Verurteilter früherer Pastor kein ehemaliger Geistlicher der badischen Landeskirche
- 18.03.2025 -
Aufarbeitung sexualisierter Gewalt besitzt höchste Priorität
Karlsruhe/Freiburg, (18.03.2025). Bei dem Mann, der am Montag vom Landgericht Freiburg wegen des Besitzes von kinderpornografischen Materials zu einer Haftstrafe von drei Jahren und vier Monaten verurteilt worden ist, handelt es sich um keinen ehemaligen Geistlichen der Evangelischen Landeskirche in Baden. Mehrere Medien haben über das Urteil gegen einen „ehemaligen evangelischen Pastor“ bzw. „Pfarrer“ berichtet.
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Die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt besitzt in der Evangelischen Landeskirche in Baden höchste Priorität. Im Januar 2024 waren die Ergebnisse der deutschlandweiten ForuM-Studie zu sexualisierter Gewalt in Kirche und Diakonie veröffentlicht worden. Die Erkenntnisse der Arbeit haben nicht nur die Aufmerksamkeit für das Thema erhöht, sondern auch zu konkreten Maßnahmen geführt. Einer der ersten Schritte, die die Evangelische Landeskirche in Baden nach Veröffentlichung der ForuM-Studie gegangen ist, war die Bewilligung von drei zusätzlichen, unbefristeten Vollzeitstellen im Bereich Prävention, Intervention und Aufarbeitung.
Dadurch ist es unter anderem möglich, die einzelnen Rechtsträger im Bereich der Evangelischen Landeskirche in Baden bei der Erarbeitung von Schutzkonzepten zu unterstützen und im Feld der Prävention das Schulungsangebot weiter auszudehnen. Das heißt: Zusätzlich zu den seit Jahren verpflichtenden Schulungen für Mitarbeitende im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit wird der Blick auf haupt- und ehrenamtliche Leitungskräfte und Personalverantwortliche intensiviert. Dies ist ein Punkt, den die im vergangenen Jahr novellierte EKD-Gewaltschutzrichtlinie vorsieht und der einheitliche Standards bei der Aufarbeitung und Prävention ermöglichen soll.
In der vergangenen Woche hatte zuletzt die Unabhängige Regionale Aufarbeitungskommission Südwest ihren Start planungsgemäß angekündigt. Die URAK Südwest ist eine siebenköpfige Kommission aus Betroffenen, Experten und Vertreterinnen von Diakonie und Kirche, die die unabhängige und professionelle Aufarbeitung sexualisierter Gewalt für Evangelische Kirchen und ihre Diakonischen Werke in der Pfalz und in Baden gewährleistet.
Unabhängig von der URAK hat die Evangelische Landeskirche in Baden ihre landeskirchliche Aufarbeitung von Fällen sexualisierter Gewalt nach der Veröffentlichung der ForuM-Studie im Januar 2024 fortgesetzt und intensiviert.
Bislang (Stand Januar 2025) sind Fälle von 190 Betroffenen (73 Evangelische Landeskirche in Baden/92 Diakonie Baden/25 unbekannt) im Bereich der Evangelischen Landeskirche in Baden und des Diakonischen Werkes in Baden bekannt. Zwölf dieser Fälle (8 Evangelische Landeskirche in Baden und 4 Diakonie Baden) sind nach der Veröffentlichung der ForuM-Studie hinzugekommen.
Bei einem handelt es sich um den Fall eines verstorbenes Kirchenmusikers. Nachdem gegen ihn im vergangenen Jahr im Rheinland der Vorwurf von Fällen sexualisierter Gewalt an Kindern bzw. Jugendlichen in den 1960er und 1970er Jahren bekannt geworden ist, hatte die Evangelische Landeskirche in Baden ihrerseits mit einem Aufruf nach möglichen Opfern im Südbadischen gesucht. Dort ist der Organist von Mitte der 1980er Jahre bis 2012 in den Kirchengemeinden Löffingen und Bickensohl als Organist tätig gewesen. Nach weiteren Recherchen in den Archiven und vor Ort wird dieser Fall ab diesem Frühjahr in Kooperation mit der Evangelischen Kirche im Rheinland eine gemeinsame wissenschaftliche Aufarbeitung durch die Bergische Universität Wuppertal erfahren.