Hören in der Kirche

Menschen mit Hörbeeinträchtigung benötigen technische Hilfen zur Teilhabe am Gottesdienst
Wer gut hört, gehört dazu
Mit zunehmendem Alter lässt das Hörvermögen oft schleichend nach. Mehr als die Hälfte der über 70‑Jährigen ist von Hörbeeinträchtigungen betroffen. Doch auch jüngere Menschen können durch einen Hörsturz oder dauerhafte Lärmbelastung einen Teil ihrer Hörfähigkeit verlieren. Die daraus entstehenden Missverständnisse belasten und machen einsam.
Induktionsanlage- die bewährte Lösung
In unseren Kirchen laden wir zum gemeinschaftlichen Gottesdienst ein. Doch in der komplexen Akustik von Kirchenräumen ist es besonders schwer, Töne zu unterscheiden. Damit Menschen mit Hörbeeinträchtigungen teilhaben können, brauchen sie technische Unterstützung. Eine bewährte Lösung ist die Induktionsschleife. Dazu wird ein dünner Draht im Boden verlegt und über einen Verstärker an die bestehende Akustikanlage angeschlossen. Hörgeräteträger können so den Gottesdienst wieder klar und ohne Störungen verfolgen. Ideal ist der Einbau im Zuge einer Innenraumsanierung, aber auch das Nachrüsten einer Induktionsanlage ist meistens problemlos realisierbar. Ihre Bausachverständigen beraten Sie dazu.
Viele Hörgeräte sind inzwischen Bluetooth-fähig. Für induktive Höranlagen sprechen jedoch weiterhin zahlreiche Vorteile der Barrierefreiheit:
1. Mit fast allen Hörgeräten möglich
In 93 % aller modernen Hörgeräte sind Empfangsspulen für induktives Hören verbaut. Sie sind jedoch nicht immer vom Hörakustiker aktiviert. Nach einer Sensibilisierung der Nutzerinnen und Nutzer für die technische Möglichkeit lässt sich dies jederzeit problemlos nachholen. Wenn ein Hörgerät keine Spule enthält, können kostengünstige Zusatzempfänger (ab 15 € erhältlich) genutzt und mit dem Hörgerät gekoppelt werden.
2. Analoge Technik ohne Zeitverzögerung
Induktionsschleifen arbeiten analog und ohne Verzögerung: Die Nutzenden können überall im Raum sitzen und erhalten das Signal gleichzeitig mit dem Lautsprecherklang. Der entscheidende Nachteil bei Bluetooth und anderen digitalen Übertragungstechniken: Durch die doppelte digitale Signalwandlung beim Senden und Empfangen entsteht eine deutliche Zeitverzögerung (Delay). Dadurch passt das Gehörte nicht mehr zum Mundbild der sprechenden Person. Gerade mittel- und hochgradig schwerhörige Menschen sind jedoch auf Mundbild und Mimik angewiesen, um Sprache zu verstehen. Auch bei der neuesten Bluetooth-Variante Auracast konnte dieses Grundproblem bis jetzt noch nicht gelöst werden.
3. Smartphone-Abhängigkeit bei Bluetooth
Bluetooth-fähige Hörgeräte benötigen zwingend ein Smartphone oder ein vom jeweiligen Hersteller vertriebenes Empfangsgerät zur Nutzung und Steuerung. Die Kopplung ist ohne technisches Know-how oft schwierig. In der Praxis führt das zu erheblichem Betreuungsaufwand in Gemeinden, da jedes Gerät individuell eingerichtet werden muss. Zudem müssen sich Besucherinnen und Besucher offen zu ihrer Hörbeeinträchtigung bekennen, um Unterstützung zu erhalten.
4. Hohe Kosten für Bluetooth
Alle Komponenten Bluetooth-basierter Systeme sind teuer. Entsprechend intensiv werden sie von der Hörgeräteindustrie beworben.
5. Langlebigkeit
Induktionsanlagen sind äußerst robust und langlebig. Eine Investition von rund 4.000 € für eine neue Anlage trägt über viele Jahre und oft über mehrere Sanierungszyklen hinweg.
Weitere Informationen finden Sie hier: Kirche für Gehörlose und Schwerhörige
Herr Bernhard Wielandt
Landespfarramt für Gehörlose und Schwerhörige – Landeskirchlicher Beauftragter