Noch zwölf Millionen Euro fehlen: Landeskirche berät über weitere Einsparungen
- 20.10.2025 -
Landessynode der Evangelischen Landeskirche in Baden tagt in Bad Herrenalb / Themenabend zu Dialogweg Israel-Palästina
Bad Herrenalb/Karlsruhe (20.10.2025). Der kommende Doppelhaushalt und die Weiterentwicklung der Kirche stehen im Mittelpunkt der diesjährigen Herbsttagung der Evangelischen Landeskirche in Baden. Bis Donnerstag, 23. Oktober, werden die Landessynodalen unter der Leitung von Synodalpräsident Axel Wermke im Haus der Kirche in Bad Herrenalb über weitere Einsparungen beraten und zugleich Weichen für die Zukunft stellen.
„Das Ziel ist die Weiterentwicklung der Landeskirche zu einer schlanken, beweglichen, kraftvollen Organisation“, machte Oberkirchenrat Martin Wollinsky am Montag in der ersten Plenarsitzung deutlich, als er in den Doppelhaushalt 2026/2027 einführte.
Der Leiter des Referats Finanzen, Bau und Umwelt fasste zum Auftakt der Tagung noch einmal zusammen, worum es bei den Beratungen in kommenden Tagen geht. Nach Einsparungen in Höhe von rund 100 Millionen seit dem Haushaltsjahr 2022/2023 haben die Landessynodalen im vergangenen April in ihren Beratungen für den kommenden Doppelhaushalt weitere Konsolidierungsmaßnahmen in Höhe von 38 Millionen beschlossen. „Damit sind aber noch nicht alle erkennbaren Lücken geschlossen, sondern es fehlen noch zwölf Millionen Euro, damit wir im Jahr 2032 wieder einen ausgeglichenen Haushalt haben. Das ist Gegenstand der Priorisierungsdebatte“, sagte Wollinsky.
Dabei bleibe es den Delegierten unbenommen, höhere Sparmaßnahmen als die zwölf Millionen zu beschließen, um für die anstehenden Priorisierungen „ein bisschen mehr Luft“ zu bekommen. Zugleich mahnte Wollinsky angesichts der Tatsache, dass die Kirchensteuereinnahmen zuletzt schneller gesunken sind als erwartet: „Je schneller die Einsparungen greifen, desto geringer werden die Rücklagenentnahmen.“
„Mein Eindruck im Vorfeld dieser Synodentagung ist, dass es eine gewisse Anspannung gibt“, sagte der „Finanzchef“ und fügte hinzu: „In gewisser Weise gehört es zu wichtigen Entscheidungen dazu. Aus dieser Spannung entsteht erst die Kraft.“ Wollinsky wünschte den Delegierten für ihre anstehenden Beratungen keine Berührungsängste, sondern Mut - „unabhängig von der Ausgangssituation“. Ermutigend sei für ihn dabei, dass man sich dabei nicht nur mit dem „Wieviel“ beschäftigt, sondern auch mit dem „Wofür“.
Impulsvortrag zu „Kirche und Social-Media“
Dass sich die Delegierten auf der Herbsttagung nicht nur mit Finanzen beschäftigen, wurde in der Plenarsitzung am Montag ebenfalls deutlich. Gastreferentin Dr. Miriam Löhr nahm das Plenum in ihrem Impulsvortrag „Kommunikation des Evangeliums digital – Kirche und Social-Media“ mit in die digitale Welt. Sie zeigte anhand von zwei Beispielen auf Instagram und Youtube, wie Kirche im digitalen Raum für neue Zielgruppen sichtbar werden und Reichweite erzielen kann - mit persönlicher Nähe, räumlich und zeitlich flexibel. Dabei handele es sich um eigenständige, ergänzende Wege, Menschen zu erreichen, indem digitale und analoge Kommunikation verschränkt wird.
Ricardo Schlegel predigt im Eröffnungsgottesdienst
Eröffnet wurde die diesjährige Herbsttagung am Sonntagabend mit einem Festgottesdienst in der Klosterkirche in Bad Herrenalb. Er stand unter der Leitung von Prälatin Heide Reinhard und Prälat Marc Witzenbacher, die Predigt hielt Ricardo Schlegel. Der Generalsekretär der Evangelischen Kirche am Rio de La Plata (IERP) rief dazu auf, den Weg der Ökumene weiterzugehen und als Christen voneinander zu lernen. „Wir haben so viele gemeinsame Sorgen, viele Themen, vor denen wir Angst haben“, betonte er. „Viel Falsches wird als Wahrheit verkauft. Vieles ist weit weg von unseren Werten: Ehrlichkeit, Empathie, Ethik, Gutmütigkeit.“ In Argentinien, so führte er aus, würden mühsam errungene Rechte in Frage gestellt, auch die Demokratie und grundlegende Menschenrechte. Die badische Landeskirche und die IERP hatten im vergangenen Jahr eine Partnerschaftsvereinbarung unterzeichnet. Die Gemeinden der IERP befinden sich in Argentinien, Paraguay und Uruguay.
Themenabend zum Dialogweg Israel-Palästina
Bis Mittwochnachmittag (22. Oktober) werden die Landessynodale in vier Ausschüssen nichtöffentlich tagen, ehe die Synode am Mittwochabend (ab 20.30 Uhr) und Donnerstag (ab 9.15 Uhr) in zwei weiteren Sitzungen wieder öffentlich im Plenum über die Zukunft der Ekiba berät. Am Dienstag wird sich die Synode im Rahmen eines öffentlichen Themenabends ab 20 Uhr mit dem Dialogweg Israel-Palästina beschäftigen. Als Gäste werden sich Sani Ibrahim Azar (Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land) und der Freiburger Weihbischof Peter Birkhofer auf dem Podium mit der badischen Landesbischöfin Heike Springhart austauschen. Die Moderation liegt in den Händen von Oberkirchenrat Wolfgang Schmidt.
Weitere Informationen zur Herbsttagung der Landessynode der Evangelischen Landeskirche in Baden finden Interessierte: