Verabschiedung von Studienleiter Pfarrer Jürgen Fobel am 11.12.2026
Was haben ein Choral von Gerhard Tersteegen, ein roter Fanhut des 1. FC Köln, ein Bob-Dylan-Song und fundierte Seelsorgeausbildung gemeinsam?
Sie verbinden sich in der Person und dem Wirken von Jürgen Fobel zu einem stimmigen Ganzen, wie die kreativen Beiträge zu seiner Verabschiedung zeigten: vielschichtig und berührend war dieser Abschied, getragen von Dankbarkeit, Tiefe und Humor. Seine Predigt und alle Abschiedsworte machten deutlich, wofür Jürgen Fobel seit vielen Jahren steht: für eine Seelsorge, die gelebt wird, für theologische Klarheit mit weitem Horizont, für ausgewiesene pastoralpsychologische Kompetenz und für eine weltoffene Haltung, die die Menschen wirklich meint.
Und dies in aller Bescheidenheit. Ein „großer Bahnhof“ sollte es nicht sein. Stattdessen fand die Verabschiedung in einem familiären Rahmen in der Kapelle des Moratahauses in Heidelberg statt. 16 Jahre wirkte Jürgen Fobel als Studienleiter im Zentrum für Seelsorge (ZfS) in der Qualifikation Ehrenamtlicher in Südbaden, 14 Jahre als Dozent im Predigerseminar. Die Seelsorgeaus- und -fortbildung in der badischen Landeskirche hat er in dieser Zeit maßgeblich mitgeprägt. Zum 1. Januar trat er nun „halb“ in den Ruhestand ein – während er „mit der anderen Hälfte sich selbst vertritt“ und für ein weiteres Jahr im Predigerseminar tätig bleibt. In seiner Predigt nahm er die Anwesenden mit auf den Weg – im doppelten Sinn. Empathisch griff er das vertraute Bild des „Unterwegsseins“ auf und füllte es neu: als lebenslange Bewegung, als geistliche Übung, als Bezogensein auf das Unendliche. „Das Leben sei ein Wandern.“ Ausgehend von Gerhard Tersteegens Abendlied und inspiriert von biblischen Weggeschichten entfaltete er eine zugleich theologische, pastoralpsychologisch inspirierte und persönliche Reflexion darüber, was es heißt, im eigenen Tun und Lassen über sich hinaus bezogen zu sein. Berührend waren seine Eindrücke aus Jahrzehnten Tätigkeit in seelsorglicher Praxis, Aus- und Fortbildung. Seine Leidenschaft für diese Arbeit und sein großes Herz für die Menschen darin wurden einmal mehr spürbar.
Die Ansprache im Gottesdienst hielten KR Sabine Kast-Streib, Direktorin des Zentrums für Seelsorge, und KR Monika Lehmann-Etzelmüller, Leiterin des Predigerseminars. Gewürdigt wurden die tiefen Spuren, die Jürgen Fobel in Kirche und Ausbildung hinterlassen hat – als Studienleiter, der das Zentrum für Seelsorge mit aufgebaut hat, als Dozent, Supervisor und Kursleiter für viele hundert Ehren- und Hauptamtliche. Seine Klarheit, Warmherzigkeit, Verlässlichkeit und sein trockener Humor fanden ebenso Erwähnung wie sein unermüdlicher Einsatz, seine vielen Wege durch Südbaden, seine große Präsenz vor Ort, und sein leidenschaftliches Eintreten für qualitätsvolle und innovative Seelsorge(Ausbildung). Die Jahreslosung „Siehe, ich mache alles neu“ (Offb 21,5) stand als biblische Grundlage für das Noch-Dazugehören und das allmähliche Loslassen, für Vertrautes, das bleibt, und Neues, das sich öffnet.
In den Grußworten wurde diese Würdigung persönlich vertieft. Prof. Annette Haußmann, wissenschaftliche Direktorin des ZfS und Kollegin im Predigerseminar, hob Jürgen Fobels Fähigkeit hervor, wissenschaftliche Reflexion und seelsorgliche Praxis miteinander zu verbinden, Tradition zu schätzen und zugleich offen für neue Entwicklungen zu sein – bis hin zu digitalen Formaten und aktuellen Forschungsfragen. Studienleiter Gerd Haug, Jürgen Fobels Kollege für die Ehrenamtlichenqualifikation in Nordbaden, dankte ihm für die vertrauensvolle Zusammenarbeit, und überreichte ihm einen Fanhut des 1. FC Köln – eine passende Gabe für einen treuen Köln-Fan, der nun „gut behütet“ in den Ruhestand gehen darf. Das Team des Zentrums für Seelsorge schenkte ihm eine „Sys-Tie-Hum+“-Supervisionssitzung für den anstehenden Lebensübergang, geprägt vom integrativen pastoralpsychologischen Profil des ZfS, sowie von viel Humor und noch mehr Dank für die gemeinsame Arbeit und das geteilte Erleben in den vergangenen Jahren. Die Vikar*innen des aktuellen Ausbildungskurses brachten mit viel Augenzwinkern eine Sequenz aus ihrem Kurs dar, in der sie die Charakteristika von Jürgen Fobels Unterrichtsstil liebevoll würdigend aufs Korn nahmen. Und die Dozierenden des Predigerseminars ehrten ihn, indem sie ihm als glühenden Bewunderer von Bob-Dylan einen seiner Songs umdichteten und vorsangen.
So wurde Jürgen Fobels Verabschiedung zu einem Fest des Dankes und der Verbundenheit. Auch wenn nun ein neuer Abschnitt beginnt, bleiben die Spuren seines Wirkens, die gewachsenen Beziehungen und das gemeinsame Unterwegssein – getragen von dem Zuspruch, der über allem stand: „Siehe, ich mache alles neu.“
Sabine Kast-Streib
Bilder von der Verabschiedung

