Klare Haltung zeigen und im Gespräch bleiben
- 22.10.2024 -
Landtagspräsidentin Muhterem Aras wirbt auf der Landessynode dafür, eine „Brücke zurück auf das demokratische Festland“ zu bauen
Bad Herrenalb, (22.10.2024). Eine klare Haltung einnehmen und zugleich gesprächsbereit bleiben für alle unterschiedlichen Teile der Gesellschaft: Das war die zentrale Botschaft, die Muhterem Aras mitgebracht hatte zur Herbsttagung der Landessynode der Evangelischen Landeskirche in Baden. Im Rahmen eines Gesprächsabends tauschte sich die baden-württembergische Landtagspräsidentin am Montag mit der Landesbischöfin Heike Springhart und dem Plenum über das Thema „Gesellschaftlicher Zusammenhalt“ aus.
In ihrem Impulsvortrag warf Muhterem Aras zum Auftakt des Abends einen differenzierten Blick auf den aktuellen Zustand der Gesellschaft. Sie skizzierte, wie es Untersuchungen der Bertelsmann-Stiftung belegen, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt und die Verbundenheit mit dem Gemeinwesen in den vergangenen Jahren gelitten hat – während der Pandemie und auch danach. „Dieser Trend birgt große Gefahren, die miteinander zusammenhängen“, betonte Aras – die Gefahr der Vereinsamung, die Gefahr der Spaltung und die Gefahr der Schwächung der Gesellschaft.
Es leide derzeit aber nicht nur das Vertrauen untereinander. Es wachse auch das Misstrauen gegen Kirche und Staat; gegen Organisationen, die in diesen Krisenzeiten eigentlich Halt geben müssten. „Aber glauben wir denen nicht, die behaupten, dass unsere Demokratie versagt, dass alles nur den Bach runtergeht. Die Demagogen können sich nur dann als Heilsbringer aufspielen, wenn wir ihrer Erzählung vom Unheil glauben“, sagte die Landtagspräsidentin.
Muhterem Aras beschränkte sich am Montagabend nicht nur auf eine Bestandsaufnahme der aktuellen Krisensituation. Sie lenkte ihren Blick zugleich darauf, wie sich Demokratinnen und Demokraten im Umgang mit Populisten und „Polarisierungsunternehmern“ gegen den Raubbau an der Demokratie wehren können.
Es gelte zuvorderst, eine klare Haltung einzunehmen. Ohne Haltung gebe es keinen Halt und erst recht keinen Zusammenhalt. „Gerade in Zeiten der Zwietracht, gerade in Zeiten des Zorns müssen wir beharren auf ein humanistisches Menschenbild; ein Menschenbild, das der christliche Glaube mit unserer Demokratie gemeinsam hat“, betonte Aras. Kirche könne Haltung zeigen als gesamte Institution, in ihren Leitungsämtern und jedem Einzelnen.
Neben der klaren Haltung sei es aber auch wichtig, mit den Unterstützern von Demokratiefeinden im Gespräch zu bleiben und die Begegnung nicht zu scheuen, um so eine „Brücke zurück auf das demokratische Festland“ zu bauen. „Und ganz besonders die Kirchen können hier womöglich noch einige Herzen erreichen und sagen: Fürchtet euch nicht.“ Kirche und Politik seien gefordert, Möglichkeiten der Begegnungen für den Zusammenhalt in der Gesellschaft bewusst zu schaffen. „Zuversicht gehört zur Demokratie. Denn die Demokratie lebt von der Idee, dass wir es morgen besser haben könnten als heute“, sagte Aras.
Wie der gesellschaftliche Zusammenhalt konkret von Kirche und Politik gefördert werden kann, war im Anschluss des Impulses ebenso Gesprächsthema mit der Landesbischöfin Heike Springhart und den Synodalen wie die Frage von interreligiöser Bildung in Schulen, von möglichen Fehlern in Kirche und Politik, die das Erstarken extremer Kräfte ermöglicht haben, und der Umgang mit der AfD.
Die Landessynode der Evangelischen Landeskirche in Baden tagt noch bis Donnerstag in Bad Herrenalb im Haus der Kirche. Weitere Schwerpunktthemen sind das Thema Kasualien, die Neufassung des Leitungs- und Wahlgesetzes sowie erste Überlegungen für die Eckdaten des nächsten Doppelhaushalts.
Weitere Informationen zur Herbsttagung der Landessynode und den vorläufigen Zeitplan gibt es im Internet unter: www.ekiba.de/landessynode/herbsttagung2024
