„Wann wird’s mal wieder richtig Sommer? / Ein Sommer, wie er früher einmal war? / Ja, mit Regenguss und Schatten unter Bäumen / und nicht so heiß und unerträglich wie in diesem Jahr.“
Würde er wohl heuer singen, dieser großgewachsene Showmaster von anno dazumal, na, Sie wissen schon, der mit Nachnamen heißt wie Gott mit Vornamen, dieser … - Ach ja, Rudi Carell (und der andere war Karel Gott, aber da hab ich was verwechselt).
Seine Klage ist so was zu verstehen: Es ist heiß und heiß und heißer, 40 Grad, und wann es am heißesten ist, ist noch lange nicht raus. Da klagen sie alle, alt und jung, Lehrerin und Lieferdienst, Wasserwerk und Waldbesitzer, Bäuerin und Banker, Pastabäcker und Pfarrerin auch. Und nicht von der Hand zu weisen ist, was die Mahnenden seit Jahrzehnten sagen: Der Klimawandel ist menschengemacht. Dass es viel zu heiß ist, dass Unwetter übers Land streifen, dass der Forst brennt und Felder verdorren: wir haben‘s angerichtet!
Wir – und da meine ich jetzt nicht: die da oben, der Nachbar und die Nachbarin, die Russen oder die Amis, irgendwelche Verblendeten oder Unbedarften, sondern wir, du, ich, alle. Alle zumindest, die sich dachten, es könnte einfach immer so weitergehen mit Ressourcenverbrauch, CO2-Ausstoß und Augenverschließen.
Sie merken, ich komme da etwas ins Meckern, aber ich schließe mich mit ein – mir war alles recht, was mich erst einmal nichts anging. Nun, bei 40 Grad, geht’s mich aber etwas an, genau genommen: immer schon. Es war nur leichter, darüber hinwegzusehen. Jetzt ist es unabweisbar: Es muss etwas getan werden, bevor die Kipppunkte gekippt sind, bevor nichts mehr geht.
Aber was kann ich schon tun, ich dahinschmelzender Tropf mit meinen Schweißperlen in der Tageshitze? Das große Ganze ist doch zu groß und ganz schön – oder viel zu – herausfordernd.
Wenn es mit dem Großen nicht klappt, schau ich vielleicht mal auf das Naheliegende? Das tun viele, Gott sei Dank, und kommen auf gute Ideen: den Wasserverbrauch reduzieren, den Müll auch; denen helfen, die noch mehr leiden und auf sie achten: auf die Kinder, auf Seniorinnen und Senioren; kühle Räume anbieten (Kirchen, wie’s gerade viel geschieht!) und kühl abwägen, wie ich einkaufe und was ich verbrauche. Mit kühlem Kopf und heißem (dann doch) Herzen die im Blick haben, für die der Wassermangel keine Aussicht, sondern tödliche Realität ist. Es wird Ihnen noch mancherlei einfallen, was hilfreich und gerecht sein könnte.
Immerhin, Gott hat uns mit der Macht begabt, die Dinge vor die Wand zu fahren, mit der Fantasie aber auch, (gerade noch) rechtzeitig abzubiegen, neue Wege einzuschlagen. Auch wenn es bei dieser Hitze etwas schwerfällt, sich zu rühren, es ist gut zu spüren, wenn sich etwas bewegt. Ein kleines Windchen der Veränderung macht die Hundstage erträglicher und lässt auf gute Tage hoffen.
