Sicher handeln, sicher sein – Wie Prävention in Gemeinden konkret wird

Hilfe bei sexualisierter Gewalt
Schutz vor sexualisierter Gewalt beginnt dort, wo Menschen aufmerksam werden, Grenzen ernst nehmen und wissen, an wen sie sich wenden können. Das Team der Stabsstelle Schutz vor sexualisierter Gewalt erläutert, wie die badische Landeskirche Gemeinden dabei unterstützt, Prävention konkret zu gestalten.
Was sich seit Veröffentlichung der ForuM-Studie verändert hat
Die Veröffentlichung der ForuM-Studie 2024 hatte in der badischen Landeskirche Konsequenzen: die Stabsstelle Schutz vor sexualisierter Gewalt wurde personell verstärkt. Bernd Lange, der die Stabsstelle leitet: „Wir konnten personell in den Bereichen Prävention und Schutzkonzeptberatung aufstocken. Neu dazugekommen ist mit Gabriele Strauß auch eine Person für den Bereich Aufarbeitung.“
Für Personen mit Leitungsverantwortung gelten neue Anforderungen. Bernd Lange: „Durch die Änderung im Leitungs- und Wahlgesetz müssen jegliche Leitungspersonen Schulungen haben und ein Führungszeugnis vorlegen. Das war vorher nicht so.“ Rund 3.500 Menschen betrifft das aktuell. „Wir merken: Die Schulung verändert die Wahrnehmung. Das Thema kommt aus der Nische heraus und liegt jetzt einfach obenauf.“
Für Personen mit Leitungsverantwortung gelten neue Anforderungen. Bernd Lange: „Durch die Änderung im Leitungs- und Wahlgesetz müssen jegliche Leitungspersonen Schulungen haben und ein Führungszeugnis vorlegen. Das war vorher nicht so.“ Rund 3.500 Menschen betrifft das aktuell. „Wir merken: Die Schulung verändert die Wahrnehmung. Das Thema kommt aus der Nische heraus und liegt jetzt einfach obenauf.“
Wie die Stabsstelle arbeitet
Das Team der Stabsstelle nimmt verschiedene Aufgaben wahr: Prävention, Schulungen, Schutzkonzeptberatung, Intervention, Begleitung und Aufarbeitung.
Hilfreich ist die enge Zusammenarbeit innerhalb des Teams. Gabriele Strauß: „Wir profitieren sehr davon, wenn wir uns gegenseitig aus unseren Arbeitsbereichen berichten oder auch nachfragen können. Denn wer sich meldet, bringt häufig einen ganzen Fragenkatalog mit. Oft geht es gleichzeitig um Prävention, Beratung, mögliche Intervention und Aufarbeitung.“ Milena Hartmann bestätigt das: „Was in der Aufarbeitung sichtbar wird, kann Prävention verbessern. Was in der Intervention geklärt wird, können wir in der Prävention vermitteln.“
Hilfreich ist die enge Zusammenarbeit innerhalb des Teams. Gabriele Strauß: „Wir profitieren sehr davon, wenn wir uns gegenseitig aus unseren Arbeitsbereichen berichten oder auch nachfragen können. Denn wer sich meldet, bringt häufig einen ganzen Fragenkatalog mit. Oft geht es gleichzeitig um Prävention, Beratung, mögliche Intervention und Aufarbeitung.“ Milena Hartmann bestätigt das: „Was in der Aufarbeitung sichtbar wird, kann Prävention verbessern. Was in der Intervention geklärt wird, können wir in der Prävention vermitteln.“
Was Gemeinden konkret brauchen: Schutzkonzepte als Ermöglichung
Sie erläutert: „Ziel der Präventionsarbeit ist es, dass jeder Mensch, der mit der Landeskirche zu tun hat, egal ob hauptamtlich, ehrenamtlich oder als Besucher*in, sicher unterwegs ist, vor Gewalt geschützt wird und sich wohl fühlt, so wie er oder sie ist.“ Deshalb unterstützt das Team der Stabsstelle Gemeinden dabei, die Anforderungen aus der Gewaltschutzrichtlinie umzusetzen, z.B. bei der Schutzkonzepterstellung. Das ist u.a. die Aufgabe von Karin Wilke: „Am Anfang geht es oft um die Fragen: Wofür ist ein Schutzkonzept gut? Warum brauchen wir das?“ Viele Gemeinden befürchten, dass sie künftig alles anders machen müssen. Das ist nicht der Fall. „Meist ist schon viel Gutes da. Ein Schutzkonzept hilft, das sichtbar zu machen, Lücken zu erkennen und konkrete Schritte zu vereinbaren.“
Bernd Lange ergänzt: „Es geht ja nicht darum kirchliches Leben zu verbieten, sondern zu fragen: Wie können wir es sicher gestalten? Für mich sind Schutzkonzeptprozesse Ermöglichungsprozesse.“
Manchmal verändert schon ein kleiner Schritt viel – ein besser einsehbarer Raum, eine klare Absprache, ein ausgehängter Verhaltenskodex.
Bernd Lange ergänzt: „Es geht ja nicht darum kirchliches Leben zu verbieten, sondern zu fragen: Wie können wir es sicher gestalten? Für mich sind Schutzkonzeptprozesse Ermöglichungsprozesse.“
Manchmal verändert schon ein kleiner Schritt viel – ein besser einsehbarer Raum, eine klare Absprache, ein ausgehängter Verhaltenskodex.
Gemeindeleitungsschulung: Sicherheit gewinnen statt verunsichern
Ein Herzstück der aktuellen Arbeit ist die Gemeindeleitungsschulung „Sicher handeln – sicher sein“. Friederike Gaiser leitet dieses Projekt. „Im Leitungs- und Wahlgesetz ist festgelegt, dass alle, die Leitungsverantwortung für eine Gemeinde übernehmen, innerhalb von zwölf Monate nach Amtsantritt an einer Sensibilisierungsschulung teilgenommen haben müssen. Das Format der Gemeindeleitungsschulung ermöglicht es, in diesem Zeitraum eine so große Anzahl Menschen auf den gleichen Wissensstand zu bringen und dieselbe Schulung zu durchlaufen.“ Die Teilnehmenden sollen wissen, worauf sie achten müssen, welche Wege es im Verdachtsfall gibt und wo sie Unterstützung bekommen. „Wir steigen ein mit Fakten und Zahlen, aber dann stehen praktische Übungen, digitale Umfragen, Fallbeispiele und Beiträge externer Fachleute im Mittelpunkt. Das Publikum wird einbezogen, Fragen werden aufgenommen. Vor Ort stehen außerdem Awareness- und Seelsorgeteams bereit. Die bisherigen Rückmeldungen zeigen: Viele Teilnehmende gehen sicherer heraus, als sie gekommen sind.“
Was Betroffene und Mitarbeitende wissen sollten
Wer selbst von sexualisierter Gewalt betroffen ist, etwas beobachtet oder ein ungutes Gefühl hat, soll sich bei Bernd Lange oder Gabriele Strauß melden. Dann wird zunächst vertraulich geklärt, worum es geht. In dieser Phase kann alles noch anonym sein. Die nächsten Schritte werden transparent besprochen. Gabriele Strauß: „Wir können zuhören, beraten und weitervermitteln, auch recherchieren und dokumentieren.“
Prävention als Teil kirchlicher Kultur
Ab 2026 werden Auffrischungen, Vertiefungsangebote und Unterstützung für Menschen in Leitungsverantwortung nötig sein. Auch Schutzkonzepte müssen weiterentwickelt werden, wenn sich Situationen, Gruppen oder Räume verändern. Bernd Lange über seinen Blick in die Zukunft: „Ich wünsche mir, dass jedem und jeder klar wird, dass sexualisierte Gewalt einfach ein Thema ist, das besprochen werden muss, um miteinander Kirche zu sein. Dass nicht andauernd hinterfragt wird: Warum reden wir eigentlich darüber? Kein Mensch hinterfragt, dass in Gemeindehäusern ein Feuerlöscher hängt, weil jedem klar ist: den brauchen wir unter Umständen. Kein Mensch hinterfragt, dass ich einen Erste-Hilfe-Kasten im Auto haben muss. Der ist einfach da. Und genauso hinterfragt in Zukunft hoffentlich niemand mehr, dass dieses Thema überhaupt ein Thema ist, sondern arbeitet daran, dass wir gut und sicher Kirche miteinander sein können.“
Die nächsten Gemeindeleitungsschulungen finden am 19.09.2026 in Konstanz und am 24.10.2026 in Lörrach statt.
Die nächsten Gemeindeleitungsschulungen finden am 19.09.2026 in Konstanz und am 24.10.2026 in Lörrach statt.
Eine Übersicht über Kontaktmöglichkeiten und Beratungsstellen findest du hier.
Die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt wird von unabhängigen Kommissionen begleitet. Für Baden und die Pfalz ist das die URAK Südwest.