Internationale Partnerkirchen: Wie weltweite ökumenische Zusammenarbeit Kirche lebendig macht

Ob Baumpflanzaktionen in Kamerun oder Begegnungen in Südindien – die Evangelische Landeskirche in Baden pflegt lebendige Partnerschaften mit Kirchen weltweit. Anne Heitmann und Christian Lepper berichten, wie gegenseitige Besuche, gemeinsame Projekte und der Austausch über Glaubensfragen die Kirche stärken – und warum ökumenische Zusammenarbeit gerade heute so wichtig ist.
Was sind internationale Partnerkirchen?
Anne Heitmann: Als Ev. Landeskirche in Baden sind wir Teil der weltweiten Kirche. Das wird konkret, wenn wir mit Kirchen in anderen Teilen der Welt in Verbindung stehen, z. B. durch die Evangelische Mission in Solidarität (EMS). Unsere Verbindungen zu den Kirchen in anderen Ländern sind historisch gewachsen und haben ihre Wurzeln oft in der Missionsgeschichte. Von Basler Missionaren wurden damals z. B. Kirchen in Ghana, Kamerun und Indien gegründet. Im Laufe des 20. Jahrhunderts und im Prozess der Dekolonisierung wurden sie zu selbständigen, unabhängigen Kirchen. Heute arbeiten wir als gleichberechtige Kirchen zusammen.
Mit welchen Kirchen gibt es solche Partnerschaften?
Christian Lepper: Wir haben Partnerkirchen in Ghana, Südindien, Indonesien (Südost-Sulawesi und Bali), Kamerun, Südafrika und viele weitere. Manche sind durch die EMS mit uns verbunden, andere wurden von Kirchenbezirken der ekiba direkt mit den Partnerkirchen geschlossen. Uns alle verbindet die Frage, wie wir Kirche sein in unserer Zeit gemeinsam leben können? Wir wollen gemeinsam Kirche weltweit sein.
Wie arbeiten die Kirchen zusammen?
Anne Heitmann: Auf unserer letzten Jahrestagung „Ökumene und Kirche weltweit“ haben wir zusammen mit Delegationen aus Kamerun, Südindien, Südost-Sulawesi, Südafrika an theologischen, aber auch an ganz praktischen Fragen gearbeitet, etwa wie wir gemeinsame Projekte in den Partnerkirchen, aber auch bei uns voranbringen können, auch angesichts knapper werdender Mittel. Da ist auch deutlich geworden, wie wichtig der Austausch untereinander ist. Die Partnerschaften sind nicht ein- sondern multidimensional. Nehmen wir mal konkret ökologische Projekte: Da läuft sehr viel in unseren Partnerkirchen. Ein Beispiel: Unsere deutsch-südafrikanische Partnerschaftsgruppe wollte eine Baumpflanzaktion initiieren. Dann hörten wir von der kamerunischen Delegation, dass es da so etwas schon längst gibt. Von den Erfahrungen in Kamerun können alle profitieren. Die Delegierte aus Südafrika war davon sehr inspiriert und hat die Idee gleich mit nach Hause genommen.
Christian Lepper: Vor der Jahrestagung fand das Chorfest in Emmendingen statt. Da hat sich die Delegation aus Kamerun spontan mit der Delegation aus Indonesien getroffen. In einem Café saßen die Frauen aus diesen unterschiedlichen Ländern zusammen und haben sich auf Englisch über die Landwirtschaft in ihren Gebieten ausgetauscht. Die Länder haben ein ähnliches Klima und sind auch stark vom Klimawandel betroffen. So wird die Idee von Partnerschaft konkret erlebbar. Das Zusammenbringen von Menschen, das gemeinsame Unterwegs-Sein und mit den Herausforderungen unserer Welt umgehen, ist eine wichtige Dimension von Kirche.
Wie sieht die Zusammenarbeit zwischen den Kirchenbezirken der ekiba und den Partnerkirchen aus?
Christian Lepper: Höhepunkte der Partnerschaften sind die gegenseitigen Besuche. Wir hatten im Bezirk Breisgau-Hochschwarzwald im letzten Jahr Besuch von einer siebenköpfigen Delegation aus Kamerun. So ein Besuch wird von Haupt- und Ehrenamtlichen im Bezirk organisiert. Man überlegt, welche Dimension kirchlichen Lebens für die Besucher*innen interessant ist und versucht ein entsprechendes Programm mit Personen aus verschiedenen Bereichen zu gestalten. Meistens sind die Teilnehmer der Delegation in Familien untergebracht, so dass auch da ein direkter Austausch möglich ist. Wir saßen zum Beispiel abends mit den Gästen aus Kamerun zusammen und erfuhren, wie dort im Moment die politische Lage ist. Jetzt können wir Informationen aus dem Land viel besser einordnen. Im Nachgang so eines Besuchs werden dann Projekte vorangetrieben, man tauscht sich in Chatgruppen aus und gestaltet Partnerschaftsgottesdienste. Inzwischen ist es oft sogar möglich sich wechselseitig in den Gottesdiensten zuzuschalten und Gottesdienst gemeinsam zu feiern.
Wer fährt denn mit zu den Besuchen in den Partnerschaftskirchen?
Christian Lepper: Normalerweise gibt es in den Bezirken Partnerschaftskomitees, die sich um die Partnerschaft kümmern. Die Bezirksbeauftragten für Ökumene und Kirche sind dabei und Menschen aus der Gemeinde, die sich für weltweite Dimension von Kirche interessieren. In der Regel ist auch die Leitung des Kirchenbezirks dabei.
Anne Heitmann: Wir haben dazu Leitlinien, die vorsehen, dass die Delegationen gut gemischt sind. Es sollten möglichst gleich viele Männer und Frauen dabei sein, Jüngere und Ältere, nicht nur das Führungspersonal einer Gemeinde oder eines Bezirks, sondern auch Menschen aus anderen Berufen und mit verschiedenen Qualifikationen. Bei meiner letzten Gemeindepartnerschaftsreise nach Südafrika ging es um die Arbeit mit behinderten Menschen in Südafrika und bei uns. Da war es toll, dass eine Psychologin mit von der Partie war und sehr viel Input geben konnte, für beide Seiten.
In vielen Ländern sind evangelische Kirchen in der Minderheit. Sind die Partnerkirchen unter besonderem Druck?
Christian Lepper: Das ist von Region zu Region ganz unterschiedlich. Der Kirchenbezirk Villingen hat eine Partnerschaft nach Mangalore. Das ist eine Diözese der Church of Southern India. Unsere südindischen Freunde sagen, dass die Lage im Hinblick auf den staatlichen Druck und Einschränkungen der Religionsfreiheit dort entspannter ist als in Nordindien. Das liegt daran, dass Südindien weitgehend von der Kongresspartei regiert wird und nicht von der Hindu-nationalistischen BJP.
Die Kirche in Kamerun (Presbyterian Church in Cameroon, PCC) ist in einer schwierigen Lage, weniger ihrer christlichen Überzeugung wegen, sondern weil die politische Lage in Kamerun insgesamt sehr explosiv ist. In dem Bereich, wo die PCC hauptsächlich ansässig ist, herrschen seit Jahren bürgerkriegsähnliche Zustände, die ihren Ursprung in einem ungelösten Konflikt zwischen dem frankophon dominierten Zentralstaat und den anglophonen Minderheitsregionen haben. Die Menschen aus der PCC bewegen sich zwischen sehr unterschiedlichen politischen Erwartungen und Akteuren und stehen in einem schwierigen Spannungsfeld – deshalb ist der direkte Kontakt so wichtig, um ihre Situation wirklich zu verstehen.
Die Kirche in Kamerun (Presbyterian Church in Cameroon, PCC) ist in einer schwierigen Lage, weniger ihrer christlichen Überzeugung wegen, sondern weil die politische Lage in Kamerun insgesamt sehr explosiv ist. In dem Bereich, wo die PCC hauptsächlich ansässig ist, herrschen seit Jahren bürgerkriegsähnliche Zustände, die ihren Ursprung in einem ungelösten Konflikt zwischen dem frankophon dominierten Zentralstaat und den anglophonen Minderheitsregionen haben. Die Menschen aus der PCC bewegen sich zwischen sehr unterschiedlichen politischen Erwartungen und Akteuren und stehen in einem schwierigen Spannungsfeld – deshalb ist der direkte Kontakt so wichtig, um ihre Situation wirklich zu verstehen.
Anne Heitmann: Aber es gibt auch Partnerkirchen, die in ihrem Land in der Minderheit und dennoch sehr selbstbewusst sind. Auf Bali werden die christlichen Kirchen wegen ihres positiven Beitrags im Bildungs- und Umweltbereich sehr geschätzt.
Wie können wir Partnerkirchen unterstützen?
Christian Lepper: Unsere Partnerkirchen schätzen es sehr, dass sie in ein großes Netzwerk eingebunden sind, weil ihnen das die nötige Resilienz gibt, um mit schwierigen Situationen umzugehen. Das hören wir immer wieder. Das ist die wichtigste Unterstützung. Außerdem können wir in vielen Ländern mit - für deutsche Verhältnisse – geringem Einsatz viel bewirken und dabei helfen, Projekte auf die Beine zu stellen, die sonst nicht umgesetzt werden könnten.
Was können wir von den Partnerkirchen lernen?
Anne Heitmann: Da fällt mir spontan die Sprachfähigkeit im Glauben ein. Diese haben wir durch unsere Säkularisierungsgeschichte zum Teil verloren. Das ist in den Partnerkirchen oft ganz anders. Davon können wir uns inspirieren lassen. Auch wenn uns ihre Form der Frömmigkeit manchmal fremd ist. Darüber zu sprechen und sich damit auseinanderzusetzen, hilft uns über die eigene Kirche und den eigenen Glauben nachzudenken und selbst wieder sprachfähig zu werden. (03.06.2026)
Aktueller Tipp: Die EKIBA hat auch eine Partnerschaft in die USA zu United Church of Christ. Im März besuchte Landesbischöfin Heike Springhart Kansas und Oklahoma. Sie berichtet am 16.6.2026 online.
Im Juli kommt eine fünfköpfige Delegation aus der UCC nach Baden. Sie können Sie am 15.7. in Heidelberg treffen.
