Leicht, liebevoll, fröhlich und berührend: #einfachheiraten

Luftballons in Herzform

„Die Trauung war toll. Selbst unsere hart gesottenen katholischen Gäste haben sie als berührend empfunden“, erinnern sich Dorothea Loth und Sebastian Fürcho an ihre kirchliche Trauung, die sie im Mai 2025 gefeiert haben. Dabei war ihre kirchliche Hochzeit in der Kapelle von Schloss Langenstein im wörtlichen Sinne ganz „einfach“, denn eine große Feier wollte das Paar, das bereits 2015 standesamtlich geheiratet hatte, nicht. So haben am gleichen Tag wie sie noch mehrere weitere Paare im Rahmen der Aktion „einfach heiraten“ auf Schloss Langenstein Gottes Segen für ihre Liebe empfangen. 

Deutschlandweite Aktion

Die vereinzelten guten Erfahrungen mit spontanen Trauungen und Segnungen für Paare in den letzten Jahren waren die Basis für eine deutschlandweite Aktion in diesem Jahr. An den Wochenenden rund um den 26. Juni 2026 können sich Paare deutschlandweit im Rahmen der evangelischen Aktion #einfachheiraten unkompliziert kirchlich trauen oder segnen lassen. „Die Erfahrung hat mir gezeigt, wie wichtig dieses Format ist“, stellt Pfarrerin Nadine Kempf fest, die dieses Jahr bereits zum zweiten Mal die Möglichkeit zur spontanen Segnung oder Trauung in der Bergkirche Freiburg-Opfingen anbietet. „Es gibt Menschen, die kein Bedürfnis nach einer großen Feier haben, sei es aus finanziellen Gründen oder wegen Krankheiten oder anderen Umständen, die es nicht möglich machen, eine große Hochzeit zu feiern. Diese Menschen kommen sonst nicht vor“, stellt sie fest. 
Mehr als 350 Feierorte gibt es in ganz Deutschland, 23 davon innerhalb der badischen Landeskirche. Die Bandbreite der Feierorte ist groß: Neben festlich geschmückten Kirchen und Außenflächen sind auch zahlreiche besondere Orte dabei:  Beispielsweise das Technikmuseum in Sinsheim (20.06., 11-17 Uhr), oder das Flugplatzgelände zwischen Müllheim und Zunzingen (26.06., 11-19 Uhr) oder eine Aktion im Rahmen des mittelalterlichen Peter-und-Paul-Festes in Bretten (04.07., 10-18 Uhr). 

Ein „geschenkter Glückstag“

Mit dabei sind auch Angebote in Mannheim, auf Schloss Langenstein (Kirchenbezirk Überlingen-Stockach) und in Freiburg-Opfingen, die bereits gute Erfahrungen aus den letzten Jahren mitbringen. 
„Ich fand es berührend, wie das alles gleichzeitig leicht, liebevoll, fröhlich und festlich war und zugleich ernsthaft in den Situationen, die ja vermeintlich nicht die Ernste und Schwere eines Hochzeitsgottesdienstes haben“, erinnert sich Pfarrerin Nina Roller, die in Mannheim eine Art „Liebesfestival“ rund um die Citykirche Konkordien organisiert. „Die Paare haben sich total geöffnet im Gespräch und sind in den Moment eingetaucht. Der ganze Tag war wie ein großer Hochzeitsgottesdienst, in der Stimmung zwischen luftigem Liebesfestival und Würde einer Hochzeitsfeier, und das treibt mich an, es dieses Jahr wieder zu organisieren.“
 
Der Ablauf ist in der Regel überall ähnlich: Die interessierten Paare werden von Ehrenamtlichen herzlich empfangen, dann werden sie einer der beteiligten Pfarrpersonen vorgestellt, es gibt ein etwa halbstündiges Kennenlerngespräch auf Wunsch mit Auswahl des Trauspruchs und der Lieder. Dann zieht sich der Pfarrer bzw. die Pfarrerin eine Weile zurück, um die Ansprache und die Zeremonie vorzubereiten. Nach der Zeremonie gibt es noch die Möglichkeit für einen kleinen Sektempfang und – je nach Ort – eventuell ein paar Snacks.
Wichtig sei dabei auch eine gewisse Ästhetik, schön dekorierte Räume und ein motiviertes Empfangskomitee, so die Erfahrung von Nadine Kempf. „Dieser Tag ist ein geschenkter Glückstag“, schwärmt sie. „Menschen haben einen schönen Anlass zu kommen, die Liebe zu feiern und zu spüren, dass es diese noch gibt, obwohl wir in der Welt auch viel Gegenteiliges erfahren.“
 
Pfarrerin Martina Stockburger organisiert das #einfachheiraten auf Schloss Langenstein. Für sie ist es nicht nur ein Fest für die Paare. „Ich freue mich auch auf die Beteiligung der Menschen, die das Fest mitgestalten. Die einen kochen den Kaffee, die anderen sorgen für den Sektempfang. Der Segen wird deutlich durch die Gemeinschaft und das tolle Miteinander, sowohl der Paare, als auch von denen, die mithelfen.“ Da an diesem Tag der Segen, der über allem liege, besonders spürbar sei, plane sie auch zum Abschluss des Tages einen allgemeinen Segensgottesdienst. 

Einfach berührend

Dass die Stimmung auf Schloss Langenstein segensreich ist, können auch
Brautpaar
frisch getraut:  Sebastian Fücho und Dorothea Loth
 Dorothea Loth und Sebastian Fücho bestätigen.Die Geschichte des Paares ist alles andere als geradlinig. Kennengelernt haben sie sich vor mehr als 50 Jahren, bei den Vorbereitungen zu ihrer Konfirmation. Als Jugendliche waren sie bereits ineinander verliebt. Dann kam das Leben dazwischen. Beide heirateten einen jeweils anderen Partner bzw. eine Partnerin und gründeten eine Familie. Als sie sich nach vielen Jahren wiedertrafen, hat aber „der Blitz eingeschlagen“, erinnert sich Sebastian. Am 15.5.2015 gaben sie sich im Standesamt das Ja-Wort. Sie wollten damals noch nicht kirchlich heiraten, weil andere Themen in der Familie gerade viel Ressourcen beanspruchten. Dennoch blieb bei Dorothea der Wunsch, die kirchliche Trauung eines Tages nachzuholen. Als ihr ein Flyer mit Werbung für die spontane Trau-Aktion auf Schloss Langenstein in die Hände fiel, war das für sie ein Zeichen, dass der richtige Zeitpunkt gekommen war. Zehn Jahre und zehn Tage nach ihrer standesamtlichen Heirat haben die beiden sich den Segen für ihre Liebe geben lassen.
 
Für die Aktion kann man sich vorher anmelden, aber auch spontan vorbeikommen. Dorothea und Sebastian haben sich für eine Anmeldung entschieden. So konnten sie auch sicherstellen, dass ihre Wunschlieder gespielt werden konnten. „Beispielsweise ‚Bis hierher hat mich Gott gebracht durch seine große Güte‘, mit dem ich seit geraumer Zeit lebe“, sagt Dorothea, die selbst lange Zeit im Bachchor mitgesungen hat. 
„Wir wollten das spontan und klein feiern“, erläutert Sebastian die Entscheidung für das Format und ergänzt lachend: „Dann wurde es aber doch automatisch größer als gedacht.“ Dorotheas vier Kinder aus erster Ehe samt Partnern und Sebastians älterer Sohn aus erster Ehe, mit dem er zuvor 20 Jahre lang keinen Kontakt hatte, sollten schließlich auch dabei sein. Hinzu kamen dann noch einige Freunde – so wurde es am Ende sogar die größte Feier im Rahmen der Aktion 2025, denn viele Paare kommen alleine oder nur mit der engsten Familie zur Segnung. „Die ganze Trauung und wie es dazu kam sehe ich als von Gott geführt“, ist Dorothea überzeugt. „Ich meine nicht nur die Trauung, sondern auch, dass die Familie dadurch zusammengewachsen ist. Das Gesamte berührt mich bis heute ganz tief im Herzen.“
 
 
Mannheim 
In Mannheim können Paare am 20. Juni von 12 bis 19 Uhr rund um die Citykirche Konkordien, nahe am Marktplatz, ein Festival der Liebe erleben. Drei Orte für die Segnungen bzw. Trauungen mit jeweils verschiedener Musikauswahl stehen den Paaren zur Verfügung: In der Kirche gibt es klassische Orgel- und Klaviermusik, im Garten wird es Popmusik von einer Live-Band geben und wer auf dem Kirchturm über den Dächern der Stadt feiern möchte, kann sich seinen Lieblingssong aus einer Lautsprecherbox auswählen. Ein Mal pro Stunde laden Tanzlehrer*innen zum Tanz in der Kirche ein. 
 
Freiburg-Opfingen
In der evangelischen Bergkirche in Freiburg-Opfingen können sich am Freitag, 26. Juni, von 12 bis 20 Uhr Menschen das Ja-Wort geben oder ihre Liebe segnen lassen. Die Bergkirche bietet - umgeben von Weinbergen - einen fantastischen Blick über Freiburg und den Schwarzwald. Empfangen werden die Paare im festlich geschmückten Gemeindesaal gegenüber vom Pfarrhaus, wo auch der Sektempfang nach der Zeremonie stattfindet.
 
Weitere Orte und Informationen
Interessierte Paare finden auf der zentralen Aktionswebseite www.einfachheiraten.info alle Kirchen und Gemeinden, die Feierorte gestalten. Dort können sie am Aktionstag auch spontan vorbeikommen und werden unkompliziert, persönlich und ohne großen Aufwand kirchlich getraut oder gesegnet. Voraussetzung für eine kirchliche Trauung ist, dass das Paar bereits standesamtlich verheiratet ist und mindestens eine Person der evangelischen Kirche angehört. Für Segnungen sind keine formalen Voraussetzungen nötig.