Der 22. Sexauer Gemeindepreis für Theologie geht an den Soziologen Hartmut Rosa
Karlsruhe/Sexau, (24.04.2024). Der Soziologe Prof. Dr. Hartmut Rosa bekommt am Samstag, 27. April, in Sexau (Landkreis Emmendingen) den diesjährigen Sexauer Gemeindepreis verliehen. Der 22. Preisträger des Preises für Theologie ist damit zum ersten Mal ein Nicht-Theologe. Der Festakt mit Vortrag durch den Preisträger sowie anschließendem Empfang findet um 19 Uhr in der Kirche Sexau statt. Am Sonntag, 28. April, 10 Uhr, wird Hartmut Rosa im Gottesdienst predigen.
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„Hartmut Rosa überzeugte die Gemeindepreis-Jury sowohl mit seiner Resonanz-Theorie als auch mit seinem Blick auf unsere Gesellschaft und die Welt, in der wir leben“, erklärt der Sexauer Gemeindepfarrer Marco Rückert. In seinem Buch „Unverfügbarkeit“, für das er ausgezeichnet wird, „ermutigt er dazu, mit dem Unverfügbaren zu rechnen“. Wenn über das Unverfügbare nachgedacht werde, so stoße man irgendwann auf den Begriff Gott, so Rückert.
Hartmut Rosa (geboren 1965 in Lörrach) ist Soziologe und Politikwissenschaftler. Er lehrt an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und ist Direktor des Max-Weber-Kollegs für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien an der Universität Erfurt.
„Wünsche werden in unserer Welt schnell Wirklichkeit. Dass kein Wunsch unerfüllt bleibt, daran wird akribisch gearbeitet“, heißt es in der Einladung zur Preisverleihung. „Doch es gibt Dinge, die wir nicht erzwingen können: Schnee im Winterurlaub zum Beispiel. Das ist für Hartmut Rosa das ‚Unverfügbare‘ – mit dem wir zunehmend ein Problem haben.“ Hineingeboren in die spätmoderne Gesellschaft, seien die Menschen, so die These von Hartmut Rosa, darauf fixiert, möglichst alles erreichbar und verfügbar zu machen, beherrschen zu wollen, abzuarbeiten und effizient zu erledigen, was getan werden muss. Nichts soll dem Zufall überlassen werden. „Wie wir trotzdem mit der Welt in Kontakt kommen und in Resonanz sein können, darüber möchte Hartmut Rosa mit uns ins Gespräch kommen“, so der Einladungstext zur Preisverleihung weiter.
Mit dem Sexauer Gemeindepreis werden seit 1981 akademisch lehrende Theologinnen oder Theologen geehrt, die sich in ihrem Forschen, Wirken und Publizieren durch besondere Gemeindenähe auszeichnen, die damit Fragen von Relevanz für die Gemeinden in verständlicher Weise aufnehmen und bearbeiten. Bisherige Preisträger waren unter anderem Jürgen Moltmann, Michael Herbst, Gerd Theißen, Fulbert Steffensky oder der frühere Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, Wolfgang Huber. Der mit 500 Euro dotierte Preis wurde zuletzt 2018 verliehen.