Gemeinschaft kennt kein Mindestalter 

Kind spielt im Freien

Gottesdienst & Kirchenmusik

Wenn Kinder mit leuchtenden Augen Brot und Traubensaft empfangen, wird spürbar: Beim Abendmahl geht es um Gemeinschaft, um Nähe – und darum, dass niemand ausgeschlossen ist. Seit 25 Jahren sind in der badischen Landeskirche auch Kinder und Jugendliche selbstverständlich eingeladen. Ein Jubiläum, das daran erinnert, wie wertvoll es ist, wenn alle Generationen gemeinsam am Tisch Gottes Platz finden.

„Seit 1977 war es prinzipiell schon möglich und wurde in manchen Gemeinden auch praktiziert, dass Kinder am Abendmahl teilnehmen konnten oder im Kindergottesdienst Abendmahl gefeiert wurde“, berichtet Diakon Lutz Wöhrle, der Landeskirchliche Beauftragte für Kindergottesdienst. Allerdings war es noch lange nicht an der Tagesordnung und brauchte vor allem den Beschluss des Ältestenkreises der jeweiligen Gemeinden.  
 
An solche Situationen erinnert sich auch die Kindergottesdienst-Bezirksbeauftragte Sieglinde Knausenberger aus Villingen, die schon seit vielen Jahrzehnten ehrenamtlich in der Kindergottesdienst- und Jungschararbeit aktiv ist: „Unsere Jungscharkinder fühlten sich bei einem Gottesdienst zu Himmelfahrt in der Nachbargemeinde einmal regelrecht ausgeschlossen, weil sie dort nicht wie gewohnt zum Abendmahl mitgehen durften.“ Pfarrerin Lisa Bender hat als Kind ähnliches erlebt: „Für mich war Abendmahl-Feiern ganz normal; aber ich erinnere mich, wie ungerecht ich es fand, dass das für andere Kinder nicht unbedingt selbstverständlich war.“ 

Den besonderen Moment erspüren

Wer der Teilnahme von Kindern am Abendmahl kritisch gegenüberstand, begründete dies zum Einen damit, „dass Kinder noch nicht die dafür notwendige Würde mitbrächten“, sagt Sieglinde Knausenberger. Dabei ist ihre Beobachtung beim Abendmahl im Gottesdienst, und auch wenn sie selbst im Kindergottesdienst oder in der Jungschar Abendmahl feiert, dass es beachtlich sei, welches Gespür Kinder für dieses Thema mitbrächten. Gerade die Kleinsten erlebten das Geschehen „mit allen Sinnen“.   
Ein anderes Argument lag in der starken Verknüpfung von Abendmahl mit der Konfirmation begründet: „Mit der Vorbereitungen der Konfis auf ihre erste Abendmahlsfeier sollten die Bedeutung und der Ritualcharakter dieses wichtigen Ereignisses hervorgehoben werden“, erklärt Lutz Wöhrle. Die Überlegung sei zwar durchaus nachvollziehbar, aber, so ist sich Wöhrle mit Sieglinde Knausenberger einig, „auch jüngere Kinder können durchaus die Besonderheit eines solchen Moments erspüren – teilweise sogar besser als Erwachsene“.   
 
Nicht umsonst stand der Wunsch, mit der gesamten Gemeinde zusammen Abendmahl feiern zu dürfen, an ganz oberster Stelle, als (Jungschar-)Kinder aus ganz Baden im Rahmen des Kinderkirchengipfels im Jahr 1999 in Konstanz ihre Forderungen an die Landessynode für eine kinderfreundlichere Kirche schriftlich formulieren durften. Und ihr Wunsch blieb nicht ungehört. 

Feiern mit allen

Wenn Kinder am Abendmahl teilnehmen, sollte dem natürlich auch Rechnung getragen und die Feier entsprechend gestaltet werden. So tragen einfache Sprache in der Liturgie oder zusätzliche, kindgerechte Erklärungen des Geschehens zum allgemeinen Verständnis bei; Saft in Einzelkelchen oder auch Weintrauben – zusätzlich zum Wein für die Erwachsenen – sind kindgerecht, ebenso vorgeschnittene Brotstückchen, welche die kleinen Hände nicht erst von einem großen Laib abbrechen müssen.    
 
Lutz Wöhrle erlebt es in Baden inzwischen als „sehr selbstverständlich und bewährt“, dass auch Kinder schon Abendmahl feiern. Trotzdem findet er es „wichtig, dass wir das Jubiläum im Blick haben, um daran zu erinnern, wie das überhaupt möglich geworden ist“.  
Das Religionspädagogische Institut Baden hat daher Gottesdienstentwürfe und eine Broschüre zum Thema Abendmahl mit Kindern erstellt, wo Verantwortliche Tipps für die kindgerechte Gestaltung von Abendmahlsfeiern finden. Ab Herbst 2026 wird es eine Gemeindebriefvorlage zum Thema geben; ebenfalls in Arbeit ist eine TaskCard anlässlich des 25jährigen Jubiläums der synodalen Entscheidung.  

Kinder gehören dazu

„Wenn die ganze Gemeinde gemeinsam das Abendmahl feiert, ist das eine wunderbare Chance, Gottesdienst generationsübergreifend zu gestalten“, betont Lutz Wöhrle, selbst Vater von zwei kleinen Söhnen. Abgesehen davon sei es für Eltern auch eine gewisse Entlastung und ein schönes Gefühl, wenn sie sich dabei als Familie am Altar versammeln könnten, und nicht etwa einer bei den Kindern in der Kirchenbank bleiben müsse, während der andere allein nach vorne geht. Und Sieglinde Knausenberger beobachtet immer wieder: „Das fröhliche Annehmen dieser Gemeinschaft, das die Kinder mitbringen, ist in gewisser Weise ein frisches Element beim Abendmahl. Das schätzen auch die Erwachsenen und stellt in keiner Weise die notwenige Ernsthaftigkeit des Geschehens in Frage.“ 
 
Lisa Bender bringt diesen Gemeinschaftsgedanken auf den Punkt: „Alle stehen im selben Kreis, alle essen vom selben Brot. Das bringt für mich zum Ausdruck, wie wir als Kirche sein wollen: Alle zusammen, egal welchen Alters oder Bildungshintergrunds, welcher Herkunft oder Sprache – und da gehören die Kinder auf jeden Fall dazu.“ (16.09.2026)
 
Die „Handreichung Abendmahl mit Kindern“ finden Sie unter www.rpi-baden.de -> Gemeindepädagogik -> Kindergottesdienst -> Material für den Kindergottesdienst.  
Die TaskCard ist unter www.kigo.de zu finden.