchenjahr ist, erzählt Pfarrerin Anne Helene Kratzert im Interview.

Wer einen Fernsehgottesdienst macht, „ist am besten ein wirklich kooperativer Mensch. Dass Ideen nicht durchgehen, damit muss man leben.“ Pfarrerin Anne Helene Kratzert ist gerade mitten in den Vorbereitungen für den ZDF-Fernsehgottesdienst am Ostersonntag. Dass bedeutet für sie und alle Mitwirkenden zunächst viel schreiben und dann viel ausprobieren. „Ich hatte zum Beispiel die Idee, dass ich im Sitzen anfange und dann aufstehe, um dieses Auferstehen zu verdeutlichen. Den Gedanken hatte ich ganz, ganz lange und der hat mich total beflügelt, weil ich dachte: das ist so ein schönes dramaturgisches Element, das kommt bestimmt ganz toll rüber. Mit diesem Gedanken habe ich diesen ganzen Gottesdienst verfasst - und jetzt haben wir es verworfen, weil wir merkten, es funktioniert einfach nicht. Aber man braucht so einen Move, der einen kreativ beflügelt. Dann surft man auf der Welle, entwirft was - und dann wird vielleicht nochmal alles ganz anders.“
 
Mit Simone Hahn vom ZDF und Musiker Christoph Georgii ist Anne Helene Kratzert seit einem halben Jahr im Gespräch. „Wir überlegen gemeinsam, in welche Richtung es gehen soll. Was ist die Stimmung, die Atmosphäre, die ich gerne hätte? Wie können wir das musikalisch abbilden? Der Musiker ist extrem wichtig, weil er alles genau timen muss.“
Pfarrerin Anne Helene Kratzert vor dem Altarfenster
Pfarrerin Anne Helene Kratzert vor dem Altarfenster der Waldenserkirche Palmbach
Die erste Idee für den Gottesdienst am Ostersonntag lieferte das Altarfenster in der Palmbacher Kirche. „Es stellt Jesus im Garten Gethsemane dar, vor seiner Kreuzigung. Im Hintergrund ist das Grab schon deutlich zu sehen. Die Tür ist auf und es ist leer. Die Auferstehung wird in der Bibel ja nicht beschrieben, aber das leere Grab. Ich möchte mit dem Begriff der „Leere“ umgehen. Er hat erst mal überhaupt nichts Hoffnungstragendes. Aber das leere Grab ist der Hoffnungsträger für uns. Darauf ist eine ganze Kirche entstanden.“
 
Für Anne Helene Kratzert ist es der zweite Fernsehgottesdienst. Nach dem ersten am Vierten Advent 2022 nun an ihrem Lieblingsfest. „Ich finde Ostern das schönste Fest im ganzen Kirchenjahr, weil es die dunklen Seiten des Lebens und unserer Existenz nicht ausspart. Ostern deckt die Prozesse des Lebens so irrsinnig gut ab und führt aus der Dunkelheit rein ins Leben. Das finde ich persönlich die stärkste Dynamik, die unser Glaube hat. Deswegen ist Ostern für mich das Ur- und Erzfest unseres Glaubens.“
 
Es soll ein leichter und trotzdem tiefsinniger Gottesdienst werden. „Schwer von der Thematik und trotzdem erhebend, tröstend und hoffnungsstiftend – diese Balance versuchen wir zu halten. Vor allem die Musik ist ein Highlight,“ schwärmt die Pfarrerin. Worauf freut sie sich am meisten? Da muss sie nicht lange überlegen. „Auf‘s Predigen. Ich empfinde es als unglaubliches Privileg, einer so großen Gemeinde sagen zu dürfen, dass es unglaublich wohltuend ist, an diesen Gott zu glauben, der uns jeden Tag wieder aufstehen lässt. Gerade in den letzten Wochen, wo so viel Schwieriges über unsere Kirche zu lesen war und so viele Menschen uns den Rücken zukehren, möchte ich einfach zeigen, dass es sich lohnt, an diesen Gott zu glauben.“
 
Noch ist viel zu tun, bis alles für die Übertragung am Ostersonntag steht. Die Vorgaben von Seiten des ZDF sind streng: Der Gottesdienst darf nicht länger als 44 Minuten und 30 Sekunden dauern. Besonders zu achten ist auf die Balance zwischen den Wort- und Musikanteilen. Die Gemeinde darf nicht zu lange passiv sein. Anne Helene Kratzert weiß: „Das letzte Wort haben die Leute, die dieses Medium kennen und wissen, was funktioniert.“
Mitwirkende beim ZDF-Fernsehgottesdienst
Probe für den ZDF-Fernsehgottesdienst
Und wenn es dann während der Übertragung doch zu lange dauert? „Dafür hat man ein Kürzungslied. Das ist immer das letzte Lied. Dann macht der Produktionsleiter ein Zeichen und wir singen dann nur zwei statt drei Strophen.“
 
Von der ersten Idee bis zum Fernsehgottesdienst am Ostersonntag – das ist eine intensive und herausfordernde Zeit für die Pfarrerin. Und für ihre Gemeinde. „Für so eine kleine Gemeinde wie unsere ist das schon ein großer Tanker, den wir mit dem Fernsehgottesdienst fahren. Aber es ist eine Art von Gemeindeaufbau, weil auch so viele Menschen mit im Boot sind, die sich sonst nicht angesprochen fühlen, aber zum Beispiel gern mal die Kabel hinter der Kamera tragen oder beim Catering mithelfen. Man kann da viel bewegen in der Gemeinde. Das ist total schön.“
 
Der Fernsehgottesdienst wird am Ostersonntag (31.03.2024) ab 09.30 Uhr live im ZDF übertragen; anschließend kann er über die ZDF-Mediathek abgerufen werden.