
Wie gehen wir mit einem nationalsozialistisch geprägten Kirchenraum um?
Die Pfarrerin der Gemeinde klagte, sie müsse ständig "gegen den Geist des Kirchenraums predigen". Der Denkmalpflegerin lief ein "Schauer über den Rücken" als sie diese Kirche zum ersten Mal betrat. Die alte Dorfkirche in Laudenbach, "ein bewundertes Denkmal des Mittelalters und ein einzigartiges Symbol des dritten Reiches" so der Titel eines lesenswerten Aufsatzes der Landesdenkmalpflege, die dieses besondere Zeitzeugnis in einem 3D-Modell für die Nachwelt festhielt und dokumentierte.
Die Aufgabenstellung dieses Bauvorhabens bestand daher über die üblichen technischen und funktionalen Themen einer Kirchenrenovation hinaus vor allem im Umgang mit der düsteren und ideologisch geprägten Gestaltung aus dem Jahr 1936. Die eindeutige Distanzierung und kritische Auseinandersetzung, gleichzeitig die Herstellung einer heiteren und leichten Atmosphäre für die Feier künftiger Gottesdienste waren die zentralen Herausforderungen in dieser Kirche. Lesen Sie hier den Impuls der Landeskirche für den 2017 ausgelobten Architekturwettbewerb.
Aus gottesdienstlichen und liturgischen Gründen mussten die trennenden Barrieren und der Hochaltar im Chor entfernt werden. Neue Stühle ersetzen einen Teil der Bänke. Alle weiteren Maßnahmen sind, nicht zuletzt auch aufgrund fehlender Mittel, sehr einfach ausgefallen. Die rauen Putzflächen an den Wänden wurden überstrichen, Ergänzungen mit Holzparkett verbinden sich harmonisch und barrierefrei mit den vorhandenen Holzböden. Sogar die alten Leuchten wurden beibehalten und lediglich mit helleren Lampen ausgestattet. Die neuen Prinzipalien entwickeln sich aus einem kreuzförmigen Grundprinzip und setzen mit ihrer besonderen Farbgebung einen schönen Kontrapunkt in der ansonsten homogen gehaltenen neuen Gestaltung des Kirchenraumes.
Das sicherlich prekärste Element der nationalsozialistischen Ausstattung, das sogenannte "Heldengedenkfenster" über der Taufe, blieb an Ort und Stelle und als Mahnung erhalten. Die mit Hakenkreuz versehene Parole: „Deutschland muss leben, auch wenn wir sterben“ bekam in Form einer Überschreibung eine Kommentierung: in einer Vorsatzscheibe steht in 40 Sprachen das 5. Gebot „Du sollst nicht töten“.
Zusammen mit dem einige Jahre zuvor erbauten Gemeindehaus und der von der Kommune angelegten Außenanlage ist eine neue Mitte in dem kleinen Ort an der Bergstraße entstanden.
Daten und Fakten
Fertigstellung 2023
Architekturbüro: Wandel Lorch Götze Wach, Frankfurt/Saarbrücken
Fotografie: Miguletz, Frankfurt
Bauherrin: Evangelische Kirchengemeinde Laudenbach
Architekturbüro: Wandel Lorch Götze Wach, Frankfurt/Saarbrücken
Fotografie: Miguletz, Frankfurt
Bauherrin: Evangelische Kirchengemeinde Laudenbach